Kapitel 9

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"Jungs ich muss los. Es wird Zeit. Danke für die Einladung. Es war lustig."

Und das meinte ich auch ernst. Auch mit Jungkook.

"Oh du gehst schon?" fragte Tae.

"Tae es wird auch Zeit für uns. Wir müssen morgen früh raus" Jin warf ihm einen wissenden Blick zu. Ich hatte zwar keine Ahnung, aber ich ignoriere das mal einfach.

Tae riss auf einmal eine Augen auf. Ich konnte förmlich sehen, wie über seinem Kopf eine Birne anging:"Oh stimmt ja."

Dann warf er mir einen kurzen Blick zu und grinste dann.

Was zum....
Was ist hier los?

"Ähm... ok. Ihr verhaltet euch echt merkwürdig."

"Haha wir doch nicht" erwiderte Tae lachend.

Lügner.

Jungkook rollte nur mit seinen Augen: "Argh können wir gehen?"

Und so gingen wir zusammen aus dem Café. Es war schon dunkel. Nur die Lichter Seouls erhellten die Straßen. Überall waren Reklametafeln und leuchtende Schilder. Ich genoss kurz den wunderschönen Ausblick. Dann riss ich mich wieder zusammen und verabschiedete mich von den Jungs.

Während meines Weges nach Hause hatte ich ein komisches Gefühl. Als ob... nein... aber irgendwie fühlt es sich so an als ob mir jemand folgt.

Schnell drehte ich mich um, doch kurz darauf drehte ich mich wieder um, nur um schneller wieder gerade aus zu laufen.

Verdammt das hatte ich komplett vergessen. Der ist ja mein Nachbar. Klar dass er den selben Weg hat. Ich Pabo.

Vor einer roten Ampel blieb ich stehen. Ungeduldig trommelte ich mit meinen Fingern auf meinem Handy herum. Komm schon. Gleich ist er da. Schalt schon endlich um.

Na endlich.

"Flüchtest du vor mir oder warum rennst du so?" erklang es belustigt hinter mir.

Verdammt. Ohne einen weiteren Blick ihm zuzuwerfen ging ich über die Straße. Ich wusste genau, dass er mir folgen würde. Nicht weil er mit mir reden will. Es ist halt auch sein Weg nach Hause. Aber da bleibt nur die Frage: Warum verdammt noch mal spricht er mich an?

"Jungkook. Was willst du?"

"Reden was sonst."

"Dein ernst? Zuerst beachtest du mich nicht, dann drohst du mir, dass ich mich nicht mehr mit den Jungs reden soll und jetzt willst du reden? Was ist dein Problem?"

Ich verschnellerte meinen Schritt.

"Du machst es mir echt nicht leicht" rief er mir hinterher.

"Oh und was denn? Was ist denn so schwer für dich, Mr Perfect?"

"Ha. Du bist so kindisch. Du kennst mich nicht und das ist auch gut so."

"Wow danke für das Gespräch. Also kommt da noch was?" erwiderte ich trocken. Mich nervte jetzt schon das Gespräch.

"Pff. Weißt du was vergiss es. Es ist unmöglich. Du bist und bleibst die gleiche."

"Oh wow danke. Wenigstens bin ich nicht so mies gelaunt und so ein Kotzbrocken wie du."

Er packte mich am Arm, worauf ich sofort stehen blieb.

"Au was soll das."

"Hör mir zu. Hör auf mich so zu nennen. Du kennst weder mich noch die Jungs richtig. Du passt nicht zu unserem Leben. Es wäre besser wenn du dich einfach fernhälst, sonst wirst du noch verletzt. Vertrau mir es ist besser."

Was? Für was hält der sich?

"Für wen hältst du mich? Für das kleine, naive Mädchen von nebenan? Aber das bin ich nicht. Nein ich kann auf mich selbst aufpassen. Also lass mich los und lass mich einfach in Ruhe. Ich hab es schon gesagt und ich sage es gerne nochmal. Du kannst mir nichts vorschreiben."

Ich entriss mich aus seinem Griff und lief gedankenversunken und total wütend weiter. So überquerte ich auch eine Straße, ohne aufzupassen. Was sich wohl als ein großer Fehler herausstellte.

Alles was ich noch mitbekam war ein Hupen, einen Stoß und der kalte Asphalt.








Aber es war ganz anders.

Ja genau.

Das Auto fuhr die Straße weiter.

Ich starrte dagegen fassungslos in zwei tiefbraune Augen. Es fühlte sich an als würden sie mir in die Seele schauen und kurze Zeit konnte ich in seine schauen. Kurze Zeit hatte er nicht diese kalten, gefühlslosen Blick drauf. Es war wie damals als wir uns trafen.

Jetzt gab er auch eine Seite von sich preis, von der ich gedacht hatte, dass sie nicht existiert.

Seine verletzliche Seite.

Sein Gesicht war meinem nur wenige Zentimeter entfernt. Ich spürte seinen warmen Atem. Mein Körper fing an zu Prickeln.
Es waren vielleicht nur ein paar Sekunden in der wir so verharrten, doch es fühlte sich viel länger an.

Doch kurz darauf wurde sein Blick wieder kalt.
Er merkte wahrscheinlich, dass er auf mir lag und wir dumme Blicke von den Passanten abbekamen.

Er stand von mir auf. Ich tat es ihm gleich und starrte ihn weiterhin wortlos an.

Er hatte mich tatsächlich gerettet. Ohne ihn wäre ich unter dieses Auto gekommen. Ich fass es nicht.

"Du kannst selbst auf dich aufpassen. Klar das hab ich gerade gemerkt. Verdammt noch mal hast du keine Augen ihm Kopf oder bist du lebensmüde?"

Wow das hätte ich jetzt nicht erwartet, dass er mich so anmotzt.

"Ich..."
Keine Ahnung was ich darauf antworten soll, doch er machte es mir leicht. Er drehte sich um und drängelte sich kurz darauf durch die Menschenmenge.

"Tut mir leid" flüsterte ich immer noch schockiert von dem Ereignis von gerade eben vor mich hin. Nach ein paar Sekunden verlor ich den Blickkontakt zu ihm.

Was war das gerade?
Diese paar Sekunden, genau was gerade geschah, waren für mich entscheidend. Ja genau. Denn dieser Blick von Jungkook ließ mich nicht mehr locker und ich dachte noch stundenlang an den Vorfall.

Genau in diesem Moment fing ich an anders über ihn zu denken.

Jimin hatte recht.

Doch jetzt bleibt die Frage. Was ist passiert dass sich Jungkook so von mir abschottet? Was ist sein Grund? Und ich nahm mir ab dieser Sekunde vor diesen Grund herauszufinden.

Keine Ahnung warum ich das auf einmal wollte. Vielleicht machte es mich neugierig, was passiert ist, dass er jetzt so ist.

Vielleicht will ich auch einfach wissen, wie er wirklich ist.

Vielleicht war es auch dieses komische Gefühl von eben.

Ich wollte ihn ohne diese Maske sehen, die er tagtäglich trägt. Wer ist Jeon Jungkook wirklich?

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17.12.2019

HeartbeatWo Geschichten leben. Entdecke jetzt