Jahr 350 nach dem Götterkrieg, Spätherbst
Fort Carraig an Iarainn, Kaiserreich
Dafür, dass er gesagt hatte, dass er ihnen keine weiteren Fragen stellen würde, stellte der Apothekarius erstaunlich viele Fragen. Wie sie zu ihrer Verletzung gekommen war. Der Grund für den Zustand ihrer Uniform– sie beide hatten nicht mehr recht viel mehr als die Hälfte davon am Leib, der Rest waren Sachen, mit denen ihnen der nun tote Müller und Odhrán ausgeholfen hatten. Wie es dazu kam, dass ein halbes Dorf vor seiner Haustür untergebracht war. Sara beantwortete sie alle. Wenn sie auch an manchen Stellen entscheidende Details ausließ. Áed korrigierte sie nicht. Schweigend trank er sein warmes Bier. Er hätte sich hier in der Hütte des Apothekarius zuhause gefühlt. Gemütlich dicht gedrängt mit Möbeln, der kleine Kamin, die Kräuter; das alles erinnerte ihn an das Haus seiner Eltern oben in Bernin.
"Mir ist durchaus bewusst, dass das eine sehr persönliche Frage ist und Ihr habt mir so schon mehr beantwortet als ich von Euch verlangen könnte, doch–" Casidhe überlegte. Áed wurde hellhörig und ihm gefiel nicht, wo diese Unterhaltung hin führte. "Ich weiß, dass die Antwort möglicherweise gefährlich ist und Ihr sie daher lieber für Euch behalten wollt. Ihr müsst mir nicht antworten." Der Apothekarius sah hinunter auf den Tisch, dann wieder direkt zu Sara. "Ich muss es wissen: Seid Ihr empfindsam für die Netze der Magie?"
Áed gefiel nicht, dass er es ausgesprochen hatte. Die Frage war in der Tat gefährlich. Zu gefährlich. Ohne den Blick von Casidhe zu nehmen, griff er nach dem Dolch an seinem Gürtel, um dann festzustellen, dass dort keiner war. Er fluchte innerlich. Nicht, dass er Sara besonders gut leiden konnte und in ihrer gemeinsamen Zeit in Cruidín war sie ihm mit ihrer strikt-nach-Vorschrift-Art ordentlich auf die Nerven gegangen, doch die Inquisition würde sie nicht bekommen.
Sara antwortete Casidhe nicht.
"Ich verspreche Euch, dass Ihr in diesem Haus frei sprechen könnt", versuchte er es weiter.
Sara hatte ihre Tasse auf den Tisch gestellt und starrte ihn an. Sie überlegte. Áed konnte es ihr ansehen. Der gleiche Blick vor jeder schwierigen Entscheidung. Der dritte Zug hatte geduldig gewartet, bis sie sie gefällt hatte und folgte ihr ohne Widerrede. Jetzt wartete er, bereit zu tun, was nötig war.
So wohl er sich in dieser kleinen Hütte gefühlt hatte, so war sie ihm jetzt Feind. Ein Hinterhalt aus Stein und Holz und falschen Worten. Die Luft erfüllt mit diesem fast greifbaren Ding aus Vorahnung und Grauen, dem nur Vertrauen in die Heiligen Einhalt gebieten konnte. Es hatte die Form von sein Leben oder das unsere und besser Flucht als Ketten und der Tod.
Sara lachte bitter. "Was, wenn ich es abstreite?" Ihre Stimme wie das knacken von Eis, bevor es brach und das Dunkel darunter einen verschlang. Eine Warnung. Die letzten Tage hatten ihr zugesetzt und wenn die Risse endlich nachgeben würden, wäre es vorbei.
Casidhe hob abwehrend die Hände. "Ich arbeite nicht für Ausaláin. Und ich will nichts mit der Inquisition zu tun haben, falls Ihr das meint. Ich habe Euer Bein gesehen; die Wunde ist zu gut verheilt. Wie gesagt, ich wollte eigentlich nicht fragen– Sollte eigentlich nicht fragen. Aber es erscheint mir zu wichtig. Seid ihr dem Wasser geneigt?"
Eine vollkommen absurde Frage. Áed wartete nur auf Saras Zeichen, dann würde er das alles beenden.
Sara fuhr mit einem Finger den Rand ihrer Tasse entlang und beobachtete den Tee. "Eine Freundin von mir war es..." Was sollte das? Nein! Sie konnte es ihm nicht verraten. Sie sah zu Áed auf. "War." Sie meinte Éanna. "Meine Begabung liegt anders." Der Tee begann zu kochen. Es roch verbrannt. Dünne Rauchfäden stiegen auf, wo die Tasse den Tisch berührte.
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Necrosis (Weltentod I) [Deutsch]
خيالDie Welt liegt im Sterben. Die Bäume verdorren, der Boden wird unfruchtbar und die Toten weigern sich, tot zu bleiben. Wie eine Krankheit breitet es sich vom Westen her aus. Aus dem Eisenwald heraus und über die zentralen Ebenen und die Flusslande. ...
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