XIII - Eine schreckliche Blume

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Jahr 350 nach dem Götterkrieg, Spätherbst

Flusslande


Sie ritten am Ende des Trosses, der sich vor ihnen wie ein Lichtstreif weit in die Nacht erstreckte. Viele hatten sich ihnen angeschlossen, viele hatten es nicht getan. Niemand hatte sie gezwungen. Sie hatten immer dort auf dem Hügel gelebt, Generation um Generation um Generation, und sie würden dort bleiben. Es war ihre Heimat. Vielleicht würden sie Glück haben. Viel Hoffnung dafür fand Áed in seinem Herzen nicht. Wie durch das Schwarzmeer wälzte sich Caoránach durch die Nacht, mit Schuppen aus Fackeln und Flossen aus Wagenrädern und Hufen. Doch anders als Caoránach war ihr Zug ein schwächliches Ding für seine Größe. Viele der Leute gingen zu Fuß, auch viele Alte und so kamen sie nur gemächlich voran. Zweien hatte Odhrán angeboten, auf seinem Karren mitzufahren. Sie saßen hinten bei den Vorräten, die sie hatten retten können. Íobhar und Muirinn. Sie unterhielten sich nicht viel und versuchten mit eisernem Willen, wach zu bleiben. Zofia saß vorne auf dem Bock bei Odhrán; und Caelan und Peadar mussten gehen. Besonders Peadar hatte sich über diesen Umstand beschwert.

Áed fühlte sich auf der Straße hilflos ausgeliefert; es zerrte an seinen Nerven. Es gab für ihn nichts, das er tun konnte, außer mit diesen Leuten Richtung Osten zu ziehen, nichts, das er hätte tun können, um einen Angriff zu verhindern oder auch nur erahnen, wann der nächste kommen würde. Also ritt er neben Sara am Ende des Zuges. Die letzten Tage waren zu viel und wenn er anfing, zu sehr darüber zu grübeln, würden seine Nerven reißen, fürchtete er. "Sara?"

"Ja?" Sie starrte weiterhin geradeaus in die Nacht.

"Das Buch - das aus Dunvegen - Welche Bedeutung hat es?" Die Frage hatte ihn schon länger beschäftigt und endlich traute er sich auch, sie auszusprechen. Saras Zustand hatte sich trotz der Strapazen stetig und mit großen Schritten verbessert, auch wenn sie noch immer blass war.

"Es war Éannas Kodex. Jetzt ist es meiner", antwortete sie kurz und schien nicht weiter darauf eingehen zu wollen. "War sie auch eine Magierin?", versuchte Áed es dennoch.

Jetzt sah sie zu ihm hinüber. Sie sah erschöpft aus. "Ja. Wir haben zusammen gelernt, damals im Kloster– In einem früheren Leben. Sie hatte ein paar Jahre Vorsprung. Sie hat mich damals hier gefunden, als sie das erste Mal hier eingesetzt wurde. Das war das erste Mal, dass ich meine Heimat verlassen habe. Am Ende wurde sie wieder nach Dunvegen versetzt und ich bin zum Heer."

"Ich dachte, es gibt keine Akademien oder Kloster mehr. Nicht seit... Naja. Nicht seit dem Götterkrieg." Es gab also doch noch Magier. Trotz der Bemühungen des Kaiserreiches und der Zwerge im Westen. Und selbst die Haphas im Osten strebte zumindest eine Kontrolle seiner Magier an. "Und was ist mir der–"

"Mit der Inquisition? Es ist einfach: So weit es den Kaiser, das Heer oder die Inquisition betrifft - oder irgendjemanden sonst innerhalb dieser Grenzen - gibt es keine Akademien und Kloster. Und wenn es keine Akademien und Kloster gibt, kann auch niemand nach ihnen suchen." Sie atmete tief ein, hielt ihren Atem und blies dann eine kleine Wolke in den Nachthimmel. "Natürlich gibt es keine Akademien mehr. Wir wurden heimlich unterrichtet. Die wenigen von uns, die es noch gibt, leben im Untergrund. Verschiedene Lehrer, verschiedene Orte. Ich bin oft gereist." Etwas leiser: "Ich vermisse es." Áed meinte, auf ihren Lippen ein bitteres Lächeln zu sehen. Vielleicht täuschten ihn die Schatten auch. "Aber eine Geschichte für eine Geschichte. Also: Was ist deine?", fragte Sara.

Das er schien Áed nur gerecht.

"Weitaus weniger spannend. Wir hatten ein kleines Haus vor Hara, oben im Norden. Mein Vater was Köhler. Und was macht ein Sohn, wenn er dem Beruf seines Vaters nicht folgen will? Er zieht in die Welt und versucht, sich irgendwie anders durchzuschlagen. Bis er dann am eigenen Leib erfahren muss, dass das so nicht funktioniert und er irgendwo angespült wird... Oder ins Heer eintritt."

Necrosis (Weltentod I) [Deutsch]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt