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𝔏𝔢𝔢 𝔗𝔞𝔢𝔶𝔬𝔫𝔤

Besorgt sah ich Wooyoung nach, wie er mit San an dessen Tisch ging. Ich hoffte für ihn, dass San die Finger von ihm ließ. Ich kannte den berüchtigten Jungen nicht gut - das tat so gut wie keiner - aber wenn das, was er Jeongin versuchte anzutun stimmte, dann war er wirklich gefährlich für Wooyoung.

Ich fragte mich auch, weshalb Wooyoung hier war. Ich war hier, wegen meiner extremen Mysophobie, Klaustrophobie und wegen meiner Schwester. Sie hatte mich an die Kluft Verzweiflung gebracht. Mich zum Mobbingopfer meiner Schule gemacht. Man hatte mich in einem winzigen, dunklen Raum eingesperrt damals. In dem Raum wurde extra der Staubsauger der Schule ausgeschüttet und irgendwer hatte auch noch dort hingekotzt. Ich hatte die schlimmste Panikattacke und selbst nachdem ich dreimal duschen gewesen war mit meinem Freund ging es mir nicht besser. Manchmal fühlte ich mich auch jetzt noch verdammt schmutzig.

Jaehyun hatte mir wirklich so gut es ging geholfen und er wartete auch jetzt noch auf meine Rückkehr aus der Psychiatrie. Aber nachdem ich mich drei Tage nach dem Geschehnis immer noch nicht aus dem Haus traute und in meinem Zimmer einsperrte und dort jeden Abend putzte, fand Jaehyun es besser, wenn ich mir professionelle Hilfe holen würde.

Ich hatte zugestimmt, ich wollte nicht mehr in ständiger Angst leben. Meine Eltern unterstützten mich zum Glück. Sie hatten meine Schwester auf ein Internat geschickt und sie hatte sich sogar nach einem Jahr, in dem ich - freiwillig in der geschlossenen und nicht der offenen, weil in der offenen kann ja jeder wie er will ein und aus gehen - hier in der Psychiatrie verweilte, bei mir entschuldigt und nun sah ich sie mit meinen Eltern auch regelmäßig. Jaehyun sah ich auch regelmäßig und generell war ich bereits auf dem Weg der Besserung, aber ab und zu hatte ich halt wirklich extreme Rückfälle. Aber bald wird es mir wieder gut ergehen, dann kann ich nach zwei Jahren endlich weg hier - hoffte ich.

Ich sah zu Mark, einem meiner besten Freunde hier und das würde er auch noch bleiben, wenn wir hier rauskamen. Er tat mir leid. Er war hier, weil sein Ex ihn wirklich total mies behandelt hatte. Er hatte ihn zum Sex gezwungen, geschlagen, angeschrien und anderweitig misshandelt. Mark musste ihn trotz eines meiner Meinung nach enormen Altersunterschied echt geliebt haben, denn er verfiel deswegen in extreme Depressionen und Angstzustände. Er ließ kaum noch jemanden an sich heran, aus Angst, dass derjenige so war, wie sein Ex.

Mark war kurz nach mir hergekommen, etwa nach einem halben Jahr der Trennung. Seine besten Freunde hatten ihn hergebracht, weil seine Eltern sich einen Scheißdreck um ihn kümmerten. Seine Freunde besuchten ihn so oft wie möglich, ich durfte sie sogar mal kennenlernen. Jeno und Haechan - letzterer hatte diesen Namen nur als Spitznamen - waren wirklich nett und offenbar hatte Haechan tatsächlich Gefühle für Mark. Er war auch von Anfang an gegen die Beziehung zwischen Mark und dessen Ex gewesen, aber wie Mark damals nun einmal war, ging er dennoch die Beziehung ein. Wir machten schließlich alle Fehler.

Auf jeden Fall war Haechan in Mark verliebt und ich merkte, dass Mark mehr als nur Freundschaft für diesen empfand. Ich wünschte den beiden viel Glück und war mir sicher, dass etwas daraus wurde, denn Mark war wirklich schon auf dem Weg der Besserung, so wie ich.

Nun sah ich zu YangYang. Er sprach wieder mit der Luft. Oder besser gesagt, mit Lucas. Er war am ärmsten von uns allen dran. Er wurde schon in jungem Alter, geärgert, weil er in Deutschland lebte, aber Asiate war. Als er wieder nach Asien kam deswegen wurden seine Eltern von einem Auto angefahren und lagen noch jetzt viele Jahre später im Koma. Außerdem wurde er auch hier in Korea geärgert, weil er so lange in Deutschland lebte und seine Eltern im Koma lagen. Jedoch fand er Freunde - Jaemin, Taeil, Kun und Lucas. Und zu Lucas fühlte sich YangYang besonders hingezogen und auch Lucas erwiderte diese Zuneigung. Sie wurden ein Paar.

YangYang konnte seine Sorgen bei Lucas immer vergessen, sagte er, als er sich überwinden konnte uns zu erzählen weshalb er hier war. Lucas hatte ihn immer glücklich machen können. Lucas war für ihn da gewesen, wenn es kein anderer war. Lucas war perfekt für YangYang gewesen.

Doch dann kam dieser betrunkene Fahrer - zum Glück bekam er ein Jahr Gefängnis - und fuhr sie beide an. YangYang überlebte knapp mit einer Operation, aber Lucas hatte nicht so ein Glück. Er verstarb an den Folgen der Verletzungen und das weckte ein altes Trauma in YangYang. Er fiel in ein so tiefes Loch, dass nicht mal seine Freunde ihm daraus helfen konnten.

Sie hatten mir erzählt, dass er nicht geweint hatte. Nicht, als er erfuhr, wie schlecht es um Lucas stand, nicht, als dieser mit der Hand in YangYangs starb und auch nicht bei der Beerdigung. Selbst jetzt weinte YangYang nicht um ihn. Als ich ihn fragte, warum er denn nicht weinte nannte er mir zwei Gründe.

Erstens, Lucas mochte seine Tränen nicht sehen, und zweitens, er hatte keine Tränen mehr übrig, sie waren versiegt. Es brach mir das Herz, das von einem so lieben Jungen zu hören. Er musste schon so viel durchmachen.

Nach Lucas Tod kehrte YangYang zum Alltag zurück, als sei nichts gewesen. Jedoch sprach er nicht mehr so viel. Nur manchmal begann er einfach zu sprechen, etwas zu erzählen und obwohl er keine Antworten erhielt baute er ein Gespräch auf, als sei da jemand. Seine Freunde brachten ihn deshalb zum Arzt und er wurde hier eingewiesen. Es war in etwa zu der Zeit gewesen, als Mark und ich hier ankamen. Wenn man ihn fragte, mit wem er denn da sprach verstummte er und schaute dich mit einem beinahe gleichgültigen Blick an. Dann nannte er den Namen seines verstorbenen Freundes und verstummte. War total in sich gekehrt.

Inzwischen sprach er zum Glück auch wieder mehr mit anderen und kam ein wenig aus sich heraus, aber dennoch geht es ihm nicht gut. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis er hier raus kommen würde. Ich und Mark halfen ihm aber so gut wir konnten.

Als ich meinen Gedankengang beendet hatte stand ich auf. Die anderen beiden sahen mich an. "Ich wollte wieder in die Bibliothek, kommt ihr mit?", erklärte ich ihnen mein Vorhaben. "Oh, natürlich, gerne", gab Mark zur Antwort und YangYang nickte. Beide standen sie auf und wir gingen davon.

!!!Achtung!!!Alles, was hier geschrieben steht, ist rein fiktiv und soll auf gar keinen Fall Körperverletzung, Mord, sexuellen Missbrauch und weitere absolut schlimme Verbrechen verharmlosen. Auf keinen Fall das geschriebene nachahmen und sollten euch Gedanken bezüglich bestimmten Themen wie zum Beispiel: Suizid oder Selbstverletzung durch den Kopf gehen, dann sprecht bitte mit jemanden darüber und lasst euch helfen. Aber euch muss klar sein, dass man sich nur helfen lassen kann und sich bessern kann, wenn man das will. Wenn man sich die Hilfe aufzwingt oder aufzwingen lässt nützt es rein gar nichts.


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Hey Darlings~
hier ist auch das siebte Kapitel von dieser Story und ich hoffe, dass es euch gefallen hat. Diesmal ist es aus einer anderen Sicht als sonst, aber dafür kennt ihr jetzt die Geschichten der drei NCT's. Im nächsten Kapitel geht es wie gewohnt weiter.
Bye~~

ℭ𝔞𝔩𝔩𝔢𝔡 𝔓𝔰𝔶𝔠𝔥𝔬ʷᵒᵒˢᵃⁿWo Geschichten leben. Entdecke jetzt