Windhauch ~[#Kürbistumor]

1.1K 73 23
                                        

P.O.V. Paluten

Bald. Bald war ich zu Hause.
Ich kam gerade vom Flughafen nach Hause und freute mich schon riesig. Auf Manu.
10 Tage war ich weg. Ohne ihn.

Ach... wenn man vom Teufel spricht. Manu rief mir gerade an und ich nahm glücklich ab.
"Ja Schatzi? Bin gleich da."
Aber Manus Laune schien nicht ansatzweise so gut zu sein wie meine.
Ich hörte ihn am anderen Ende der Leitung fest Schluchzen.

"Patrick", so nannte er mich nur wenn es WIRKLICH wichtig war, "ich...ich war dumm. Ich wollte das nicht! Glaub mir!"
"Hä was? Was soll ich dir glauben?"

"Ich...das mit Max... ich... NEIN!"
Sein Schluchzen wurde immer lauter.

"Ähm Manu? Wo genau bist du? Zuhause?"
"Fast. Oben."

"Manu! Was ist hier los verdammt!"

"Ja schau nach oben!", ich folgte seinen Anweisungen und da sah ich ihn.
Oben.
Auf dem Dach unseres Hauses.
Nah am Rand.
Nah am Abgrund.
Nah am Tod.
Zu nah.

Tränen stiegen mir in die Augen und Panik kam in mir hoch.
Ich liess den Koffer einfach stehen und versuchte so ruhig wie möglich auf Manu einzureden, während ich so schnell es ging zu unserem Haus rannte.
"Manu. Bitte, bleib."
"Ich...ich wollte das nicht, Palle. Es...es tut mir so leid. Ich...bin eine Schande. Ich sollte es einfach tun."
"Nein! Manu! Ich...", ich atmete schwer, als ich die Treppen hoch sprintete.
Normalerweise wäre ich schon erschöpft zusammen geklappt, aber ich konnte nicht. Ich durfte nicht! Für Manu!
Also legte ich noch einen Zahn zu und rannte. Rannte um Manus Leben.
"DOCH! Ich...du...du hast so einen Freund nicht verdient! Komm! Nenn mich ein Hurensohn! Bitte! Sag's mir einfach!
Schrei mir ins Gesicht wie falsch es war, mit Max zu Schlafen, als du weg warst! Sag mir wie scheisse ich bin! Sag mir dass du mich hasst!"

Ich spürte förmlich, wie Manu noch einen Schritt näher an die Kannte schritt. Mein Herz zog sich zusammen und das Adrenalin pumpte nur so durch meine Adern.

"NEIN! MANU!"
Ich erreichte die schwere Eisentür, welche aufs Dach führte.
Und da stand er. Direkt an der Kante...
er drehte sich zu mir um und ich rannte noch die letzten paar Meter, bis ich nicht mehr weit von ihm weg stand.
Mein Handy schmiss ich dabei achtlos auf den Boden.

"Manu!", schrie ich, "bitte. Tu's nicht! Es ist mir scheissegal, was du getan hast, aber tu mir das nicht an! Tu DIR das nicht an!"

Manu drehte mir wieder den Rücken zu und starrte stattdessen auf Köln.
Den Kölner Dom, wie er ruhig da stand. Als wäre alles wie immer. Als stünde Manu jeden Tag hier und wollte springen.

"Schau mal, die Leute... wie sie nichtsahnend da unten laufen. So seelenruhig. Ich will auch so seelenruhig sein können", seine Stimme war monoton. Vom Schluchzen von vorhin war keine Spur mehr. Es schien als wäre er die Ruhe selbst.
Und das machte mir Angst. So unglaubliche Angst.

"Überleg mal, ein einfacher Windhauch, könnte alles beenden..."

Er stellte sich auf einen Fuss und liess den anderen über der Kannte baumeln.
"Nur ein wenig Wind und ich könnte Fliegen"

"Manu", meine Stimme brach, aber ich versuchte weiter zu reden. Ich musste. Für Manu.
"Komm zurück. Bitte. Ich liebe dich doch."

"Warum bist du nicht sauer auf mich!", jetzt schrie Manu wieder.
"Ich war ein Arschloch! Ein Hurensohn! Ich habe dich betrogen, Patrick! Ich habe mit Max gefickt, als du weg warst! Und weisst du was am meisten schmerzt? ES WAR GEIL! Es hat mir GEFALLEN! Palle! GEFALLEN! Ge...fallen"

Er hatte sich wieder zu mir gedreht und seine Augen funkelten grüner als je zuvor.

"Und jetzt komm! SAG'S MIR! LOS! Sag mir wie sehr du mich hasst! Sag mir, dass ich mich umbringen soll! Na los!", er fuchtelte wild mit seinen Armen.

Es würde so schnell vorbei sein können. Eine komische Bewegung. Einmal die Balance verloren. Und er würde fallen.

Ich war nicht fähig dazu, zu sprechen.
Ich starrte wie gebannt auf meinen Freund, wie er so nah am Abgrund stand und mit Leben und Tod spielte, als wären sie seine besten Freunde.
Aber ich konnte nicht. Meine Kehle war trocken wie die Sahara und kein einziger Laut wollte meinen Mund verlassen.

"Okay Palle...
Dann halt nicht."

Alle Alarmglocken in meinem Kopf  fingen an auszuschlagen und endlich schnellten meine Hände nach vorne.

Alles ging in Zeitlupe.
Manu, wie er sich langsam nach hinten fallen liess. Meine Hände, die nach seinen griffen, sie leicht streiften, aber nicht festhalten konnten.
Manus Lippen, wie sie seine letzten Worte an mich richteten.
"Ich liebe dich"
Manus Augenlieder, die sich langsam schlossen. Seine Haare, die ihm wild ins Gesicht wehten.
Mein Schrei.
Sein Tod.

YouTuber - OneShots.Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt