Hilfe

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Das ist wahrscheinlich weird und in sich zusammenhangslos. Aber irgendwie gefällt mir der Oneshot dennoch, daher schmeiß ich ihn euch mal vor die Füße. Er spiegelt in gewisser Weise, wie ich mich fühle.

***

Ich erschrak, als ich in sein bleiches, gepeinigtes Gesicht sah. Es war so offensichtlich, dass er leidete. Und es tat mir weh.

Wortlos streckte ich meine Finger nach seiner Stirn aus. Er musste unbedingt geheilt werden, die Schmerzen, die er gerade ertrug, waren nicht mehr auf einem menschlichen Level. Meine schwindende Gnade war mir da völlig egal.

Er erkannte, was ich vorhatte. Unwillig grunzend schlug er meine Hand weg.

„Lass es, Cas. Ich verdiene es.", brachte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Schweiß stand ihm auf der Stirn und er hielt sich den Bauch. Die Stichverletzung hatte noch immer nicht aufgehört, zu bluten.

Ich war verwirrt.

„Wieso hast du es verdient, Dean? Das ergibt keinen Sinn."

Ich versuchte angestrengt, mich zu entsinnen, wann Dean eine dermaßen große Sünde begangen hatte, dass er eine derartige Stafe verdienen würde. Ich nahm jede Situation seines Lebens in Gedanken unter die Lupe, doch es ergab keinen Sinn. Es gab viele Menschen, die vielleicht Schmerzen verdient hatten. Und dennoch hatten gerade er mir gezeigt, dass in vielen noch gutes steckt, das nicht ausgemerzt werden darf. Womit hatte also er, der Leben über Leben gerettet hatte, der mehr Monster, als er selbst zählen konnte, vernichtet hatte, so etwas verdient?

Ich blickte ihn mit schräg gelegtem Kopf an. Ich wollte ihn heilen. Ich wollte nicht, dass er leidete. Er hatte es doch nicht verdient.

Auf einmal bemerkte ich die Tränen, die in den Augen des Winchesters glänzten.

„Ich-... ich hab's verbockt, Cas. Alles geht den Bach runter. So viele, die sterben mussten, weil ich nicht in der Lage war, sie zu retten. Weil ich nicht helfen konnte. Und jetzt, jetzt steht die Welt - WIEDER einmal, verdammte Scheiße - vor dem Untergang. Und ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich gebe auf. Und dafür-...", er brach ab und holte zitterig Luft.
„Dafür sollte ich bestraft werden. Es ist so selbstsüchtig. Ich weiß es. Dennoch will ich es nicht ändern. Es ist- es ist so falsch."

Er sah mich nicht an. Schwer stützte er seinen Kopf auf seine Hand. Sie zitterte. Er wirkte so gebrochen. Ich war überwältigt von dem, was er preisgegeben hatte. Er gab nicht auf. Das hatte er noch nie. Das Blut hatte den Verband durchtränkt und ein roter Fleck bildete sich auf seinem T-shirt. Er konnte ihn mit seiner anderen Hand nicht mehr verstecken.

Energisch streckte ich die Hand aus. Ich würde ihn jetzt heilen. Sonst würde er vielleicht bleibende Schäden davon tragen. Noch bevor er reagieren konnte, lagen mein Zeige- und Mittelfinger auf seiner Stirn, und meine Gnade bahnte sich ihren Weg durch seinen Körper, zu der Verletzung. Verdammt, das war innerlich noch schlimmer, als es von außen den Anschein gehabt hatte. Die inneren Blutungen, die ich jetzt entdeckte, hätten ihn umbringen können.

Meine Gnade verband sich mit dem Blut, brachte es wieder zurück an seinen angestammten Platz, verschloss die Wunden. Alles heilte in Sekundenbruchteilen von Innen heraus. Ich spürte, wie ich begann, zu zittern. Mit der Gnade, die ich verbrauchte, schwand meine Kraft. Ein leichtes Lächeln lag auf meinen Lippen. Dean war geheilt. Psychisch konnte ich ihm nicht helfen. Aber sein Leben war für den Augenblick gesichert. Denn er wurde gebraucht. Die Welt brauchte ihn. Sam brauchte ihn. Und ich brauchte ihn. Dean Winchester durfte jetzt nicht gehen. Er würde nicht gehen. Dafür würde ich sorgen. Nur nicht jetzt sofort.

Ich blickte ihm in die tiefgrünen Augen.

„Wehe, du machst jetzt etwas dummes.", warnte ich ihn. Meine Stimme war dünn und kraftlos. Ich sah die Sorge, die ihn befallen hatte.

Dann wurde alles schwarz.

Destiel OSWo Geschichten leben. Entdecke jetzt