[❧] Chapter 11

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Alisons POV

Als ich wieder auf die Uhr blickte, stellte ich erschrocken fest, dass fast eine weitere halbe Stunde vergangen war. Adrien und ich waren so sehr in ein Gespräch vertieft gewesen, dass ich gar nicht mehr auf die Zeit geachtet hatte. Da er so eine einnehmende Präsenz besaß, war es auch schwer, sich nicht komplett auf ihn zu konzentrieren und dabei nicht alles andere aus dem Blick zu verlieren. Langsam wurde es Zeit, dass ich ging, aber vorher musste ich noch etwas wissen.

»Was machst du eigentlich hier?« Fragte ich ihn neugierig, als eine kurze Gesprächspause entstand. Auf seinen irritierten Blick hin, wurde mir klar, dass meine Frage etwas komisch rüberkam.

»Ist das nicht offensichtlich? Ich trinke einen Kaffee und unterhalte mich mit dir.« Erwiderte er und grinste mich an, was ich mit einem Augenrollen quittierte.

»Du weißt was ich meine. Warum bist du ausgerechnet in dem Café, was direkt gegenüber von der Bar ist, in der ich arbeitete?« Formulierte ich meine Frage noch etwas genauer und sah ihn aufmerksam an, damit mir keine Gefühlsregung entging.

»Ich war gerade hier in der Gegend.« Daraufhin sah ich ihn mit hochgezogener Augenbraue an, was ihn dazu brachte, ergeben die Luft auszustoßen.

»Also schön, ich wollte dich eigentlich nochmal in der Bar besuchen. Da ich aber zu früh dran war, habe ich beschlossen, kurz noch einen Kaffee zu trinken.« Erklärte er sich und fuhr sich zum Ende hin seufzend durch die Haare. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er so einfach ein Geständnis ablegte, weswegen ich kurz brauchte, um meine Stimme wiederzufinden.

»Du bist echt hartnäckig.« Stellte ich kurz angebunden fest und konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

»Das sollte man in meiner Arbeitsbranche auch sein, sonst hat man keine Chance dort Fuß zu fassen.« Zuckte er mit den Schultern und setzte sich aufrechter hin. Ich rutschte auf meinem Stuhl ein Stück nach vorn und sah ihn interessiert an.

»Du hast mir immer noch nicht verraten, was du eigentlich arbeitest.« Ich wusste zwar schon seit unserer ersten Begegnung, dass er vermutlich ein erfolgreicher Geschäftsmann war, aber was er eigentlich tat, hatte er mir noch nicht gesagt.

»Ich bin Chef eines Wirtschaftsunternehmens.«

»Und auf was habt ihr euch genau spezialisiert?« Fragte ich dann drängend nach, da er keinerlei Anstalten machte, weiter zu sprechen.

»Dieses Thema ist recht langweilig. Außerdem glaube ich nicht, dass du das...-« Winkte er ab und stoppte zum Ende hin, da er anscheinend nicht die richtigen Worte fand. Als seine Antwort bei mir ankam zog ich bereits argwöhnisch eine Augenbraue nach oben.

»Das ich was?«

»Du weißt schon, dass du das nicht...-« Brach er wieder ab und trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte, während er mich nervös ansah.

»Nein, ich weiß es nicht. Willst du etwa gerade sagen, dass ich es nicht verstehen würde?« Fragte ich ihn mit fester Stimme und sah ihm unentwegt in die Augen. Ich hatte immer noch die leise Hoffnung, dass er etwas Anderes meinte.

»So hätte ich das jetzt nicht ausgedrückt.« Ließ er meine Hoffnung wie eine Seifenblase zerplatzen. Ich sah ihn fassungslos an, fasste mich dann aber soweit, um ihm eine weitere Frage zu stellen.

»Ach und wie dann?«

»Ich denke nur, dass...-« Fing er an, beendete seinen Satz aber nicht, da er nicht wusste, was er sagen sollte.

»Du arbeitest in einer Bar.« Fügte er hinzu und sah mich so an, als ob seine Feststellung alles erklären würde. Langsam wurde ich wütend, weil ich von ihm mehr erwartet hätte.

»Nur, weil ich in einer Bar arbeite, habe ich also nichts im Kopf?«

»Gott, nein, so war das nicht gemeint.« Erwiderte er frustriert und lehnte sich ein Stück vor. Während er noch immer nicht wusste, was er sagen soll, ließ ich bereits mein Handy in die Tasche meines Mantels gleiten und fischte gleichzeitig einen Fünfdollarschein heraus, den ich vorher notdürftig eingesteckt hatte.

»Ich weiß wie Frauen wie du gestrickt sind. Ihr sucht euch einen einfachen Job und schmeißt euch den erstbesten Mann um den Hals, der ein überdurchschnittliches Bankkonto besitzt.« Behauptete er und war noch so dreist, mir ein wissendes Grinsen zu schenken. Mein Kopf dröhnte, denn ich hatte langsam genug von seinen herablassenden Worten und davon, dass er angeblich dachte, er wüsste über alles Bescheid. Ich wusste nicht, was passiert war, dass ich mich überhaupt auf ihn eingelassen hatte. Ich machte um eingebildete Männer, zu denen er definitiv zählte, sonst eigentlich immer einen riesigen Bogen. Er war der beste Beweis dafür, dass das hier ein Fehler war.

»Ich lasse mir hier nichts unterstellen. Du kennst mich nicht einmal ansatzweise und steckst mich bereits in eine Schublade. Es hätte mich eigentlich nicht überraschen sollen, dass du so etwas über mich denkst, wenn Frauen für dich nur gut genug sind, um dein Bett zu wärmen.« Antwortete ich und musste aufpassen, dass meine Stimme nicht laut wurde. Ich hätte ihn gerne so richtig zusammengestaucht, gleichzeitig wollte ich aber keine Szene machen. Deswegen klemmte ich den Dollarschein unter meine leere Tasse und stand abrupt vom Stuhl auf. Adrien hatte es anscheinend die Sprache verschlagen, denn er sah mich nur an, ohne etwas zu sagen.

»Was hast du denn jetzt?« Hörte ich ihn dann doch fragen, als ich gerade dabei war meinen Mantel anzuziehen. Ich sah ihn einige Sekunden einfach nur an, um mir sein Gesicht noch ein letztes Mal einzuprägen.

»Wenn du das nicht weißt, bist du echt ein noch größeres Arschloch als ich dachte.« War meine schnippische Antwort, die ihn nur dazu brachte, die Stirn zu runzeln. Sein Gesagtes und der Eindruck den ich von ihm hatte, passten so gar nicht zusammen. Vor kurzer Zeit hätte ich ihn noch als intelligent und taktvoll bezeichnet und als Gesprächspartner geschätzt und jetzt würde ich ihn am liebsten zum Mond schießen.

»Alison.« Seine Augen trafen auf meine, ich sah aber schnell weg. Ich konnte ihm nach seinen idiotischen Worten nicht mal mehr ansehen.

»Es ist besser, wenn ich jetzt gehe.« Sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen und holte tief Luft, bevor ich noch etwas tat, was ich später bereute. Ohne auf eine Reaktion seinerseits zu warten, drehte ich mich um und spazierte mit erhobenem Haupt zur Tür.

The Perfect MistakeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt