,,Heute mal nicht bei deinem Lover?'' kam es plötzlich von Nick, während wir auf dem Schulgelände standen und er sich sein Baguette wie immer hereinzog. Er schien irgendwie ein wenig beleidigt.
,,Was meinst du?'' fragte ich ihn, obwohl ich ganz genau wusste, was oder wen er meinte.
,,Weißt du doch'' sagte er und biss erneut in sein Baguette. Ich antwortete ihm nicht mehr darauf, doch er wollte das Thema wohl nicht aufgeben.
,,Seid ihr jetzt Freunde oder so?'' fragte er.
,,Keine Ahnung'' murmelte ich, da ich wirklich nicht wusste, was wir waren.
Ich würde schon mehr oder weniger schätzen, dass wir so etwas wie Freunde waren, doch letztens...da war irgendetwas zwischen uns und das hatte er auch bemerkt, weshalb er wohl so schnell abgehauen war.
Seit ich aber gesehen hatte, wo er lebte und was er tat, wusste ich nicht mehr, wie ich denken sollte. Natürlich wollte ich ihm daraus helfen, doch wie sollte ich das anstellen?
,,Bist du sauer?'' entfuhr es mir Gedanken versunken.
,,Huh?'' machte er und starrte mich von der Seite an.
,,Weshalb?'' fragte er.
,,Weil ich mit ihm Kontakt aufbaue'' antwortete ich und schaute ihn ebenfalls an.
,,Nein, das ist deine Entscheidung. Damit habe ich nichts zu tun. Nur bringt es dir nichts, denn früher oder später wird er dich von sich stoßen'' fing er an.
,,Genauso wie mich...'' hörte ich ihn leise murmeln. Ihn musste das wirklich getroffen haben und ich dachte die ganze Zeit, dass er ihn hassen würde oder so, dabei war er wohl einfach nur verletzt.
,,Habt ihr euch denn je versucht mal auszusprechen?'' fragte ich ihn.
,,Nein und selbst wenn würde es wie gesagt nichts bringen'' entgegnete er.
,,Warum denkst du das?'' fragte ich.
,,Weil Clay sich ändern würde, er würde nach wie vor alles verheimlichen'' Er klang ernst und enttäuscht.
Er hatte nicht ganz unrecht. Clay verheimlichte wirklich viel, doch wie ihn nun mit eigenen Augen gesehen hatte, zu Recht.
Wenn es mir schon schwerfiel ihm danach in die Augen zu schauen, wie würde sich Nick dann ihm gegenüber verhalten?
Ich vermutete, dass dies einer von vielen Gründen war, wieso er niemanden etwas erzählte. Er wollte niemanden in Gefahr bringen oder angeschaut werden als wäre er ein Monster.
Er war auch kein Monster. Er war einfach nur jemand, der sich in einer Notlage befand und dringend Hilfe brauchte.
Es zerriss mir das Herz zu wissen, wohin er sich jedes Mal nach der Schule hinbegeben musste. Bei dem Gedanken fiel mir ein, dass auch ich nun jedes Mal dorthin musste.
Nachdem ich meinen Blick vom Boden aufgerichtet und gerade aus geschaut hatte, traf er volle Kanne auf Clay, der mich bereits angeschaut hatte.
Ich hatte mich heute nicht ein einziges Mal zu ihm begeben, dabei nervte ich ihn so gut wie den ganzen Tag. Ich musste das alles einfach erst einmal verarbeiten.
,,Hast du denn je einmal darüber nachgedacht, dass seine Gründe, wieso er nichts sagt, berechtigt sind?''
,,Huh?'' kam es erneut von Nick, der daraufhin nur mit den Schultern zuckte.
,,Ich bin - ich war sein bester Freund, sein Bruder. Er hätte mir selbst sein Leben anvertrauen können, doch er hat mir wohl nie wirklich vertraut'' sagte er.
,,Das stimmt nicht. Ich bin mir sicher, dass er dir mehr als nur vertraut, dich aber schützen will...'' entfuhr es mir.
Er schaute mich etwas irritiert an.
,,Wovor beschützen?'' fragte er.
,,Weißt du etwas, das ich nicht weiß?'' Skeptisch musterte er mich.
,,Nein, ich meine nur'' antwortete ich.
Viele verstanden womöglich nicht, wieso Clay so war, wie er - selbst sein bester Freund. Ich verstand es, mehr als Clay es gerade annehmen könnte. Ich war ihm vermutlich näher, als jemals jemand zuvor - ohne dass er es wirklich wusste.
Was auch immer mich bei den Mayfairs erwartete, ich war bereit. Natürlich schüchterte mich dieser Ort, diese Leute ein, doch ich hatte Clay an meiner Seite und fühlte mich somit ein Stückchen sicherer. Auch wenn er nicht wusste, dass ich es war.
Habt ihr für Nick eigentlich Verständnis? :]
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Mayfairs
FanfictionIn der Highschool ist man nicht mehr, als irgendein Teenager, der angeblich noch keine Ahnung davon hat, wie die Welt da draußen tickt. Clay weiß es. Besser als alle, die sich im selben Alter befinden, denn da er Waise ist und keine andere Wahl hat...
