Kapitel 3

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Merlania schaute auf den staubigen Boden. Das kalte Licht der Neonröhren ließ die Staubkörner nur ein wenig auf und ab hüpfen, nicht so, wie das warme Sonnenlicht, in dem sie einen Tanz aufführen würden, der vielleicht etwas faszinierender war. Etwas anderes hatte sie nicht zu tun, hier in diesem kargen, weißen Gefängnis. Außer das Essen zu Essen oder in den kleinen  Waschraum zu gehen, der an ihre Zelle grenzte. In dem Wasser war eine leicht äzende Flüssigkeit, die einem die Seife ersparte und aber auch verhinderte, dass die Gefangenen zu viel Wasser verbrauchen würden. So lange saß sie nun schon in diesem Gefängnis hier. Ihre Leute dachten wahrscheinlich sie sei tot.
Merlania wusste nicht, ob sie das gut, oder schlecht finden sollte. Denn wenn sie es glauben würden müsste sie keine Angst haben wegen dem Kind bestraft zu werden. Das Kind. Das sie seit ewig langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Wo würde ihre kleine Tochter jetzt wohl sein? Diese Frage bereitete ihr seit dem Tag, an dem sie sie abgegeben hatte schon Kopfzerbrechen.
Die große Panzertüre wurde aufgeschlossen und Merlanias Kopf schnellte herum. Die Wächter zogen einen Jungen herein. Die schwarze Funktionskleidung hing ihm in Fetzen vom Leib und überall, wo man keine Kleidung sah waren entweder Schwertspuren zu sehen oder irgendwelche Hinterlassenschaften der Foltermethoden. Sein Gesicht war fahl und sein Blick starr und voller Angst.
Merlania entwickelte neuen Hass auf den Mann, den sie einst geliebt hatte.

Dann sah sie ihn. Er schlenderte hinter den Wachen her, als ob er in einem Garten spazieren gehen würde. Lies seinen Blick mal nach links mal nach rechts wandern. Lief an den Leuten vorbei, die im Sterben lagen durch die Foltermethoden. Merlania hoffte, dass der Junge es schaffen würde und nicht irgendwann von den Wächtern wieder heraus getragen würde. Aber alles lag in der Hand von Cermanus.

Elena wachte auf. Sie war wohl auf der Fahrt eingeschlafen, ihren Schulranzen als Kopfkissen. Die Frau schaute in den Rückspiegel. "Du bist also aufgewacht", sagte sie mit einer Stimme, die gut zu ihren Augen passte. Dunkel und tief. Tief aber nicht in dem Sinne der Tonlage sondern Raumerfüllend. Der Mann schaute sie nun auch an. "Noch zehn Minuten Fahrt. Auf den Punkt genau aufgewacht." Elena lächelte,  dann Bogen sie in einen Wald ab. Düster erstreckte er sich vor ihnen und um sie. Aber Elena mochte Wälder.

Kurz danach kamen sie an einer großen, alten Burg an. Sie stand auf einem leichten Hügel. Das Tor öffnete sich und die Frau fuhr das Auto in den Burghof.


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