Kapitel DREI

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Wir waren schon seit zwei Stunden im Tanzstudio und dementsprechend total kaputt. Ab und zu kamen die anderen rein um uns zu zugucken, gingen aber auch schnell wieder. Zum Ende hin, blieben Jin und Yoongi im Raum. Sie unterhielten sich während sie uns beobachteten.

"Hyung, ich brauche eine Pause", meinte ich nur zu Hoseok. Auch er war vollkommen erschöpft und stimmte schwer atmend zu. Wir setzten uns zu den anderen und stiegen in die Unterhaltung mit ein. Ich spürte, wie Jin mich durchgehend beobachtete. In dem Moment in dem ich realisierte, worauf er schaute, sprang ich auf und eilte zur Tür.

"Park Fucking Jimin, was habe ich da gerade gesehen?" Auch Jin war aufgesprungen und kam auf mich zu. Ich zuckte bloß mit den Schultern. Plötzlich griff er nach dem Bund meines Shirts und zog es nach oben wodurch mein Bauch bis zur Brust freigelegt wurde. Ich richtete meinen Blick auf den Boden konnte aber merken wie sich die Augen von Jin und den anderen weiteten. Mein Bauch war übersät mit blauen Flecken und von meinem Bauchnabel bis zu meiner Brust zog sich eine lange Narbe.

"Ich dachte es hätte aufgehört? Wieso hast du mich angelogen?" Seine Stimme war brüchig. Er war verzweifelt und enttäuscht.

"Es hat aufgehört. Bis ihr weggezogen seid."

"Warum hast du nichts gesagt?"

"Was hätte das gebracht? Du hättest dir nur noch mehr Sorgen gemacht. Er ist Polizist verdammt. Egal welche scheiße er baut, er kommt davon ohne es auch nur richtig zu versuchen." Für einen Moment war es still.

"Wovon ist die Narbe?" Yoongis Stimme brach die Stille. Unsere Blicke trafen sich, allerdings konnte ich seinen Blick nicht deuten. Ich beantwortet die Frage nicht, sondern verließ einfach den Raum.

In meinem Zimmer warf ich mich geradewegs auf mein Bett. Im Augenwinkel sah ich eine Person unsicher im Türrahmen stehen.

"Darf ich reinkommen?" Ich nickte zögerlich ehe ich mich aufsetzte und wartete. Bei mir angekommen, zögerte er bevor er sich schlussendlich neben mich setzte. Schweigend saßen wir nebeneinander und starrten auf die Wand vor uns. Frustriert legte ich mein Gesicht in meine Hände während Yoongi weiterhin geradeaus blickte und ein paar Minuten blieben wir in diesen Positionen.

"Wieso fragst du nicht? Ich merke doch, dass du es wissen willst", flüsterte ich gereizt.

"Ich sehe, dass du darüber nicht reden willst. Ich will dich nicht zwingen" flüsterte er besorgt zurück. Augenblicklich stand ich auf, trottete zur Tür, schloss diese ab und stellte mich anschließend vor ihn. Als ich auf einmal mein T-Shirt vor ihm auszog, weiteten sich seine Augen und seine Augen wechselten zwischen meinem Oberkörper und meinem Gesicht. Obwohl es mir mehr als peinlich war, mich vor einem attraktiven Jungen der mir nicht ganz unsympathisch war auszuziehen, blieb mein Auftreten stark.

"Frag schon... Sag mir was du denkst", forderte ich ihn auf. Plötzlich spürte ich etwas eiskaltes auf meiner Haut und guckte sofort auf meinen Bauch an dem Yoongi mit seinen Fingerkuppen meine Narbe entlang fuhr. Die Stelle an der er mich berührte fing an zu brennen aber auf eine angenehme Art und Weise. Mir wurde unendlich warm, eine Gänsehaut breitete sich auf meinem Körper aus und die Röte stieg mir ins Gesicht.

"Wer genau war das? Was ist passiert?"

"Vor einem Jahr ungefähr hatten mein Adoptivvater und ich wieder einmal eine Auseinandersetzung. Als ich mich wehrte, fiel er zu Boden und verstauchte sich das Handgelenk. Da er mich nicht mehr schlagen konnte, griff er zum Messer", erklärte ich ihm wahrheitsgemäß. Ich wusste nicht was mich dazu ritt mich ihm zu offenbaren aber ich tat es. Als er meine Worte verarbeitet hatte, weiteten sich seine Augen eschockt.

"Du bist adoptiert?"

"Ja ... Und das wurde mir oft und gerne gezeigt. Meinen kleinen Bruder hat er nie angefasst. Ich meine, wieso auch er ist sein leiblicher Sohn."

"Wie lange?"

"Was meinst du?"

"Wie lange hat er dich geschlagen? Wann hat es angefangen?"

"Als ich sechs Jahre alt war. Ein Jahr nachdem ich von ihnen adoptiert wurde."

Yoongi nickte kaum merklich um mir zu zeigen, dass er meine Worte verstand und betrachtete weiterhin meinen Oberkörper. Erst jetzt fiel mir auf, dass ein leichter rot-schimmer seine Wangen zierte.

"Aber warum?"

Fuck. In meinem Kopf verfluchte ich mich gerade dafür ihm soviel gesagt zuhaben und nicht daran gedacht zu haben, dass er auch danach fragen würde was für mich einfach typisch war. Ich machte einen leichten kaum merklichen Schritt zurück wusste aber genau, dass ihm nichts verborgen blieb so intensiv musterte er mich.

"Sag es mir." Seine Stimme veränderte sich schlagartig und er wirkte plötzlich so dominant und aggressiv. Die Wärme die vorher noch in seiner sanften Stimme lag, war komplett verschwunden und wirkte einschüchternd. Unsere Blicke trafen sich und mir blieb kurz das Herz stehen. Seine Stimme war scheinbar nicht das einzige was Dominanz ausstrahlte. Ich wich ein paar weitere Schritte zurück, zog mir schnell einen Pulli über und sah ihn wieder stumm an, in der Hoffnung er würde aufgeben. Jedoch war sein Blick noch immer auf mich gerichtet und forderte mich regelrecht dazu auf zu sprechen.

"A-anfangs war es nur um den Frust von seiner Arbeit loszuwerden ... D-dann irgendwann w-wenn ich schlechte N-noten hatte... Zu l-letzt w-weil ich... i-ch s-schwul b-bin." Ich hätte mich für mein albernes stottern erschlagen können und fühlte mich unter seinem wachsamen Blick beinahe schon unwohl. Zu meiner Verwunderung aber war nicht Ekel oder Wut in seinen Augen zu sehen, sondern, wenn ich mich nicht täuschte, Erleichterung. Während wir uns die ganze Zeit in die Augen guckten, fing mein Herz an schneller und schneller zu schlagen.

"Hast du dich jemals selber verletzt?"

"... W-warte was? ... Ich erzähe dir das ich s-schwul bin und du willst wissen ob ich mich je selber verletzt habe? ... w-wow... das hatte ich nicht erwartet."

Ein Lachen umspielte meine Lippen. Allerdings war es kein fröhliches sondern ein ungläubiges Lachen.

"Beantworte meine Frage, Jimin." Die Art wie er meinen Namen, trotz der Wut die er scheinbar hatte, aussprach ließ mein Herz höher schlagen.

"Nein, das habe ich nicht. Auch wenn er mich nicht mag, ich bin zufrieden mit mir. Ich mag mich und bin stolz auf mich. Ich lasse mich nicht brechen", log ich gekonnt. Meine Stimme war um einiges klarer und fester als noch vor ein paar Minuten. Es stimmte zwar nicht alles zu 100 Prozent, aber was soll's. Yoongi stand auf, kam langsam auf mich zu während keiner von uns seinen Blick abwandte und die Zeit um uns herum schien still zustehen. Wir waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt als er seine Arme ausbreitete und mich in eine Umarmung zog.

"Nicht weinen, Jimin." Erst nachdem er das gesagt hatte, realisierte ich, dass ich zu weinen angefangen hatte. Als würde Yoongis Umarmung den Damm brechen, fing ich fürchterlich an zu schluchzen. Unbewusst krallte ich mich an seinem Oberteil fest und drückte ihn fester an mich.

Yoongi-hyung, was machst du nur mit mir?

Do you love me? - Yes, I do ~ YOONMINGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt