Vergebung und andere schmutzige Dinger

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Der Friedhof an denen ihre Familie begraben lag, befand sich im Norden Englands. Hier war es sichtlich kühler, als wie in Dragoncity, dem brasilianischen Regenwald. Deswegen war ich ziemlich froh meine Jacke mitgenommen zu haben. Rileys Hand lag die ganze Zeit in meiner Hand. Sie ließ sie nicht los, bis wir an den Gräbern ankamen. Dort trat zu den Gräbern ihrer Geschwister hin. Sie hatte sich einen Pulli übergezogen, mit dessen Kapuze sie ihr Gesicht verstecken konnte. Dennoch sah ich ihre Schultern, die leicht bebten, als sie vor den Gräbern auf die Knie viel.

Es musste sie verdammt viel Kraft kosten hierherzukommen. Dem Ort, an dem sie ihren Geschwistern Lebewohl gesagt hatte. Riley war immer ein Familienmensch gewesen. Sie war in einer großen Familie aufgewachsen. Zusammen mit 12 älteren Geschwistern und mehreren Cousinen und Cousins. Die jeweils schon Kinder hatten, bevor Riley geboren worden war. Sie hatte ihre Geschwister über alles geliebt und zu ihnen ein gutes Verhältnis gepflegt. Der Verlust hatte sie sehr hart getroffen. Sie war mit ihnen in dem zusammenstürzenden Haus. Sie hatte ihre Todesschreie gehört. Ihre Leichen gesehen. Das hatte sie fürs Leben gezeichnet. Sie war immerhin gerade mal 18 Jahre alt gewesen. Von dem Tag an, dem Tag des Bombenanschlages, war sie nie wieder dieselbe gewesen. Sie war gebrochen.

Ich hatte es hautnah miterlebt. Ich hatte Live gesehen, wie sie vom Weg abgekommen war. Ihren Schmerz und Trauer versucht hatte in One-Night-Stands, Drogen, Alkohol und Partys zu ertränken. Wie sie immer tiefer auf dem Abgrund zugerollt war. Ich hatte ihr versucht zu helfen. Ich war immer an ihrer Seite gewesen. Ich hatte sie vor schlimmeren versucht zu bewahren. Aber es war verdammt schmerzhaft mitanzusehen. Ich hatte das Gefühl gehabt, sie würde mir entgleiten. Bis sie schließlich Tod aufgefunden worden war. Beziehungsweise, sie angeblich Tod aufgefunden worden war.

Und dennoch, sie gab sich die Schuld an dem Tod ihrer Geschwister, weil der Kerl, der den Bombenanschlag veranlasst hatte, einer ihrer Ex-Lover gewesen war. Der es nicht verkraftet hatte, das sie ihn einem Korb gegeben hatte.

Niemand konnte ahnen, das dieser Kerl eine Bestie und dazu noch ein Psychopath gewesen war. Er hatte sich sehr gut verstellt und erst am Ende sein wahres Ich gezeigt. Er hatte Rileys Leben und das ihrer Familie zerstört.

Nachdenklich stopfte ich meine Hände in die Taschen meiner Jeans und blieb auf Abstand bei Riley stehen. Ich gab ihr die Zeit die sie brauchte. Sie musste endlich mit sich ins Reine kommen und ich hatte das Gefühl, das jetzt ein guter Zeitpunkt war. Jetzt hatte sie den Willen dazu, dem Willen sich helfen zu lassen. Was sie damals nicht gehabt hatte.

Jetzt war sie älter und reifer. Und ich hatte das Gefühl, das sich auch unsere Verbindung beziehungsweise unsere Beziehung verstärkt hatte. Das Band zwischen uns war stärker geworden.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, bewegte sie sich langsam wieder und kam auf die Beine. Es hatte sich zugezogen und zu nieseln begonnen. Weshalb sie sich die Kapuze tiefer übers Gesicht zog.
„Wir können." sagte sie nur.

Ich konnte keine einzige Emotion aus ihrer Stimme heraushören. Aber ich besaß die Gabe Gefühle zu lesen. In Riley herrschte ein reines Chaos, was sie erst einmal wieder Ordnen musste. Also nickte ich nur und öffnete ein Portal.

Sie warf noch einen Blick zurück auf die Gräber, dann trat sie hindurch. Eilig folgte ich ihr und war überrascht, als wir in meiner Wohnung standen. Bis jetzt waren wir hier nicht allzu oft gewesen. Einfach weil meine Wohnung nicht so bequem war. Ich hatte sie so gut wie gar nicht eingerichtet. Mal davon abgesehen, dass es so gut wie keine persönlichen Gegenstände gab. Ich war Mythosnachkommin und zog öfters durch die Welt, als wie das ich Zuhause war. Auch wenn ich diese Wohnung nur bedingt als ein richtiges Zuhause sah. Es gab ein Badezimmer, das mit dem Nötigsten ausgestattet war. Mein Schlafzimmer, bestand aus einem Bett und Schrank. Und die Küche, war gleichzeitig auch Wohnzimmer und Esszimmer in einem. Ich besaß eine kleine Couch mit Fernseher und einer Spielekonsole und das war es dann an Einrichtungsgegenständen. Mal abgesehen von meinen Waffentresor, um für jeden Angriff gewappnet zu sein.

Das Lied des Geständnis (Ice and Feelings 2)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt