Nun waren schon zwei Wochen nach dem Unfall meiner Mutter vergangen und sie ist bis jetzt noch nicht aufgewacht. Wenn ich den Worten der Polizei richtig folgen konnte, dann war ihr ein Geisterfahrer entgegen gekommen, dem sie nicht mehr ausweichen konnte. Es war ein wirklich schwerer Unfall, bei dem meine Mutter und der andere Fahrer, der an all dem Schuld war, schwerverletzt wurden. Ich, für meinem Teil, war die ganzen Wochen über nur körperlich anwesend gewesen. Seelisch war ich ein Wrack, was an meiner Trennung von Sweet Pea und dem Vorfall mit meiner Mutter lag. Nach dem Anruf des Polizisten am Tag des Unfalls, hatte ich eine gewaltige Panikattacke bekommen. Sie war so stark, dass ich auch ins Krankenhaus gebracht wurde, damit die Ärzte mich untersuchen konnten. Ich, jedoch konnte wieder nach zwei Tagen nach Hause gehen.
Rund um die Uhr war jemand im Krankenhaus. Während ich noch dort war, war andauernd jemand bei mir, beispielsweise Veronica, Ander, Kev und Betty. Jughead hatte mich gefühlt 24/7 mit seiner Anwesenheit beglückt, was mich natürlich nur erfreut hatte. Trotzdem konnte mich nichts und niemand ablenken. Immer wieder kamen mir die schmerzhaften Worte von Sweet Pea in den Kopf. Ich konnte einfach nicht begreifen, warum er das beendet hat, was wir gemeinsam hatten. Bei meiner Mutter war das ganze mit den Besuchen nicht anders, nur das hin und wieder auch ein paar ihrer Arbeitskollegen und Freunde vorbei kamen. Und natürlich auch Max, der mich bei sich aufgenommen hat, während meine Mutter noch hier und sonst niemand bei uns zu Hause war. Es war ganz nett bei ihm zu Hause, auch weil ich so mehr Zeit mit Max und Noah verbringen konnte, aber trotzdem fühlte ich mich nicht ganz wohl. Ich wollte einfach, dass ich wieder so wie früher mit meiner Mutter zu Hause auf der Couch sitzen konnte und wir unsere Serie weiter gucken könnten. Oder, dass Sweet Pea seine schützenden Arme um mich legte und mich nie wieder los ließ.
Max hatte mir eine Entschuldigung für die Schule geschrieben, dass ich noch bis zum Ende der Woche zu Hause bleiben und mich von dem ganzen Stress ausruhen konnte. Ebenfalls hatte ich auch Urlaub im La Bonne Nuit genommen, was Veronica mir selbst vorgeschlagen hatte. Zur Zeit sprang jemand für mich ein, doch ich wusste nicht wer. Die meiste Zeit über trauerte ich über mein jämmerliches Leben und mich selbst. So kam es dazu, dass ich mir den Rum aus der Bar von Max genommen hatte. Es dauerte nicht lang bis diese Flasche leer war, doch ich merkte schnell, dass ich noch mehr Alkohol benötigte. Nur so konnte ich mich etwas von meinen Schmerzen ablenken. Bis jetzt hatte es noch niemand mitbekommen, da Max sich so oder so nicht oft aus seiner Bar bediente.
Heute war Samstag. Normalerweise würde ich mit meinen Freunden abhängen, mit Sweet Pea auf der Couch kuscheln oder mich einfach nur mit meiner Mum unterhalten. Jedoch bestand heute mein Plan daraus mich in meinem kurzzeitiges Zimmer, also dem Gästezimmer von Max, zu verkriechen und Netflix zu schauen. Wie auch die letzte Woche auch. Es war gerade erst 13 Uhr, doch ich hatte wahrscheinlich schon etwas zu viel getrunken. Natürlich musste es so kommen, das gerade als ich den Inhalt einer Whiskey-Flasche in mich reinkippte, Noah in das Zimmer kam und mich so sah. Er sah genauso geschockt aus wie ich und stand ein paar Sekunden nur reglos da. Schnell legte ich die Flasche unter meine Decke, auch wenn es dafür schon längst zu spät war, und ging langsam auf ihn zu. "Hey, du wirst deinem Dad doch sicher nicht davon erzählen oder?", fragte ich hoffnungsvoll und bekam einen Moment später die Antwort, die ich nicht hören wollte. "Tut mir Leid", sagte er und rannte davon. Ich versuchte ihm hinterher zu kommen, was gar nicht so einfach war, da mir mein ganzer Kopf vom Trinken brummte.
Ich gab es schnell wieder auf Noah hinterher zu laufen, da er sich sowieso schon in seinem Zimmer verkrochen hatte. Ich war mir sicher, dass wenn Max von der Arbeit nach Hause kommen wird, er ihm von allem erzählen würde. Ich konnte es Noah auch nicht übel nehmen. Würde ich jemanden in so einem Zustand sehen, würde ich es auch jemandem erzählen, denke ich. Zurück angekommen im Zimmer schlug ich die Tür zu und warf mich aufs Bett. Was passierte nur mit mir? Wie konnte es nur so weit kommen? Langsam baute sich wieder Wut in mir auf. Ich konnte einfach nicht fassen, dass ich mich selbst nicht mehr im Griff hatte. Wahrscheinlich lag diese plötzliche Aggressivität am Alkohol, den ich in mich aufgenommen hatte. Ohne darüber nachzudenken, nahm ich die Glasflasche und schleuderte sie mit voller Kraft gegen die Wand, woraufhin Unmengen an Splittern durchs Zimmer flogen. Dann legte ich mich, wie schon so oft, mit Tränen in den Augen ins Bett.
