[♛] Chapter 15

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Adriens POV

Ich war eigentlich ein sehr geduldiger und beherrschter Mensch. Trotzdem konnte ich mich, während ich neben Chase auf dem Gehweg stand, nicht davon abhalten, jede Minute auf meine Armbanduhr zu schauen. Es war bereits zehn nach sieben, zehn Minuten nach der eigentlichen Zeit, zu der wir uns treffen wollten. Der rationale Teil von mir ging davon aus, dass die beiden im Abendverkehr feststeckten, aber ein kleiner Teil machte sich trotz allem Sorgen, dass etwas passiert war. Wir hatten uns zwar vorher kein einziges Mal verabredet gehabt, aber ich würde weder Alison noch Liz als jemanden einschätzen, der absichtlich zu spät kam.

»Sie werden schon noch kommen, kein Grund nervös zu werden.« Meldete sich die vertraute Stimme von Chase und ließ mich von dem Ziffernblatt der Uhr aufgucken. Ich zog den Ärmel meines schwarzen Jacketts wieder zurecht und ließ beide Hände lässig in die Hosentaschen gleiten.

»Ich bin nicht nervös.« Zumindest ließ ich mir das nach außen hin nicht anmerken. Aber da Chase mich schon zu lange kannte, wusste er meinen aufmerksamen Blick und meine angespannte Haltung richtig zu deuten. Ihn konnte ich nicht hinters Licht führen, was er mir mit seiner hochgezogenen Augenbraue zu sagen versuchte. Ich konnte noch immer nicht den Unglauben ignorieren, der sich in meinem Inneren breitgemacht hatte, als Chase mir sagte, dass Alison mit dem Abendessen einverstanden war. War sie doch noch vor zwei Tagen diejenige gewesen, die ein Treffen mit mir angelehnt hatte. Noch immer sah ich ihren skeptischen und abgeneigten Blick vor mir, so als ob ich sie gefragt hätte, ob wir heute Abend eine Sex Orgie veranstalten wollen. Ich hatte sie verletzt, ich wusste das, sie wusste das auch, aber ich wollte ihr zeigen, dass meine Entschuldigung in der Bar nicht nur so dahingesagt war. Sie hatte mir heute Abend mehr oder weniger eine Chance dazu gegeben und die würde ich nutzen.

Weitere fünf Minuten vergingen, bis ein gelbes Taxi um die Ecke bog und etwa zwei Meter von uns entfernt anhielt. Die Tür schwang auf und der bekannte braune Haarschopf von Liz erschien, gefolgt von einem Blonden, der ohne Zweifel Alison gehörte. Liz streckte dem Taxifahrer durch das offene Beifahrerfenster einen Zwanzigdollarschein hin, den dieser nickend entgegennahm. Daraufhin rauschte das Auto auch schon an uns vorbei und mein Blick fiel wie von selbst auf Alison. Ihre tolle Figur war in ein kurzes, rotes Kleid gehüllt und ihre blonden Haare fielen ihr in großen Locken über die Schultern. Durch die schwarzen High Heels war sie einige Zentimeter größer als sonst und auch ihre gesamte Ausstrahlung war heute anders. Als ihre Augen meine trafen, musste ich aufgrund der Härte und Unnachgiebigkeit in ihrem Blick schlucken. Ich glaube, es würde alles andere als einfach werden, sie wieder für mich zu gewinnen.

»Entschuldigt, dass wir zu spät sind, der Verkehr auf den Straßen war schrecklich.« Rief Liz dann über den Verkehrslärm hinweg und kam in ihren ebenfalls hohen Schuhen auf uns zugeeilt. Alison folgte ihr mehr widerwillig und sah überall hin nur nicht zu mir. Ein leichtes Schmunzeln legte sich auf meine Lippen, während ich mich zu Chase gesellte, der Liz entgegengekommen war und nun vor ihr stand. Ich begrüßte beide, wobei Liz mir einen prüfenden Blick schenkte, bevor sie sich bei Chase einhakte und sie voran zum Eingang des Restaurants gingen. Wie es mein Anstand verlangte, bot ich Alison ebenfalls meinen Arm an, doch diese ignorierte die Geste und lief ohne mich eines Blickes zu würdigen hinter Chase und Liz her.

»Das habe ich wohl verdient.« Murmelte ich und setzte mich ebenfalls in Bewegung. Scheinbar waren meine Worte doch nicht so leise gewesen, wie gedacht, da Alison sich ruckartig umdrehte und mich mit funkelnden Augen ansah.

»Das ist nicht mal ein Bruchteil dessen, was du eigentlich verdient hättest.« Antwortete sie eindringlich und mit fester Stimme. Ich musste wieder schlucken und ein Kloß bildete sich in meinem Hals.

»Du hast recht, ich hätte wegen meines Verhaltens viel mehr verdient.« Brachte ich beim zweiten Anlauf heraus und war kurz selbst überrascht, wie viele Gefühle in meiner Stimme mitschwangen. Ich hatte früh gelernt, meine Gefühle tief in mir zu verschließen und sie nach außen hin niemandem zu zeigen. Nicht nur, weil das für meinen Job einen entscheidenden Vorteil brachte, sondern auch, weil man so viel schwieriger verletzt werden konnte. Der letzte Mensch, dem ich vertraut und mich geöffnet hatte, hatte mich betrogen und mir sprichwörtlich ein Messer in den Rücken gerammt. Diese Geschehnisse waren nicht nur eine Lehre, sondern auch ein Versprechen an mich selbst gewesen, niemanden mehr zu nah an mich ranzulassen.

»Ich habe es eigentlich gar nicht verdient, dass du mir vergibst.« Fuhr ich mit heiserer Stimme fort, woraufhin sich ihre Augen leicht weiteten. Es gab vermutlich keinen unpassenderen Ort, um dieses Gespräch zu führen, aber trotzdem konnte ich die Worte, die an die Oberfläche wollten, nicht aufhalten.

»Adrien, ich-« Sie brach ab und sah sich um. Es begann langsam zu dämmern, die Autos hinter uns auf der Straße rasten vorbei und die wenigen Menschen, die sich ebenfalls auf dem Gehweg befanden, gingen ihrem Leben nach und beachteten uns nicht. Alison sah etwas, was für mich nicht greifbar zu sein schien, als sie ihren Blick wieder auf mich richtete.

»Ich kann das jetzt nicht.« Erwiderte sie mit kaum hörbarer Stimme und drehte sich abrupt um. Ich hatte mit vielem gerechnet, nur nicht mit dem Bedauern das durch meinen Körper fuhr, als Alison sich immer weiter von mir entfernte.

The Perfect MistakeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt