"Guten morgen." begrüße ich meine Kollegin und steige auf den Beifahrersitz des Dienstwagens, den sie fährt ein. "Guten morgen." grüßt sie freundlich zurück. "Alles gut?" fängt sie etwas Smalltalk an, wie jeden Morgen. "Ja und bei dir?" entgegne ich wie immer. "Ja alles super..." und schon verfallen wir in ein angenehmes Gespräch.
"Heute haben wir ein paar Patienten von einer anderen Tour mit drin, da Marlena krank ist." erzählt Nele gerade. "Oh ok..." antworte ich bloß.
Nachdem wir einige Patienten aus unserer Tour geschafft haben, fahren wir Richtung Voerde. "Die erste Patientin heißt Wattner..." den Rest höre ich nicht mehr, diesen Namen kenne ich, natürlich ich sage diesen Namen täglich mindestens 5 mal, wenn auch in meinem Kopf. Wie oft habe ich mir gewünscht jemand aus der Familie Wattner ist Patient bei dem Pflegedienst bei dem ich momentan meinen Außeneinsatz mache. Jetzt muss ich natürlich nur noch Glück haben, dass die Frau Wattner, die ich sehen möchte auch da ist, also nicht als Patientin sondern als Angehörige, Tochter oder so. Aber ehrlich gesagt habe ich auch Angst, ich habe sie solange nicht mehr gesehen, wie werde ich reagieren wenn ich sie sehe? Wie wird sie reagieren? Wir halten, in der Straße in der ich schon länger vermutete, dass sie hier wohnt. Es ist die selbe Hausnummer und Straße, wie es im Internet steht. Ja, ich habe gegoogelt wo sie wohnt, es stand im Online Telefonbuch. Ich atme einmal tief ein und aus und steige dann mit Nele aus dem Auto. "Alles gut bei dir, du wirkst so angespannt?" fragt Nele mich, whärend wir durch den Vorgarten laufen, der übrigens gepflegt und wunderschön aussieht. "Ehm Nein, alles gut." versichere ich ihr nervös und folge ihr einfach weiterhin. Sie klingelt. Nach einigen Sekunden wird die Tür von einem Mann geöffnet. Ich schätze ihn auf ungefähr 50 Jahre. ~vielleicht ihr Mann, sie ist ja auch 49...~ wir grüßen ihn freundlich und treten ein. "Wenn ihr mit Mama fertig seid wollten wir nochmal mit Ihnen reden." quatscht er schon drauf los. "Alles klar." sagt Nele. Wir ziehen unsere Jacken aus und ich folge Nele eine Treppe hinauf ihn ein Zimmer. Wir klopfen an und werden sogleich reingebeten. Eine freundliche, schon sehr alte Frau lächelt uns vom Bett aus entgegen. Auch sie begrüßen wir freundlich und beginnen dann ihr beim anziehen und waschen zu helfen. Dazu begleiten wir sie ins angrenzende Bad. 20 Minuten später sind wir fertig. Wir verabschieden uns von der netten Frau und laufen die Treppe wieder runter. Wir betreten das Wohnzimmer und augenblicklich bleibe ich stehen, sodass Nele in mich reinläuft. Da sitzt sie, sie hat mich noch nicht bemerkt, oder uns. Sie schaut konzentriert auf ein paar Unterlagen und blättert etwas herum. Nele beschwert sich leise bei mir, aber ich höre gar nicht zu, sie zwängt sich an mir vorbei und schaut mich fragend an. Aber ich ignoriere auch dies. Jetzt schaut meine ehemalige Lehrerin endlich auf. Sie schaut sofort zu mir. Unsere Augen treffen aufeinander. Es kommt mir vor wie Stunden, bis sie plötzlich verwirrt schaut. "Leona?" fragt sie und ich nicke nur leicht wie in Trance. "Oh, sie kennen sich?" fragt Nele dazwischen, die zwischen uns hin und herschaut. Da ich nicht antworte, übernimmt die Frau die ich Jahrelang vermisst habe, Namens Simone, das antworten aber nicht ohne den Blickkontakt zu unterbrechen. "Ja, Leona war mal meine Schülerin..." murmelt sie. "Ah ok, gut worum geht es." entgegnet Nele und unterbricht so unseren magischen Moment. Simone schaut noch immer etwas verwirrt zurück auf ihre Unterlagen und scheint zu überlegen, was sie wollte. Etwas entäuscht gehe ich zum Tisch und setze mich neben Nele. Stumm beobachte ich wie die beiden ins Gespräch fallen. Dabei fällt mir auf, wie Simone mich zwischendurch kurz anschaut. Mir wird etwas unwohl dabei. ~wieso schaut sie mich so an?~ "Gut, dann wäre das geklärt." beendet Simone gerade das Gespräch. Schnell stehe ich auf, ich will so schnell wie möglich verschwinden und erstmal wieder klar kommen. Wir verabschieden uns und laufen zurück zum Auto. "Was war den grade mit dir los?" spricht Nele gleich die Situation von eben an. Ich werde leicht rot. "Ehm, also..." stottere ich. "Das ist ne lange Geschichte." versuche ich abzulenken. "Ich habe Zeit." schmunzelt Nele und fährt los. "Du wirst mich für verrückt halten..." versuche ich ihre Neugier zu tilgen aber das schreckt sie nicht ab, also erzähle ich ihr, dass ich mich in meinem 8 Schuljahr in Simone verliebt habe und dass ich obwohl ich sie fast 4 Jahre nicht mehr gesehen habe, immer noch wie am Anfang fühle. Ich erzähle ihr außerdem, da sie gefragt hat, was ich gerade gefühlt habe, als ich sie sah. Sie macht sich mehr oder weniger lustig über mich aber so, dass ich mitlachen kann und das es keinesfalls verletzend rüberkommt. Sie ist eher verständnisvoll und analysiert gemeinsam mit mir, dass Verhalten von Simone, als sie mich sah. Wir reden ne ganze Weile, zwischendurch machen wir die restlichen Patienten und fahren dann zurück ins Büro. "Tja, ich glaube jetzt wirst du sie wohl öfter sehen." schmunzelt Nele und stupst mir spielerisch gegen den Arm. "Ja, ich weiß nicht ob ich jetzt lachen oder weinen soll..." entgegne ich frustriert. "Ach das wird schon." muntert sie mich auf. "Vielleicht wird da ja was zwischen euch." zwinkert sie jetzt und hält vor dem Büro. "Das glaube ich eher weniger, hast du ihren Mann gesehen." sage ich ungläubig. "Woher willst du wissen, dass es ihr Mann war?"
entgegnet sie. Der Punkt geht eindeutig an sie. Das bringt mich zum Nachdenken, während wir das Gebäude betreten und die Treppe hoch zum Büro laufen.
