Fachende

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„Leona, komm mal zu mir, ich brauche dich!" fordert mich meine Lehrerin auf. Nervös stehe ich von meinem Platz auf und laufe unsicher auf sie zu. Mit 1,5 Meter Abstand bleibe ich vor ihr stehen. Sie will dass ich meine Arme ausstrecke, doch ich checke nicht was sie von mir will, weshalb sie einen Schritt auf mich zukommt, meine Arme nimmt und sie zu den Seiten ausstreckt. In diesem Moment scheint plötzlich alles still zu stehen, ich schaue zu ihr herunter und sie zu mir herauf. Der Moment fühlt sich ewig an, da tritt sie schon wieder zurück und fängt an der Klasse zu erklären, was wir beide darstellen sollen. Ich höre ihre Worte, doch kann ihr kein Stück folgen. Voller Bewunderung starre ich sie an, in mir toben die Schmetterlinge und mein Herz pocht wie wild gegen meine Brust. Plötzlich treffen ihre Augen wieder auf meine und für einen winzigen Moment, denke ich eine hauchzarte Verfärbung ihrer Wangen gesehen zu haben und ein ganz leichtes Lächeln bevor sie ihre Augen wieder auf die Klasse legt. Irgendwann bittet sie mich wieder, mich zu setzen und bedankt sich bei mir. Von einem Ohr zum anderen lächelnd, setze ich mich zurück an meinen Platz, während sie gerade sagt:"Leona und ich sind wichtig, wir beide sind wichtig, merkt euch das!" Mein Herz springt mir fast aus der Brust und meine Wangen färben sich leicht rosa. Schnell setze ich mich und versuche mich wieder zu beruhigen. ~ich darf nicht zu auffällig sein, sonst weiß bald jeder, dass ich auf unsere Lehrerin stehe~ schimpfe ich über mich selbst. Es klingelt zum Stunden Ende. Doch nur ganz schwach nehme ich das klingeln war. Plötzlich legt sich eine Hand auf meine Schulter. Erschrocken zucke ich zusammen und schaue hinter mich. Augenblicklich werde ich knallrot. Sie steht hinter mir und lächelt mich warm an. Jetzt lässt sie meine Schulter los und lehnt sich an den Tisch hinter sich. Dabei lässt sie mich nicht aus den Augen. Unbeholfen lächle ich zurück und will mich schon beschämt von ihr wegdrehen, als sie meinen Namen sagt:"Leona..., wir sind allein." flüstert sie noch zum Ende hin. Ich erstarre in meiner Bewegung, leicht fange ich an zu schwitzen. „Leona, ist alles ok?" fragt sie jetzt besorgt und kniet sich vor mich. „J..ja" stottere ich und halte ihrem Blick stand. Eine Weile schweigen wir. „Meinten Sie das vorhin ernst?" kommt es mir leise über die Lippen. „ Was genau?" fragt sie sanft zurück. „Dass Sie uns nur noch 4 Wochen unterrichten und dann nie wieder?" frage ich leise. Sie scheint zu überlegen, was sie antworten soll, dann nickt sie nur. Traurig drehe ich mich endgültig weg. „Leona, wenn was ist, kannst du immer mit mir reden, ja?" meint sie jetzt neben mir. Überrascht schaue ich sie wieder an und nicke dann. Sie lächelt noch einmal, dann geht sie aus dem Raum um selbst noch die Pause zu nutzen.

Die Tage vergehen relativ schnell und ehe ich mich versehe, ist auch schon der letzte Tag. Der letzte Tag an dem wir Unterricht mit *Ihr* haben oder eigentlich eine mündliche Klausur. Ich habe mich wochenlang darauf vorbereitet, doch nun stehe ich zitternd vor dem Klassenraum in dem *Sie* auf mich wartet. Tief atme ich ein und aus und betrete dann den Raum, nachdem ich angeklopft habe und ein herein ertönte. Lächelnd sitzt sie vorne am Pult und winkt mich nun zu sich herüber. Zögernd laufe ich durch die Tischreihen und setze mich an den Tisch auf den sie deutet, direkt gegenüber von ihr. Nervös schaue ich sie an. Sie lächelt nur und sofort fühle ich mich besser. „Bereit?" fragt sie sanft. Ich nicke. Schon fängt sie an mir verschiedenste Frage zu den Krankheiten, die wir in den letzten Unterrichtsstunden durchgenommen hatten, zu stellen. Ich kann zu jeder Frage etwas sagen, doch bin mir unsicher, dass was ich gesagt habe auch richtig war. Während ich antworte, notiert sie sich immer wieder etwas. Am Ende lächelt sie mich stolz an. „Super Leona, du hast dir wirklich Mühe gegeben. Eine Eins, alles richtig." meint sie lächelnd und trägt irgendwas auf einen Zettel ein. Ein Stein fällt mir vom Herzen und ein Kribbeln macht sich mal wieder in meinem Bauch breit. Ich spüre wie ich langsam wieder erröte. „Da..danke." stammle ich unbeholfen und stehe schnell auf um zu gehen. Doch plötzlich hält sie meine Hand fest als ich an der Tür ankomme. Verwundert drehe ich mich zu ihr um. Jetzt steht sie etwas unsicher vor mir und lächelt mich schief an. „Leona, es tut mir leid, dass ich euch nicht weiter unterrichten kann..." sagt sie leise. „Dafür können Sie nichts, das Thema ist einfach vorbei, was sollen Sie uns denn noch beibringen." antworte ich so gefasst wie mir in diesem Moment möglich ist. „Ja..." nickt sie und schaut etwas verloren an mir vorbei. „Ist schon ok..." flüstere ich. Erschrocken schaut sie mich an. „Hast du irgendwas gesagt?" fragt sie mich. „Nein..." meine ich und drehe mich wieder zum gehen, doch wieder hält die Frau meiner Träume meine Hand fest und hindert mich daran, weiter zu gehen. „Geh noch nicht... ich muss dir was sagen..." meint sie jetzt leise und wieder unsicher. „Ja?" frage ich ebenso leise und drehe mich wieder zu ihr. „Ich habe auf diesen Tag so lange gewartet..., ich liebe dich Leona!" kommt es nun selbstbewusst von meiner Lehrerin. Verblüfft starre ich sie an. „Was? Können Sie das nochmal wiederholen?" frage ich wie von einem anderen Planeten. „Ich liebe dich." meint sie wieder genauso selbstbewusst wie beim ersten mal. Erst jetzt kommt die Nachricht wirklich bei mir an. Doch mein Körper reagiert gleichzeitig darauf, weshalb mein Herzschlag plötzlich rast, mir die Hitze in den Kopf steigt, meine Hände zittern und mein Bauch anfängt zu kribbeln. Für einen kurzen Moment setzt mein Körper aus, das war zu viel auf einmal. Als ich meine Augen wieder öffne, lehne ich an der Wand und *Sie* stützt mich. „Alles ok?" fragt sie besorgt. Ihr ganzer Köper drückt gegen meinen und eigentlich macht es die Situation grad nicht besser aber es fühlt sich absolut richtig an. Meine Augen wandern zu ihren Lippen, die nur ein paar Zentimeter von meinen entfernt sind und dann in ihre Augen. In ihren Augen blitzt etwas auf, dann liegen auf einmal ihre Lippen auf meinen. Ein Feuerwerk explodiert in mir und ein Kribbeln breitet sich von meinen Lippen über meinen ganzen Körper aus. Ihre Lippen bewegen sich sanft und gleichmäßig gegen meine. Gierig und voller Sehnsucht nach mehr bewege ich meine mit ihr. Meine Hände lege ich um ihre Hüfte und presse sie noch ein wenig enger an mich heran. Ein Laut entweicht ihren Lippen, dabei öffnet sich ihr Mund ein wenig, was ich nutze um meine Zunge zwischen ihre Lippen zu pressen und ihren Mund zu erkunden. Schnell entwickelt sich ein wilder Zungenkampf, bis es an der Tür klopft. Erschrocken gehen wir auseinander. „Du musst gehen, der nächste Schüler ist dran." meint meine Lehrerin aufgeregt. Ich nicke nur und mache mich auf den Weg, da hält sie mich wieder auf und drückt mir einen kleinen Zettel in die Hand. Dann lässt sie mich gehen. Vor der Türe steht eine Mitschülerin von mir, nervös und aufgeregt fragt sie, was so lange bei mir gedauert hat, doch ich lächle nur und meine:"Nichts." und gehe zu unserem Klassenraum zurück.

One shotsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt