Kapitel 10 {Deal}

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"Du sollst vor mir auf die Knie gehen!", wiederholte ich zum zweiten Mal entschlossen und stützte meine Arme auf meiner Taille ab. Ich sah, wie er sich innerlich hartnäckig dagegen wehrte mir zu gehorchen. Bellamy wollte den Starken spielen nur leider funktionierte es nicht. Scheinbar wusste er es noch nicht, dass ich ihn sowieso brechen würde. Ausnahmslos hatte ich es bei jeder Person geschafft und das völlig unabhängig davon wer in meiner Gefangenschaft war.
Anscheinend wog er Vorteile und Nachteile für sich ab, sollten ich oder Aidan ihn umbringen. Wenn er denkt, dass es bei mir harmloser wäre, dann schätzt er mich falsch ein. Für mich wäre es wundervoll sein elendes Leben nach längerem Warten zu beenden. Nach allem was er getan haben soll, dass sogar sein bester Freund ihn tot sehen wollte. Alle gingen davon aus das Aidan ihn schon unter die Erde gebracht hätte. Leider habe ich diesen Gerüchten geglaubt, so dass ich jetzt vor einem verzweifelten Junkie stand, der alles verloren hat durch seinen früheren Freund. Wieso befinde ich mich eigentlich immer zwischen Junkies?
Seine stechenden grünen Augen schauten ernst wieder direkt in meine Augen. Ich musste zugeben, dass er nicht wie Junkie aussieht sondern wie ein normaler durchschnittlicher Typ. Trotzdem nichts Besonderes. Schmerzerfüllt krümmte er sich vom Blut getränkten Boden auf. Hat er aufgegeben oder wird es eine weitere Provokation? Blondine war immer für eine neue Überraschung gut. Jetzt wurde es spannend.
Hämisch wickelte ich eine Haarsträhne um einen Finger und wartete auf seine Reaktion. Wie lange war ich schon hier unten? Die Zeit verging schneller als gedacht… "Wie könnte man denn Miss Perfekt widerstehen?", sagte er belustigt und versuchte auf die Knie zu gehen, aber seine Wunde erschwerte es ihm erheblich. Der Schmerz war ihm anzusehen, jedoch kämpfte er weiter. Ob sein Ego genauso groß war wie meins? Amüsiert schaute ich diesem Spektakel zu, über meinen nachdenkend. Nach einigen Minuten hatte er es dann a mit seinem blutenden Arm geschafft. Mit winzigen Schritten lief ich elegant auf ihn zu, während er aufmerksam jede meine Bewegung verfolgte. Gerne würde ich wissen wollen was ihm gerade durch den Kopf ging. Ob er wohl Todesangst empfindet?
"Was für ein krankes Machtspiel spielst du hier gerade Luna?", fragte er skeptisch, dabei hielt er seine Wunde fest. Wortlos wartete er auf meine Antwort. Daraufhin musste ich bei dem Begriff "Machtspiel" leicht schmunzeln. "Schau mal, wie weit wir beide heute schon gekommen sind. Du bist für mich auf die Knie gegangen und ich finde das einfach großartig. Das schafft eine Basis eines Machtverständnisses, welches du verstehen und verinnerlichen musst. Wenn du einen Job haben willst, musst du erstmal vor dem Boss auf die Knie gehen!" erklärte ich ihm, während ich sein Kinn zu mir hob.
"Du bist mein Boss? Leider erinnere ich mich nicht eine Bewerbung verschickt zu haben, also wird das nichts. Tut mir vom ganzen Herzen leid, jedoch lehne ich dankend ab.", lachte er und schlug mit seiner unverletzten Hand meine Hand weg. Er wollte mich provozieren und das machte ihn in dieser Situation sehr dumm. Die Frage mit dem Ego war augenblicklich geklärt.
