"Nein, wenn man transponiert, muss man zuerst die Tonleitern aufschreiben." Versuche ich es, zum gefühlten tausendsten Mal, zu erklären.
"Aber das ist total dämlich!" Ruft Zack aus, der sich mit einem lauten seufzen auf mein Bett schmeißt.
"Ernsthaft jetzt? Ich hab dir schon zehn Mal erklärt, dass es ohne diese blöden Tonleitern nicht machbar ist." Ich versuche ruhig zu bleiben. "Mach einfach die Tonleitern, dann schaffst du das am Freitag schon, den rest beherrscht du einwandfrei." Angestrengt reibe ich meine Stirn.
"Tut es weh?" Fragt er mich plötzlich.
"Nein, eigentlich nicht." Antworte ich etwas zu langsam.
"Lüg mich nicht an, Lu." Sagt er scharf. "Was ist wirklich passiert? Du bist nicht so tollpatschig, dass du einfach die Stiege runter knallst." Seine Stimme ist nun sanft.
"Ich bin über meine Beine gestolpert." Sage ich nur, wild entschlossen an meiner Story festzuhalten.
Durch das klingeln meines Telefones werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Cass *-* scheint auf dem Display auf.
"Hey, Cass." Begrüße ich sie.
"Hey Lu. Elena hat mich gebeten dich zu fragen, ob du für das BOTC unsere Jahrgangsperformance machst."
"Was ist ein BOTC?" Frage ich sie leicht verwirrt. Sie zieht schockiert die Luft ein und Bennets Augen wandern zu dem Telefon.
"BOTC steht für 'Battle Of The Classes'" erklärt sie mir "und da mach jede Jahrgangsstufe eine Choreographie und danach entscheidet die Jury wer gewonnen hat. Und Elena wollte wissen, ob du das für unsere Stufe übernimmst?" Elena ist die Schülersprecherin der Shell Ridge High.
"Klar, kann ich schon machen, aber nur wenn du mir hilfst." Sage ich nach kurzem Überlegen. Ein hohes quitschen ist am anderen Ende der Leitung zu hören.
"Yaiy! Ich sag ihr sofort bescheid!" Damit legt sie einfach auf. Etwas überrumpelt sehe ich auf das iPhone, in meiner Hand.
"Da hast du dir was angefangen." Meldet sich Bennet neben mir.
Fragen mustere ich ihn.
"Es war letztes Jahr ein desaster, deswegen musst du erst jemanden finden der mitmacht." Mein Gesichtsausdruck dürfte immer noch meine Verwirrtheit spiegeln.
"Elizabeth hat es in den Sand gesetzt." Sagt er nur kurz.
"Wieso kenne ich sie nicht?" Frage ich etwas verwirrt.
"Elizabeth hat die Schule gewechselt, als sie herausgefunden hat, dass jemand der gerade erst hergezogen ist, ihren Posten übernommem hat." Sagt er, wobei er mich, mit einem komischen Ausdruck in seinen Augen, ansieht.
"Ohhh..." mache ich nur. Plötzlich fällt mir auf, dass ich mich normal mit ihm unterhalte, ohne mit ihm zu streiten und ohne dumme Kommentare.
"Hey Zack." Sage ich und grinse ihn an.
"Ja?" Sagt er, er scheint etwas verwirrt, so als hätte ich ihn aus den Gedanken gerissen.
"Wieso können wir keine solchen Gespräche führen, wenn jemand dabei ist?"
Einen Moment scheint er nachzudenken. "Ich weiß nicht, es macht mir zu schaffen, wie leicht dir alles fällt. Du verstehst dich Prima mit den Cheerleadern, unter Elizabeth haben sie nicht mal annähernd solche Leistungen erbracht, du kommst gut mit den Footballern klar, Max, die anderen Captains generell, verehren dich und vor allem aber beneide ich, wie leicht es dir fällt so stark zu sein. Lauren, ich weiß von deinem Vater und wie er mit dir umgeht, aber du willst es keinem erzählen, da du Angst hast, dass du alleine dastehst und jemanden damit nerven könntest. Du wirst nicht alleine sein und es ist sicher keiner genervt von dir." Ich sehe ihn eine Weile einfach an, unfähig etwas zu sagen.
