21. Bruder und Schwester

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Es dauerte fast eine halbe Stunde, als Hale endlich aus der Halle war. Nachdem er Katy nicht mehr gefunden hatte, musste er raus. Mittlerweile war das Licht wieder an und es war deutlich, das einige verletzt wurden, doch unter ihnen hatte er sie nicht gefunden. Also ging er zum Auto, in der Hoffnung, dass Katy bereits dort war. Seine Hoffnung wurde schnell zunichte gemacht, als er nur Brandon und Alice am Auto sah. Alice hatte Tränen im Auge und Brandon sah ernst auf sein Handy. Als sie Hale bemerkten, steckte er sein Handy weg. 
"Wo ist Katy?", fragte Alice sofort und Hale schüttelte verzweifelt den Kopf, weswegen ihre Augen sich nur noch mehr mit Tränen füllten. 
"Kannst du sie über euren Link erreichen?",  erkundigte sich Brandon. Auf die Idee war Hale noch nicht gekommen, weswegen er es sofort versuchte. 
Kleines? Wo bist du? Geht es dir gut?

Er wartete einen Moment, ehe er frustriert den Kopf schüttelte. 
"Wir müssen sie suchen! Ruf das Rudel..."
"Es wurde angegriffen, das Rudel. Es sind die Vampire, sicher stecken sie auch hierhinter", unterbrach sein Beta ihn und der Alpha fluchte nur. 
"Wie schlimm ist es?"
"Viele Verletzte, aber noch im Rahmen. 1 Toter"
Hale nickte angespannt. 
"Bring Alice ins Rudelhaus und sieh  nach den Verletzten, trommle dann einen Suchtrupp für Katy zusammen. Ich bleibe hier und durchforste die Gegend nach ihr.", befahl er ', ehe er auch schon losjoggte. Er musste Katy finden und sein Rudel beschützen, dass war seine oberste Priorität. 

Katy wusste nicht mehr genau, was geschah, als sie von Hale getrennt wurde. Jemand packte sie, da war sie sich sicher, doch dann war alles weg. Als sie die Augen aufschlug fühlte sie sich benebelt. In den ersten Augenblicken wusste sie nicht, wo sie sich befand, doch dann roch sie den Wald und spürte das Moos unter sich. Sie versuchte aufzustehen, doch Seile waren um sie gebunden. 
Hale! Wo bist du?, rief sie im Gedanken, doch es kam keine Antwort. Stattdessen kamen Schritte auf sie zu und plötzlich entfachte ein höllischer Schmerz in ihren Arm und ihren oberen Rippen, wo sie getreten wurde. 
"Na kleine Wolfsschlampe, bist du endlich aufgewacht?", fragte eine Stimme und sie drehte den Kopf. Ein Mann stand über ihr, mit einem irren Grinsen auf dem Gesicht. Erneut folgte ein tritt und sie schrie vor Schmerz auf. 
"David, hör auf. Du weißt, er will sie unverletzt sehen, wenn er kommt", sagte nun eine zweite Stimme und der angesprochene gab einen verächtlichen Laut von sich. 
"Der soll sich mal beeilen, sonst koste ich ein wenig von der kleinen, sie ist ja ganz süß wie sie da liegt, vollkommen hilflos und uns aufgeliefert", David schnurrte und sah zu ihr herab mit einem Blick, der nichts Gutes verhieß. 
"Ich möchte keinen Ärger bekommen, weil du deine Fantasien nicht zurückhalten konntest", der zweite Mann klang nun etwas genervt, was David nur zum kichern brachte. Er beugte sich zu ihr herab und drehte grob ihr Gesicht zu seinem, während er sich über die Lippen leckte. 

"Wag es bloß nicht sie anzurühren! Das darf nur ich allein!", hallte nun eine Stimme durch den Wald. Ihr Tonfall war hart und dominant. Sofort wurde sie losgelassen und der Mann trat zurück. 
"Verzeiht, mein Herr", murmelte David nun demütig. Katy drehte leicht den Kopf und sah, wie ein junger Mann, vielleicht höchstens 20, auf sie zu trat. Seine Haare waren silbern und seine Augen leuchteten in einem klaren rot. Er trug einen Umhang, welcher den Auftritt nur eindrucksvoller machte. Mit einem undefinierbaren Blick sah er zu ihr herab, ehe er den Blick wieder aufrichtete. 
"David, du gehst sofort ins Hauptquartier. Castor, du bleibst hier bei mir, falls es Schwierigkeiten gibt", befahl der Neuankömmling mit einer Stimme, die keine Widerworte zuließ. David entfernte sich sofort, dies allerdings in einer Geschwindigkeit, die nicht einmal Katy folgen konnte. was waren das für Wesen? Waren dies...Vampire?
Der kalte Blick des jungen Mannes lag nun wieder auf ihr, als er sie im Nacken griff und zwang, sich aufzusetzen. 
"Schön das wir uns wiedersehen....", ein Grinsen umspielte seine Lippen und sie runzelte verwirrt die Stirn. Wiedersehen? Sie kannte ihn doch gar nicht...oder? Als er ihr ratloses Gesicht bemerkte, lächelte er nur mehr, ehe seine Miene wieder kühl wurde und er sie so fest schlug, dass sie mit dem Kopf auf den Boden aufkam. Alles drehte sich und schwarze Flecken tanzten in ihrem Gesichtsfeld, als er dann nochmal zutrat. 
"Schade...dabei habe ich mich so auf unser Aufeinandertreffen gefreut...Schwesterherz", sagte er, ehe sie das Bewusstsein verlor. 

Der junge Mann sah auf das Mädchen herab und verzog unzufrieden die Lippen. Wie schwach sie doch geworden war. 
"Herr, was tun wir nun mit dem Mädchen?", fragte Castor ihn und er hob den Kopf, um hinauf zu sehen zum sternenklaren Himmel und zum Mond. 
"Bald ist die Zeit gekommen und wir werden wieder herrschen, wie es uns in die Wiege gelegt wurde. Sie wird der Schlüssel sein...sie hätte sterben sollen", er verzog unzufrieden das Gesicht. 
Da hörte er es. Klopfende Schritte, welche in ihre Richtung kamen. Sie waren noch weit entfernt, doch das Geräusch der Pfoten auf dem Waldboden würde er überall wiedererkennen. 
Es ist der Alpha und mindestens 10 weitere Wölfe, meldete sich seine innere Stimme zu Wort.
"Pass auf sie auf. Ich muss weg", sagte er kühl. Es war noch nicht an der zeit, dass er sich den Wölfen offenbarte. Er sah ein letztes Mal auf seine Schwester herab, deren rechte Gesichtshälfte blutüberströmt war, ehe er in der Nacht verschwand und Castor zurückließ, mit dem Wissen, dass sie ihn töten werden. Er würde sie sich schon wieder holen, wenn die Zeit dafür reif war. Vorerst hatte er, was er brauchte: Ihr Blut. 

Herz Des MondesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt