Es war schon ziemlich erstaunlich, dass nach den ersten Pausen Iwaizumi nicht vor der Tür aufgetaucht war, um mich abzuholen und auszuquetschen. Nach dem Klingeln zur Mittagspause war meine Glückssträhne allerdings vorbei. Mit vor der Brust verschränkten Armen und grimmigem Gesichtsausdruck, stand er in der Tür und warf mir einen nicht sehr netten Blick zu.
Ich biss mir auf die Lippe und versuchte den Kloß in meinem Hals zu schlucken. Schnell packte ich mein Zeug zusammen, schulterte meine Tasche und ging, mit gesenktem Kopf, zu Iwaizumi. Kurz bevor ich, vor ihm zum Stehen kam, drehte er sich abrupt um und stapfte davon. Ich beeilte mich ihm hinterher zu kommen und sah immer wieder zu seinen breiten Schultern auf. Wendete aber immer nach kurzer Zeit verlegen den Blick wieder ab. Immer wieder erinnerte ich mich an Samstag und wie ich mich an ihn gelehnt und ihn umarmt hatte.
Und vor allem erinnerte ich mich an den Kuss und seine Worte. Eine angenehme Wärme breitete sich in meinem Bauch aus und ich musste lächeln. Wir verließen hintereinander das Gebäude und steuerten auf unsere Sitzgruppe zu, an der schon die anderen saßen. Kurz bevor wir aber ankamen, hielt Iwaizumi an und drehte sich zu mir. Angespannt sah ich ihn an. Er holte tief Luft und stieß sie auch gleich wieder aus.
„Sag Ria, fällt es dir immer noch so schwer mir zu vertrauen? Ich mein nach Samstag, müsste es doch eigentlich besser sein? Ich versteh das einfach nicht… Ich versteh dich nicht…“, sagte er mürrisch und ich hielt mich verkrampft an meiner Tasche fest. „Sie haben es dir also gesagt…“, stellte ich leise fest. Iwaizumi zuckte mit den Schultern. „Nun ganz freiwillig haben sie nichts gesagt.“ Geschockt sah ich ihn an. „Sag mir nicht du hast sie…“, hauchte ich panisch und Iwaizumi zog eine Augenbraue hoch, bevor er kapierte was ich fragen wollte und er mich entsetzt ansah. „Sag mal, was denkst du den von mir?“, fragte er mich aufgebracht und ballte die Hände zu Fäusten. Abwehrend hielt ich meine Hände hoch. „Also… naja es hat sich so angehört… Du hast selbst gesagt, sie haben nicht freiwillig ausgepackt.“ Ich zuckte mit den Schultern und ließ meine Hände fallen.
Iwaizumi stöhnte frustriert auf und ließ die Schultern hängen. „Das heißt doch aber nicht, dass ich alles aus ihnen raus Prügel. Es gibt nur einen den ich hau und das ist Shittykawa, aber der hat’s auch immer verdient!“ Ich musste leise anfangen zu lachen, bei seiner Erklärung und hielt mir schnell eine Hand vor den Mund. Lange blieb sie aber nicht dort, den er umfasste sanft mein Handgelenk und zog meine Hand von meinem Mund. „Versteck doch nicht immer dein Lachen“, sagte er sanft und kam einen kleinen Schritt näher. Immer noch leicht lachend, blickte ich in sein sanft lächelndes Gesicht und langsam beruhigte ich mich wieder.
„Es tut mir leid, das ich dir nichts sagen wollte. Ich wollte dich aber auch nicht beunruhigen, da ja im Grunde nichts weiter passiert ist.“ Nachdem ich den letzten Satz ausgesprochen hatte, verfinsterte sich seine Miene schlagartig. „Im Grunde ist also nichts passiert? Sag mal, willst du mich verarschen?“, laut und aufgebracht fragte er mich das und ich wich sofort einen Schritt zurück. Zu meinem Unglück trat ich dabei auf einen, etwas größeren Stein und knickte ziemlich unsanft mit meinem Fuß weg. Sofort schossen mir Tränen in die Augen, als der Schmerz durch mein Gelenk zog. Blöderweise war ich genau mit dem Fuß umgeknickt, den ich mir bei meinem Treppensturz gebrochen hatte. Zum Glück konnte mich Iwaizumi noch rechtzeitig auffangen, bevor ich zu Boden gefallen wäre.
Fest biss ich die Zähne zusammen und sog die Luft tief durch meine Nase ein. Es tat so höllisch weh, dass mir sogar kurz schwarz vor Augen wurde. Ich krallte mich bei Iwaizumi fest und versuchte den Schmerz in meinem Fuß weg zu atmen. „Scheiße Ria", murmelte Iwaizumi und balancierte meinen unsicheren Stand aus. „Glaubst du, das ich dich kurz loslassen kann, um mir das mal anzusehen?“, fragte er leise und sah mir forschend ins Gesicht. Ich versuchte mich halbwegs sicher auf mein anderes Bein zu stellen, sodass mein kaputter Fuß nicht weiter belastet wurde. Langsam ließ ich Iwaizumi los und er kniete sich seitlich neben mich und ich nutzte seine Schulter gleich als Stütze. Sachte zog er mir den Schuh aus und schob mir die Socke über die Ferse. Langsam drehte er meinen Fuß Hin und Her und tastete sachte meinen Knöchel ab. Scharf sog ich die Luft ein und kniff die Augen zusammen. „Könntest du bitte aufhören damit?“, fragte ich ihn gepresst und biss die Zähne aufeinander. Der Schmerz der immer wieder von meinem Fuß durch mein Bein zuckte, trieb mir Tränen in die Augen, die ich verbissen versuchte runter zu schlucken.
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My broken Heart (Abgebrochen)
FanfictionRia - ein sehr ruhiges und zurückhaltendes Mädchen, mit großen Problemen, wird dazu angehalten einem anderen Schüler Nachhilfe zu geben, damit sie einen Verbündeten, einen Freund, oder was auch immer sich ihre Lehrerin vorgestellt hat, findet.