Das Öffnen und wieder Schließen der Haustür gab mir das Zeichen, dass Max nach Hause gekommen war, also würde es nicht mehr lange dauern bis Noah ihm von allem erzählte und ich Anschiss bekommen würde. Erst Minuten später ertönte das Klopfen an der Tür, jedoch machte ich keine Anstalten aufzustehen. "Bist du wach? Ich hoffe es, denn wir haben 16 Uhr", fragte Max ruhig, klang jedoch kurzdarauf dann schockiert. "Was ist denn hier passiert?" Erst jetzt schien er anscheinend die Unordnung bemerkt zu haben. "Ich räum das später weg", murmelte ich in mein Kissen rein. "Wir sollten reden.", sagte Max und setzte sich neben mich. "Ich verstehe, dass es dir gerade beschissen geht. Niemand sollte das durchmachen müssen, was du zur Zeit musst. Ebenfalls kann ich verstehen, dass Alkohol dir dabei hilft, das Ganze besser zu verarbeiten. Trotzdem bin ich für deine Sicherheit verantwortlich, nicht nur, weil deine Mutter mir diese Aufgabe gegeben hat, sondern auch, weil ich es selbst so möchte."
Langsam richtete ich mich auf und wagte einen kurzen Blick zu Max. "Was kann ich tun?...", fragte ich mit gebrochener Stimme, "...Damit ich mich besser fühle." "Das kann ich dir nicht genau sagen. Nur du selbst weißt, was für dich am besten ist. Aber du solltest versuchen wieder in deinen normalen Alltag rein zu finden, beispielsweise Dinge mit deinen Freunden unternehmen und generell mehr das Haus verlassen. Vielleicht könntest du auch versuchen wieder arbeiten zu gehen, das hat dir doch immer so Spaß gemacht." Ich seufzte, doch Max fuhr fort: "Ich weiß, es ist nicht einfach. Du kannst, aber deinen ersten Schritt machen, indem du Veronica oder Jughead anrufst. Sie freuen sich ganz sicher darüber mal wieder was von dir zu hören", meinte er und legte seine Hand auf meine Schulter. "Ich werde darüber nachdenken", entgegnete ich ehrlich und stand auf, um die Scherben der zerbrochenen Flasche aufzuheben. Anstatt, dass Max ging und sich von seinem Arbeitstag ausruhte, gesellte er sich zu mir und half mir dabei. Ich blickte zu ihm und schenkte ihm seit einiger Zeit mal wieder ein Lächeln, was sich wirklich gut anfühlte.
Nachdem wir fertig waren mit dem Aufräumen ließ Max mich wieder allein. Ich setzte mich an den Schreibtisch und nahm mein Handy zur Hand, auf das ich dann gebannt sah. Ich hatte meine Freunde fast die ganze Zeit über ignoriert. Ein paar mal hatte ich sie im Krankenhaus bei meiner Mum angetroffen. Jetzt konnte ich mich nicht zusammen raffen, um einen von ihnen anzurufen. Natürlich war mir klar, dass sie mir nicht böse wären, aber ein flaues Gefühl im Magen hatte ich dennoch. Trotzdem schaffte ich es meinen Mut zusammen zu nehmen und Veronica anzurufen. "Bist du das Anni?", fragte Veronica und klang überrascht. "Ja, kaum zu glauben oder?", meinte ich etwas unbeholfen. "Wie gehts dir? Ich nehme mal an besser." "So in der Art. Mir ist einfach klar geworden, dass ich so nicht weiter machen kann. Deshalb wollte ich dich fragen, ob du heute Zeit hast", erklärte ich ihr. "Natürlich! Ich bin echt froh wieder mal was von dir zu hören", sagte Veronica erfreut, "Ou, aber... Miranda aus unserer Stufe schmeißt heut eine Party. Glaubst du, du fühlst dich bereit dafür? Wenn nicht, dann können wir auch einfach ins Pop's oder so." "Nein, nein. Ich würde gerne auf diese Party gehen. Wann treffen wir uns?", fragte ich. "Ich hol dich so gegen 19 Uhr ab." "Perfekt, dann sehen wir uns später, Veronica." "Freu mich, bye."
Erst als ich aufgelegt hatte, merkte ich, wie dumm meine Idee doch war. Wie konnte ich behaupten, dass ich mich bereit dafür fühle zu einer Party zu gehen, wenn ich gerade mal vor zwei Stunden noch aus Frust eine Glasflasche gegen die Wand geschleudert hatte. Aber möglicherweise brauchte ich auch genau diese Erfahrungen mal wieder, die Zeit unter anderen Menschen. Und auf der Party würde ich vielleicht auch auf Betty, Kevin oder Archie treffen, die ich auch echt vermisste. Am besten wäre es auch, wenn ich Max nichts von der Party erzähle, das würde nur unnötige Probleme verursachen, für die ich gerade keinen Nerv hatte. Wenn Veronica mich gegen Sieben abholt, dann hatte ich noch ungefähr zwei Stunden Zeit, um mich fertig zu machen, weshalb ich sofort damit anfing mir ein Outfit für den Abend zusammen zu stellen. Jetzt, wo ich mich richtig auf die Party einstellte, konnte ich es kaum mehr erwarten. Ich wollte wieder Spaß haben und mich amüsieren können.
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Losing Yourself
Romance~Das ist der zweite Teil von meiner Fan-Fiction "Lost in You", deswegen empfehle ich zuerst den ersten Teil zu lesen~ Was machst du, wenn ein Problem nach dem anderen in dein Leben tritt und sie dich von Tag zu Tag immer mehr beunruhigen? Lohnt es s...
