Malea.
Lachend sitze ich mit Malika und Alesya im Kiosk hinter dem Tresen und werfe mir einen roten Skittelz in den Mund.
„Wann kommt jetzt Selma?", fragt Alesya genervt auf und beginnt - wie verrückt - auf ihrem Display zu tippen. „Entweder ist sie unterwegs, oder sie hat keine Lust und liegt im Be- Hallo?" Mit großen Augen schaut Alesya uns an, ehe sie sie grinsen beginnt. „Ja Schatz. Wir sind noch im Kiosk."
Malika und ich schauen uns an. Denn es kann nur Selma sein, welche sie fragt, wo wir sind. Keiner wollte immerhin dazu stoßen.
Der Kiosk ist direkt am Hauptbahnhof in Essen. Man muss jedoch raus gehen, um die Ecke bei McDonald's laufen und dann wäre man auch schon da.
„Ey Malea", fragend blicke ich zu Alesya. „Selma will Zigaretten. Kannst du ihr welche geben?"
„Natürlich habibti", lächle ich sie an und werfe Malika einen grünen Skittelz in den Mund. Sie fängt diesen perfekt auf und kaut dann darauf herum.
„One Team."
Lachend zeige ich ihr meinen Mittelfinger und stopfe mir erneut einen Bonbon in den Mund, als gerade jemand den Laden betritt. Sofort erhebe ich mich von meinem Stuhl und gehe auf die Kasse zu.
Es sind zwei erwachsene Männer, die sich aus dem Kühlschrank jeweils ein Bier kaufen und dann zu mir kommen. Ich tippe den Preis in der alten Kasse ein und sage ihnen den Betrag.
Nachdem sie bezahlt und ihr Rückgeld bekommen haben, verlassen sie auch schon wieder den Kiosk.
„Ich checke echt nicht, wie du jeden Tag hier her kommst und dann noch diese ranzigen Menschen bedienst", schüttelt Alesya mit dem Kopf und schaut zu mir.
Alesya und ich kennen uns durch die Berufsschule in Velbert. Vor etwa einem Jahr bin ich dorthin gezogen und mich auch gleich dort angemeldet. Denn mir war es zu anstrengend von Velbert nach Essen jeden Tag zu pendeln und dann wieder zurück.
Selma ist ebenfalls mit uns in einer Klasse und ich bin froh darüber, dass die beiden mich so gut aufgenommen haben.
Zudem kommt es, dass diese Schule - oder eher gesagt die Klasse - bei meinem Vornamen nicht in Gelächter ausgebrochen sind.
Die Stadt und Schule an sich ist ein Thema, über das man tagelang streiten kann. Denn kaum bin ich hergezogen und war eine Sekunde im Gebäude, schon kannte mich jeder. So erging es dann auch in der Stadt.
Schließlich kommt es nicht vor, dass ein Mädchen aus Essen Africa heißt.
„Selam", ruft jemand in den Laden und läuft wie ein Model direkt auf uns zu. Wir beobachten, wie sie ihre Hüften schwingt und dann vor dem Tresen zu stehen kommt, sich beugt und dann kurz mit dem Arsch wackelt. „Selma in da house."
„Freak", kommentiert Malika ihr Auftreten, jedoch mit einem Lachen. „Also, da du deine neuen Freunde ja bei dir hast, kann ich ja jetzt abhauen und zu Omar gehen. Oder?"
„Nein", rufen wir alle drei gleichzeitig und beginnen zu lachen.
Auch wenn Malika meine Freunde später kennengelernt hat, mögen sie sich alle. Denn das war und ist mir besonders wichtig gewesen.
Malika ist meine aller erste Freundin gewesen, die ich überhaupt gemacht habe. Schon unsere Väter, welche sich seit dem Jugendalter kennen, wollten, dass sich ihre Kinder gut verstehen. So kommt es auch, dass ihr Bruder und meiner, gut befreundet sind.
Mein Bruder Nader wohnt allerdings nicht mehr hier sondern in England. Er ist dabei sein Studium dort zu machen. In vier Monaten würde er wieder kommen und hier weiter studieren.
„Boah", brummt sie genervt auf und pustet sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich vermisse ihn aber."
„Ja und?", erwidert Selma und lehnt sich am Tresen ab. „Ich bin erst jetzt gekommen und habe nicht mal eine geraucht. Chill mal deine Eierstöcke."
„Chill du doch", gibt sie zurück. „Geh rauchen, yallah."
Grinsend schaut Selma meine beste Freundin an und geht dann vor die Tür, doch kurz darauf sieht man wieder ihren Kopf. „Kippen, Bro."
Ich drehe mich um und nehme aus dem Regal eine Schachtel John Player Rot heraus und werfe sie Selma zu. „Geld gibst du aber gleich, Madame."
„Ja gleich, bebe." Mit diesen Worten stellt sie sich vor den Kiosk und raucht sich eine, während wir drei immer noch hinter dem Tresen sitzen.
Mein Onkel gehört dieser kleine Kiosk, weshalb er auch nichts dagegen hat, wenn meine Freunde zu besuch sind.
„Ey, nächste Woche ist ein Geburtstag von Evrim", erzählt Alesya uns und blickt dabei auf ihr Smartphone. „Er lädt uns ein. Gehen wir hin?"
Malika würde ohne Omar nicht mitkommen, dass weiß ich, bevor sie überhaupt eine Antwort gibt. Aber Selma und Alesya würden hingehen. Nur bei mir wird es schwierig. Während Alesya immer feiern gehen darf und auch mal die Nächte in der Stadt verbringt, ist es bei mir anders.
Ich darf zwar feiern gehen, denn meine Mutter hat das letzte Wort, wenn es um Entscheidungen geht. Auch wenn ich gerade einmal 17 bin, habe ich schon ein paar Mal die Clubs von innen gesehen. Dank Selma und Alesya. Selma dürfte ebenfalls, genau so wie Alesya eben.
„Ich frage mal nach", antworte ich ihr und schaue zur Tür, als zwei Jugendliche herein kommen. Ein Mädchen und ein Junge.
Sie gehen auf die Regale mit den Süßigkeiten zu und nehmen sich eine Tafel Schokolade und Chips heraus. Anschließend kommen sie zur Kasse, weshalb ich wieder aufstehe und die zwei bediene.
Gerade als sie raus gehen, kommt auch Selma wieder rein und setzt sich zu uns. „Was gibt es so neues?", fragt sie in die Runde. „Ey, Evrim hat mir gerade geschrieben. Er feiert seinen 20 nächste Wochen. Gehen wir hin?" Schmunzelnd sehen wir sie alle an. „Was ist?"
„Wir wissen bereits Bescheid", lacht Malika laut auf und schüttelt mit dem Kopf. „Er hat auch schon Alesya geschrieben und euch eingeladen."
„Idiot. Dachte, ich sei besonders."
Eine ganze Weile lang reden wir miteinander über die neusten Ereignisse, die sowohl in Essen als auch in Velbert passiert sind. Immer wieder kommen neue Kunden herein, welche ich für einen Moment kurz betreue.
Die erste, die nach Hause geht, ist Malika, da ihre Eltern möchten, dass sie nach Hause kommt, bevor es dunkel wird.
Wir drei würden mit Selma fahren, die ihren Führerschein als auch ein Auto hat, nach Hause fahren.
„Mh, wann kommt dein Onkel, um dich abzulösen?", will Selma wissen und hat dabei einen Lollipop im Mund.
„Zehn Minuten ungefähr", sage ich und spiele an meinem Handy Subway Surfer.
„Inshallah."
Schmunzelnd sehe ich auf die Mitteilung, welche ich von einer Freundin bekommen habe. Alba hat mir geschrieben.
wann kommst du, baby?
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𝖡𝖴𝖳𝖳𝖤𝖱𝖥𝖫𝖨𝖤𝖲. | 𝑱𝑨𝑴𝑼𝑳𝑬.
Fanfiction»They only love me for money. You always loved me for nothing.« Jung. Talentiert. Und gut aussehend. So wird der junge Newcomer »Jamule« von jedem beschrieben. Jeder setzt große Hoffnung in ihn. Viele Labels haben ihn gewollt - doch er hat sich für...