"Du irrst dich. Es ist nicht leicht stark zu sein." Sage ich, bevor mir Tränen in die Augen steigen. "Es ist schwer. Jeden Tag aufzustehen und so zu tun, als wäre die Welt in Ordnung, ist die schweste Sache die ich bis jetzt machen musste." Ich springe auf und laufe die Treppe hinunter. Schnell öffne ich die Tür, bevor ich meinem Vater begegne, und laufe zu einem nahe gelegenen Park.
Die Nachmittagssonne brennt so vom Himmel, dass ich mich schließlich unter einem Baum fallen lasse, in der Hoffnung einfach mal in ruhe nachdenken zu können.
Da es gerade mal früher Nachmittag ist, sind erst wenige Kinder am Spielplatz, der mitten im Park liegt. Nur vereinzelt spazieren Menschen vorbei, die mich nicht sonderlich beachten. Die Stille die mich umgiebt wird plötzlich von meinem Klingelton durchbrochen.
Ich sehe, dass Zack anruft, doch ich gehe nicht ran. Ich will alleine sein. Wenig später ruft Evan an und so geht es lange Zeit weiter, doch ich ignoriere es. Erst als sie anfangen mir Nachrichten zu schreiben, in denen sie mehr als verzweifelt wirken, schreibe ich kurz zurück, dass es mir gut geht. Doch mehr auch nicht.
Langsam beginnt sich die Dämmerung über den Park zu legen, die Zeit ist so schnell verflossen, dass ich selber verwundert bin, wie lange ich doch hier gessesen habe.
Ich mache mich auf den Weg zurück zu unserem Haus, als mein Handy klingelt.
Cass *-* ruft an
Schnell gehe ich ran, doch was sie mir sagt, übertrifft meine Vorstellungskraft.
"Lu! Erklär mir sofort, warum fünf total aufgelöste Footballer auf meiner Couch sitzen, die dich wie irre suchen."
"Was?"
"Ja, sie sagen, du bist ausgetickt und abgehauen! Mädel! Ich hab mir Sorgen gemacht!" Ruft sie, doch ich kann die Erleichterung hören. Nun bin ich an der Haustüre angelangt.
"Ich muss los, Cass. Love ya!" Sage ich bevor ich einfach auflege. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, aber manchmal muss man Dinge alleine regeln können. Mit einem tiefen seufzer öffne ich die Tür und trete ein.
"Lauren." Höre ich die schwummrige Stimme meines Vaters aus der Küche. Genervt gehe ich zu ihm, doch was ich sehe lässt mich stoppen. Er sitzt mit einer fast leeren Flasche Vodka am Esstisch.
"Lauren." Sagt er nocheinmal während er auf mich Zugestolpert kommt. Müde gehe ich einige Schritte zurück.
"Weißt du, mir ist eingefallen, was für eine Enttäuschung du für diese Familie bist, zu nichts zu gebrauchen, und wie gut sich Evan schlägt, findest du nicht auch?" Mit diesen Worten macht er einen großen Satz nach vorne und schlägt mir mit der flachen Hand ins Gesicht.
"Antworte mir gefälligst!" Schreit er mich an, doch ich bleibe still. Mit einem schnellen, rechten Haken schlägt er mir in den Bauch, sodass ich mich stöhnend vorne über beuge. Schnell versuche ich zu laufen, doch er packt meine Handgelenke und drückt fest zusammen. Und ich dachte, dass Collins damals fest zusammengedrückt hat, gegen den Griff meines Vaters war Collins fast eine Umarmung. Mit einer schnellen Bewegung, die ich einem betrunkenen kaum zugetraut hätte, dreht er mich wieder um und verpasst mir gleich noch eine schallende Ohrfeige, die mich zu Boden reißt. Ich spüre seinen Fuß, als er in meinen Rücken tritt.
Schnell springe ich auf und laufe, die Schmerzen ignorierend, einfach los. Ich stürze zur Tür hinaus, biege in irgendeine Richtung ein und laufe, so schnell ich kann, ich laufe und laufe und laufe.
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Like Any Other Bad Boy Story?
Teen FictionLauren und ihr Bruder, Evan, müssen wegen einem Unfall, bei dem ihre Mutter gestorben ist, in die Kleinstadt Shell Ridge ziehen. Die Leute, die Lauren dort kennenlernt, passen in vielen Hinsichten genau zu ihrem Lebensstil. Nur einer scheint sie zu...