Wut und Ungeduld durchzogen meinen Körper ruckartig, weswegen es in mir dunkel wurde. Es fiel mir zunehmend schwerer mich zurückzuhalten und ihn nicht auf der Stelle die Kehle durchtrennen, aber ich benötigte die Informationen für meine Rache. Meine Augen formten sich zu Schlitzen, so dass ich zum kalten alten Messer griff. "Diesmal werde ich nicht mehr so nett zu dir sein!" Dann drückte ich die Messerspitze an sein Hemd in die Richtung des Herzens. Bellamy schien meinen Stimmungswechsel zu bemerken, denn sein Gesichtsausdruck änderte sich und er versuchte nach hinten zu kriechen. Schlagartig hielt ich ihn an seinem Hemd fest und zog ihn näher zu mir. ´Vollidiot es gibt kein Entkommen für dich. ´ Das Messer drückte ich ganz zärtlich durch das Hemd in seine Haut. Einzelne Bluttropfen erschienen auf seinem schneeweißen Hemd, folglich realisierte er, dass das hier sein Ende seien kann. Konzentriert stach ich tiefer in seine Haut und hörte sein immer lauter werdendes Herzklopfen. Ich war mir sicher, dass er in diesem Augenblick Todesangst empfand.
"Genießt du es denn wenigstens? Ich hoffe es sehr, weil ich halte hier Höllen Qualen für dich aus?", murmelte er, während er sein Gestrampel stoppte. "Du weißt doch gar nicht was Qualen sind Blondie! Außerdem wieso solltest du es für mich machen?" Ich ließ das Messer in der Haut und schaute zurück zu ihm. Bellamy wusste, wie man die Spannung anhält.
"Ich sehe dieses Feuer und Vergnügen in deinen Augen, wenn du weiter stichst. Folter scheint die einzige Sache zu sein, welche deine Bedürfnisse deckt außer vielleicht das gestern Nacht mit diesem komischen Typ..." Wütend stach ich härter und tiefer in seine Haut. Die Hälfte des Messers steckte in seiner Brust. Er krümmte sich auf den Boden, wobei aus Bluttropfen ein Blutfluss wurde. "Komm schon ich versuche dich doch nur zu vergnügen, damit du das machen kannst was dir so viel Spaß bereitet. Man muss sich doch bei seinem Boss einschleimen und ich opfere meinen Körper dafür. Also kannst du nach Allem was ich getan habe vielleicht aufhören?"
Diese Tonlage gefiel mir schon viel besser als die Tonlage davor. Extra langsam zog ich das Messer aus seiner Brust. Sein Körper fiel vor mir auf den Boden, welcher voller Blut war. Der Anzug war offiziell ruiniert. Bellamy hatte keine Kraft mehr und ich hatte wieder einmal gewonnen. "Das reicht mir noch nicht.", schlussfolgerte ich, gleichzeitig nahm ich mein Handy aus der Hosentasche. "Sei ehrlich was willst du von mir? Ich bin nicht Aidan, der das Geschäft kontrolliert und ich bin auch nicht Derek, der von eurer Firma gejagt wird! Alle haben mich für Tod erklärt, da mein bester Freund einen Mordanschlag auf mich verübt hat! Wie sollte ich deiner Firma behilflich sein?" Er schrie mich an ohne Pausen zwischen seinen Sätzen zu machen.
Ohne Blondie zu antworten, wählte die Nummer meines Sicherheitsdienstes: „Ich bin jetzt fertig und der Typ benötigt eine dringende Behandlung. Kommt so schnell wie möglich in den Keller, denn ich möchte, dass er unsere Begegnung überlebt!" Genervt steckte ich mein Handy wieder weg. Die Zeit in dieser Stadt wurde knapp für mich, um die nächsten Schritte einzuleiten.
"Wie wäre es mit einem Deal? Du tust alles was ich von dir verlange und gehorchst mir vollkommen. Im Gegenzug werde ich dich nicht umbringen und auch niemand anderes wird es können, weil dafür werde ich dann sorgen. Wir beide wissen, dass da Draußen keiner auf dich wartet. Jeder will dich Tod sehen außer mir, da ich dich noch für etwas einplane."
 "Wenn ich das richtig verstehe gehöre ich dir quasi?", fragte er amüsiert und setzte sich auf. Auf einmal hatte er seine Kräfte zurück. Dieser Typ hielt mehr aus, als ich gedacht hätte. "So könnte man es auch ausdrücken Blondie. Wie sieht es aus?" Er zwinkerte mir charmant zu und klopfte kurz auf den Boden. "Ich nehme das verlockende Angebot des Teufels an."

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