2. Kennenlernen

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Katy saß am Fenster und sah zu dem sich färbenden Himmel empor. Ihre Sachen hatte sie fein säuberlich einsortiert, sie gefielen ihr, irgendwie, doch sahen sie so fremd aus und neutral, unpersönlich. Alles war neu gekauft. Manchmal fragte sie sich, wie sie wohl gewesen war. Wer war sie eigentlich? Sie wusste es nicht und der Gedanke quälte sie. Das aber würde sie Grace und Tristan nicht verraten, diese taten schon zu viel für sie, da sollten sie sich nicht noch Sorgen um sie machen müssen.

Langsam stand Katy auf und nahm das schwarze Gerät in die Hände. Ihr Handy.  Auch dies wurde für sie  neu gekauft, anscheinend hatte sie eine hohe Summe Geld geerbt, zumindest hatte man ihr das so gesagt.  Tristan hatte es ihr eingerichtet, sodass die wichtigsten Apps bereits drauf waren und die Nummern von ihnen eingespeichert, als sie es anschaltete. Anscheinend war dies wichtig, um in Kontakt zu bleiben, vor allem wenn sie mal woanders war.
Ein Seufzen verließ ihre Lippen, ehe sie aufstand und das Gerät wieder auf ihren Schreibtisch legte. Langsam verließ sie den Raum und lief zur Treppe. Von unten ertönten bereits mehrere Stimmen und sie versteifte sich, als ihr klar wurde, dass Alice und Julian wieder da sein mussten. Katy zögerte, sie wollte nicht stören, dann aber trat sie langsam eine Stufe nach der anderen hinunter.

"Aber Mum! Sie wird immerhin hier leben! Ich möchte sie kennenlernen!", hörte sie eine unbekannte, weibliche Stimme aus einem der Räume sagen. Langsam trat Katy ans Ende der Treppe. Neben Tristan und Grace, welche auf der Couch saßen, standen zwei Jugendliche im Raum.  Beide hatten Ähnlichkeit mit ihrer Mutter durch die feinen, braunen Haare, den gebräunten Teint und die elfenhafte Statur. Nur, dass der Junge wesentlich breitschultriger war. 
"Al, lass sie doch. Sie muss erst einmal ankommen", sprach nun Julian. Seine Stimme war angenehm tief.
Alice gab ein frustrierten Seufzer von sich und drehte sie um. Als sie Katy entdeckte, weiteten sich die grünen Augen, ehe sie breit grinste und zu ihr hinüber lief.
"Du musst Katy sein! Meine Eltern haben schon so viel von dir erzählt! Also eigentlich gar nicht soo viel, immerhin kennen sie dich nicht und du kennst dich auch nicht! Das muss schräg sein. Aber keine Angst,  hier bist du super aufgehoben! Wir werden gute Freundinnen werden, das verspreche ich dir! Ich bin Alice, ich bin 17! Und das ist mein blöder Bruder Julian, er ist 18", Alice verdrehte kurz die Augen und wollte schon weiter reden, als Julian sie unterbrach.
"Alice, vergiss das Atmen nicht.  Ich hab doch gesagt, du sollst sie nicht überrumpeln", er strich sich seufzend durch das Haare, ehe er Katy direkt ansah.
"Entschuldige für meine kleine Schwester, sie ist manchmal etwas ungehalten", sagte er ruhig und Katy schüttelte lächelnd mit dem Kopf. Es war okay. Alice schien ein lebensfroher Mensch zu sein und um ehrlich zu sein, gefiel ihr dieser freundliche Empfang, deswegen schenkte sie Alice ein Lächeln.
"Ich...bin Katy", sagte sie leise und Alice lächelte nur noch mehr. Das war ein guter Anfang

Zum Abendbrot gab es Pizza. Laut Alice aß jeder Pizza, also würde Katy dies auch essen. Diese musste feststellen, dass ihre Cousine wohl recht hatte, denn die Pizza schmeckte wirklich gut. Am Tisch wurde viel geredet, immerhin waren Grace und Tristan eine Weile weg gewesen. Sie hörte nur halbherzig zu und konzentrierte sich auf das Essen, da sie bei den meisten Themen nicht folgen konnte, bis sie ins Gespräch kam.
"Wann wird sie zu uns auf die Schule gehen?", erkundigte sich Alice. 
"Nächste Woche.  So hat sie einige Zeit, um sich hier einzugewöhnen. Sie wird in deine Jahrgangsstufe gehen, immerhin hat sie  ein Schuljahr verpasst, sonst wäre sie bei Jules", erklärte Tristan. Katy nickte leicht. Grace hatte ihr erzählt, dass sie monatelang im Koma lag. Niemand wusste genau wieso, nur, dass es mit dem Brand in ihrem Elternhaus zu tun hatte. Ihre Wunden waren in dieser Zeit geheilt, es waren nur Narben zurück geblieben. Die ersten Wochen nach ihrem Erwachen waren anstrengend gewesen. Sie musste ihren Körper wieder daran gewöhnen,  sich zu bewegen und festes Essen zu sich zu nehmen.  Grace war meistens an ihrer Seite gewesen, während Tristan immer wieder heim gefahren war.

"Das ist super! Hoffentlich haben wir ganz viele Fächer zusammen! Dann ist sie weniger allein!", rief Alice begeistert aus und ihre Mutter schmunzelte.
"Das hoffe ich auch, so hat sie schon etwas Anschluss, sie wird es so oder so nicht leicht haben", Grace besorgter Blick lag wieder auf Katy, was sie unwohl fühlen ließ. Doch nun war es nicht nur sie, alle am Tisch sahen sie an.   Sie schluckte, es war ihr unangenehm. Alles nur  weil sie sich nicht erinnerte.
"Ach das wird! Ich pass auf sie auf!", durchbrach Alice die Stille und grinste Katy breit an. Diese war froh darüber und erwiderte dies sofort.  Sofort entspannte sich die Stimmung wieder und es wurde das Thema gewechselt. 

Katy hatte sich gerade bettfertig gemacht, als jemand an ihrer Zimmertür klopfte. Sie sah auf und sah, wie Alice langsam in das Zimmer kam. Sie war ebenfalls bereits umgezogen.
"Darf ich mich setzen?", fragte die jüngere zögerlich und Katy nickte. Alice setzte sich neben sie aufs Bett und lächelte ihre Cousine dann an.
"Hör zu: natürlich werden einige blöd zu dir sein, manchmal sind alle in unserem Alter einfach spießig, doch davon darfst du dich nicht unterkriegen lassen. Du wirst schon sehen, es sind nicht alle so", sprach sie.
"Ich..weiß", murmelte Katy langsam und Alice sah sie neugierig an.
"Du redest nicht gern, oder? Nicht schlimm, dann rede ich halt für uns beide! Ich gebe auf dich acht", versprach sie und das andere Mädchen nickte langsam. Am liebsten würde sie sagen, dass sie niemanden brauchte, der sie beschützte, doch sie war sich nicht ganz sicher, ob dies der Wahrheit entsprach. 

Herz Des MondesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt