It's hard to say goodbye ~ [#Tonia]

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P.O.V. Toni

"Warum? Warum verdammte Scheisse tust du sowas? Warum machst du so ne Scheisse, Nia?", meine Stimme bebte. Aber nicht vor Wut, nein, vor Sorge, vor Verzweiflung.

Seine Stimme klang schwach.. Mehr als schwach.. Sie war kaum lauter als eine Feder die auf den Boden schwebte.. , "für..dich.. Ich würde mich für... niemanden sonst.. opfern."

"Für mich?", wiederholte ich seine Worte von eben, "Warum für mich? Ich verstehe es nicht Nia, ich kann es nicht verstehen. Warum würde man sowas tun..?" Er antwortete nicht..

Ich unterbrach den kleinen Kreis, den ich bisher gelaufen war und hockte mich neben Nia. Dichte Tränen bahnten sich über meine Wangen und mit zitternder Hand nahm ich seine in meine.

"Und.. ich soll es jetzt tun..?" Er quittierte mit einem erschöpften Nicken.

"Du.. weisst, dass ich das nicht kann..?" Wieder ein Nicken.

"Aber ich muss.. für.. dich.." Und ein weiteres mal nickte er.

Ich fuhr mir mit meiner Hand über die Augen. Es würde nichts bringen jetzt zu weinen.. Es würde seine Wunden nicht heilen, ihm nicht das Blut vom Körper waschen oder das Geschehene ungeschehen machen. Es würde nichts ändern, ausser dass es das Ganze noch schwerer für mich machen würde.

Mit meiner letzten Kraft drückte ich seine Hand. Sie war schneeweiss und bereits kalt wie Eis. Sein blasses Gesicht war blutverschmiert und selbst seine Silbernen Haare hatten die rote Farbe bereits  übernommen.

Eine grosse Schnittwunde klaffte über seinem gesamten Oberkörper. Sein einst weisses Shirt zerrissen und blutgetränkt. Sein Gesicht sah nicht besser aus.. Mit Wunden durchzogen, aufgeschwollen und verunstaltet.
Warum musste er mich auch verteidigen? Warum musste er auch für mich gegen die Dämonen kämpfen? Warum musste er, anstatt ich, dort liegen, nach Luft ringend, darauf wartend, dass der Tod endlich über ihn herziehen würde?

Ich versuchte nicht daran zu denken, schaute ich ihm stattdessen in seine Augen. Wie sie blau glänzten, zwischen dem ganzen Rot wie die einzige Farbe schienen. Doch auch diese spiegelten Angst, Qual und Verzweiflung in sich.


"T-Toni..?"
"Ja..?"
"B-Bitte... Tu es.. jetzt.."

Ich schluckte. Meine Hand wanderte zu seiner Wange, strich mit dem Daumen eine der weichen Strähnen zurück. "Ich.. ich kann das nicht, Nia. Nicht wenn ich weiss, dass es meine Schuld ist.."

Egal ob Tränen alles nur noch schlimmer machen würden, ich konnte sie nicht mehr zurückhalten. Ungehalten strömten sie jetzt über meine Wangen.

"B-Bitte, Toni... ich kann nicht mehr.. bevor... bevor..", er verstummte, röchelte nach Luft. "...bevor sie kommen, ich weiss..", beendete ich seinen Satz, "aber.. aber.."

"Nichts aber!  Tu es!", seine Worte liessen mich zusammenzucken, trieben mir noch mehr Tränen in die Augen. Sie waren gepresst aus seiner Brust gekommen, welche sich kurz darauf qualvoll stöhnend anhob. Er röchelte nach Luft, versuchte sie irgendwie in seine Lungen zu bekommen. Seine Fingernägel bohrten sich tief in meine Haut, aber gerade war das der geringste Schmerz.

Seine Qualvollen Laute stachen schärfer in mein Herz als es jede Klinge hätte tun können. Es kroch mir durch Mark und Bein, stellte mir jedes Haar auf und liess das Blut in meinen Adern gefrieren.

"Jetzt tu es! Bitte!!", seine Stimme klang tief und bedrohlich, getränkt mit aller Angst und Verzweiflung dieser Welt. Ich nickte nur stumm. Ich musste es tun. Ich musste es tun, bevor es die Schatten tun konnten. ..für ihn. Für Nia.

Meine Hand wanderte zu dem scharfen Messer neben mir, umklammerte den Griff so fest, dass meine Knöchel weiss hervor traten. Ich hatte das Gefühl den Griff jeden Moment zu zerbrechen.

Ich hob meinen Arm. Bereit es zu tun. Bereit die lange Klinge in den Körper vor zu rammen. Ins Herz  des Menschen, für welchen meins schlug..

Ich zögerte.. ich konnte das nicht. Ich konnte meinen besten Freund nicht töten. Nicht wenn ich wusste, dass ich an seiner Stelle gelegen wäre. Mit aufgerissenen Augen starrte ich ihn an. Wollte den Arm wieder sacken lassen..

Doch seine Hand krallte sich noch tiefer in meine Haut . Es schien als spürte ich seinen Schmerz, seine Qualen. Ich konnte sine Verzweiflung förmlich in meinem Blut spüren, und dass er sich nichts sehnlicher wünschte, nichts mehr wünschte, als seinen Tod.
Er schloss die Augen. Kniff sie zusammen.

Ich konnte ihn so nicht sehen. Ich konnte ihm das nicht antun, diese Schmerzen, diese Qualen.

ICH MUSSTE!

"Ich.. es tut mir so Leid.."

In einem Zug schnellte meine Hand nach vorne. Seine Augen wurden aufgerissen. Sein Rückgrat drückte sich ganz durch und er schien noch ein letztes mal Luft in seine Lungen ziehen zu wollen.
Ein lautes Stöhnen dröhnte aus Nias Kehle und zerschnitt die Luft, wie mein Messer sein Herz.

Man hörte förmlich, wie die Qualen aus dem Stöhnen herausquollen und am Ende einem zufriedenem Seufzen weichten. Eine Erlösung, eine Last, die von seinem Körper fiel, als er seinen letzten Luftzug vollzog.

Seine Hand lag nur noch locker in meiner und auch meine Kraft war mit diesem  Stoss endgültig am Ende angelangt. Ich sackte auf den leblosen Körper meines Freundes. Meine Hand immer noch fest den Griff meiner Mordwaffe umklammert.

"Nia!", schrie ich. Ein schmerzverzerrter, kläglicher Laut, "NIA! Oh Gott..was hab ich getan?!"

Viele ungebändigte Schluchzer bebten durch meinen Körper, schienen der restlichen Welt den Ton zu nehmen, so wie ich es Nia tat...
Alles schien still zu stehen. Alles schien Eins zu sein. Alles schien friedlich. Die Natur, die Nacht, die Zeit,

..Nia.

YouTuber - OneShots.Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt