8. Die Geschichte der Welt

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Katy japste erschrocken auf. Es war der Wolf, welcher sie angefallen hatte. Ängstlich wich sie zurück, ehe sie die Wand an ihrem Rücken spürte. Entgegen ihrer Erwartungen tat der Wolf aber nichts, außer sich hinzulegen und mit goldenen Augen zu ihr hinauf zu sehen. Der Ausdruck in seinen Augen wirkte fast menschlich und doch musste sie sich eingestehen, dass er ein Tier war. Ein Wolf. 
Tara seufzte resigniert. 
Sie sagen die Wahrheit, erkannte das Mädchen nun. Das war zumindest die einzige Erklärung für das, was sich vor ihren Augen abspielte. Dies ließ sich nicht mit Logik erklären. Das Unmögliche kann nicht passiert sein, daher muss das Unmögliche zwingend möglich sein, damit es existieren kann. Also gibt es Werwölfe. Plötzlich fiel ihr etwas ein. In der Bibliothek hatte sie ein Buch gelesen über Werwölfe. 
"Aber...können Werwölfe sich nicht nur zu Vollmond verwandeln..und..und wird man nicht selbst einer, wenn man gebissen wurde?", fragte sie mit leiser zittriger Stimme und der Wolf, Hale, winselte traurig. Tara sah sie an und schien die richtigen Worte zu suchen. 

"Werwölfe können sich immer wandeln...bei Vollmond wandeln sie sich nur das erste Mal. Der Biss eines Werwolfes ist nicht ansteckend...nur zu Vollmond", erklärte sie langsam und Katy wurde kreidebleich. Sie erinnerte sich an den Abend mit dem Wolf und sie erinnerte sich an den Vollmond, welcher die Nacht erhellt hatte. 
"I-Ich...", fing sie an, aber ihre Stimme brach. Sie war zu entsetzt und geschockt, als dass sie etwas sagen könnte. In ihren Augen brannten Tränen. Hale sprang auf und wurde wieder zum Mensch ehe er schnell zu ihr trat und eine Hand tröstend auf die Schulter des Mädchens legte. Dieses aber schrie ängstlich auf. Er war es immerhin, der ihr dies angetan hat. In Hales Augen spiegelte sich Trauer, er ließ die Hand sinken und drehte ihr den Rücken zu. 
"Ja Katy, du wirst einer von uns werden", bestätigte Tara ihr nochmal leise. Katy konnte es kaum fassen, Tränen liefen nun über ihre Wangen und sie umarmte sich selber. Was sollte sie nun tun? Ihr Leben war doch davor schon kompliziert genug gewesen, hatte das alles nicht irgendwann ein Ende? Sie konnte nichts tun, stellte sie fest. Egal was sie tun würde, es würde sie nicht weiter bringen. 
"Ich..ich möchte mehr darüber erfahren. Über Wölfe", sagte sie mit zittriger, aber entschlossener Stimme. Tara nickte wissend, als ob sie das bereits geahnt hatte. 
"Ich werde Gerard zu dir schicken, er ist der Lehrer unserer Welpen und kennt sich von allen am besten aus", meinte Tara und stand auf, ehe sie zur Tür ging. Dort drehte sie sich nochmal zu hale um. Dieser sah seine Mutter wortlos an, ehe er einen sanften Blick zu Katy warf. 
"Verzeih mir, kleine Mate. Alles wird gut, bitte fürchte dich nicht. Ich bin bald wieder da", sprach er sanft zu ihr, ehe er mit seiner Mutter den Raum verließ.  Katy schüttelte fassungslos den Kopf. Wie sollte sie keine Angst haben? Er hatte sie angefallen und sie würde wegen ihm zu einem Werwolf werden. Trotzdem, ein Teil von ihr sehnte sich nach seiner Nähe, doch diesen unterdrückte sie geflissen. 

Wenig später kam ein älterer Mann hinein. Er schien schon um die 60 zu sein und trug ein dickes Buch mit sich. 
"Hallo Katy, mein Name ist Gerard. Ich habe von Tara die Situation geschildert bekommen. Hier steht alles drin, was du wissen musst, schau dir die Bilder an und ich werde es dir erklären", meinte er und ließ sich auf einen Stuhl nieder, ehe er ihr das Buch reichte. Gespannt öffnete sie die erste Seite, wo man einen Mond sah und eine Frau. 
"Vor langer langer Zeit herrschte auf der Welt Dunkelheit. Dämonen herrschten über die Lande und Vampire trieben ihr Unwesen, sowie viele andere schreckliche Gestalten. Da erschuf ein Gott die Menschen, ein schutzloses, schwaches Volk, was aber in seiner Gunst und in der aller Götter stand, denn von allen Lebewesen ähnelten sie ihnen am meisten. Also entsandte Gott die Engel, welche die Dämonen vertrieben und die Monster in Schach hielten. Nur gegen die Vampire konnten sie nichts ausrichten. In einer Vollmondnacht kam die Göttin Luna auf die Erde, Göttin des Mondes und der Nacht. Sie gab dem ersten Menschen das Geschenk, sich in einen starken Wolf verwandeln zu können unter ihren Schutz. Der Werwolf ist der natürliche Feind der Vampire und bald war auch dieses Problem gelöst. Doch der Wolf wurde egoistisch, er wollte seine Macht weiter ausbreiten. Daran merkte man, dass er zum Teil auch Mensch war. Deshalb spaltete die Mondgöttin fortan jede Seele der Nachkommen dieses Wolfes, sodass jeder Wolf nur dann stark ist, wenn der dazugehörige Partner bei ihm ist. Sie nennen sich Soulmate. Mit der Zeit gab es mehr und mehr Wölfe und es bildeten sich Rudel, welche in der Rangordnung richtiger Wölfe strukturiert waren. Sie vermehrten sich unkontrolliert und so beschlossen die Vampire, ebenfalls mehr von ihrer Art zu schaffen, zu verwandeln. Es kam zu einem blutigen Krieg, der die Menschheit, die Wölfe und die Vampire fast ausgelöscht hatte. Da schritt wieder ein Engel ein und beendete das Morden. Ab da an durften sie sich nicht mehr wahllos fortpflanzen und vergewaltigen. Die Mondgöttin verstärkte das Mateband, sodass sich diese Paare nur miteinander paaren konnten und mit niemanden sonst. Bei den Vampiren dagegen gibt es ein sogenanntes Seelenband. Ein Vampir fühlt sich meist zu einer Person stark hingezogen, sie wird sein Schwachpunkt. Mit den Jahrhunderten vergaßen die Menschen diese Wesen, es blieben nur noch Legenden zurück", erzählte Gerard mit ruhiger Stimme, während Katy durch die Seiten blätterte, die riesige Wölfe zeichneten, den Mond, die Vampire und ein Matepaar. 

Mate. Das war der Begriff, der für sie immer genutzt wurde von Hale. Bedeutete das, dass sie mit ihm solch ein Band besaß?

Herz Des MondesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt