Oikawa, Toru:
Den ganzen Heimweg hatte er sich den Kopf über Hajimes Worte zerbrochen: „Ruf ihn an, wir sehen uns morgen." Was sollte er bloß tun? Sollte er wirklich diesen Typen anrufen? Oder wollte er das Schicksal entscheiden lassen?
Er war nervös, seine Hände schwitzten. Sein Herz schlug viel zu schnell. Das Handy in seiner Tasche fühlte sich zentnerschwer an. „Ruf ihn an." War leichter gesagt als getan. Auch wenn er Iwa alles erzählt hatte, glaubte er nicht, dass sein bester und vermutlich einziger Freund es auch wirklich begriff, was es für ihn bedeutete. Wenn er jetzt anrufen würde, würden dieser Fremde und er sicherlich im Bett landen und nach seinem ersten und sicherlich einzigen Mal mit einem Mann, würden sich ihre Wege trennen.
Etwas zerbrach in Toru bei diesem Gedanken. Vorsichtig blickte er auf, als er feststellte, dass er bereits vor der eigenen Haustüre stand. So leise wie möglich schloss er auf, begab sich zunächst kurz in die Küche, um eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank zu holen und verschwand mit samt der Flasche in sein Zimmer. Seine Mutter war im Garten und sein Vater würde recht spät erst nach Hause kommen. Beiden wollte er wie immer nicht begegnen. Außer seinem Neffen Takeru konnte ihn sowieso niemand aus der Familie leiden.
Er war schließlich nur ein Schandfleck. Doch Sato-San sah etwas in ihm, was er selbst nie für möglich gehalten hatte. Er hatte das Verlangen in dessen Augen gesehen, dass ganz alleine auf ihn, Toru Oikawa gerichtet war. Auch wenn dieses Verlangen sicherlich nur an seinem Äußeren lag, gab es ihm das Gefühl, zumindest für kurze Zeit begehrenswert und gewollt zu sein.
Dieses Gefühl hatte er auch bei seinen Fans und wenn er Volleyball spielte, doch es war noch nie so intensiv gewesen. Vielleicht hatte er ja Angst, dieses Gefühl zu verlieren, wenn er Sato-San an sich ranließ. Verzweifelt zog er die Decke über seinen Kopf. Das Handydisplay leuchtete greller als gewöhnlich, mit zitternden Fingern versuchte er das Menü zu öffnen und verfluchte sich innerlich, dass seine Hände nicht ruhiger waren. Für einen Setter war es alles andere als vorteilhaft, wenn die Nerven sich auf die Hände übertrugen. In einem Match konnte es entscheidende Punkte kosten. Er kniff die Augen angestrengt zusammen, versuchte seine Atmung herunterzuschrauben. Ein Bild von Sato-Sans Gestalt formte sich vor seinem geistigen Auge. Wie er süffisant lächelte und auf ihn hinabblickte, nach dieser verfluchten Finte.
Er hatte Toru als Zuspieler gedemütigt und nun spannte sich sein Kiefer wieder an. Entschlossen wählte er die Rufnummer, zog sich die Decke vom Kopf und setzte sich aufrecht hin. Er würde nicht zulassen, dass ein so arrogantes Arsch***ihn, einen Oikawa einschüchterte. Es läutete, dann erklang eine ihm bekannte Stimme aus dem Apparat.
„Seiji Sato am Apparat." Verschreckt ließ Toru das Handy fallen. Seine Kehle schnürte sich zu. Seine Stimme war weg. „Hallo? Ist da jemand?" Erklang es nun viel zu laut in Torus Ohren, obwohl das Handy auf seinem Bett eine Handbreit entfernt von ihm lag. Panisch griff er das daliegende Handy, drückte wie wild auf die Tasten, damit es verstummte. Er hatte vergessen wie man auflegt, doch gerade als „Oika.." Aus dem Hörer erklang, hatte er die richtige Taste gedrückt.
Schockiert und erleichtert lehnte er sich an die Wand und schloss die Augen. Tief ein und ausatmend versuchte er sein rasendes Herz zu beruhigen. Es vibrierte in seiner Hand. Ohne nachzudenken, hob er sein Handy hoch und öffnete die gerade eingegangene Nachricht. 7 Tage! Mehr stand in der Nachricht nicht. Er runzelte die Stirn beträchtlich. Ein Blick auf dem Absender jedoch ließ ihn erstarren. Kurz danach flog sein Handy quer durch das Zimmer, als es erneut vibrierte und es derselbe Absender wie zuvor war.
Hektisch fuhr sich Toru immer wieder durch sein Haar, krallte sich ab und an hinein und starrte in die Ecke, in wo er das Handy vermutete. Da es bereits dunkel war, konnte er es nicht genau erkennen. In seinen Ohren rauschte es. Sein Körper klebte vor Schweiß. Er hatte das Gefühl, einen Herzinfarkt zu bekommen. Was hatte er sich bloß gedacht, ohne Rufnummer Unterdrückung anzurufen?
Doch sein jetziges Verhalten war sogar noch schlimmer. Er hatte kein Wort rausgebracht, hatte panisch aufgelegt und nun beantwortete er die Nachrichten nicht. Warum? Er hatte doch angerufen, weil er es so wollte, oder? Aber eigentlich wusste er ja gar nicht, was er wollte. Er wollte von seinen Eltern respektiert und gemocht werden, er wollte gesellschaftsfähig sein und er wollte Zuneigung spüren. Er wollte begehrt werden und wirklich geliebt.
Doch genau das alles widersprach sich in seinem Leben. Wenn er von seinen Eltern akzeptiert und gemocht werden wollte, durfte er nicht gegen ihre Erziehung handeln und einen Mann an sich ran zulassen gehörte eindeutig dazu. Um in die Gesellschaft aufgenommen zu werden, durfte er ebenfalls nicht gegen den Strom schwimmen. Homosexualität war also tabu. Und doch fühlte er sich von einem Mann angezogen und wollte von ihm gemocht werden. Es schmeichelte ihm, gewollt und begehrt zu werden von Herrn Sato.
Und die Tatsache, dass er Volleyball gespielt hatte und sich mehr oder weniger für Torus größte Leidenschaft interessierte, weckte Hoffnungen auf Gemeinsamkeiten in ihm. Vielleicht konnte es mehr als nur eine einmalige Sache sein. Vielleicht würde Sato-San ihn danach immer noch so ansehen.
Vorsichtig kletterte er aus seinem Bett und schlich sich zu der Ecke, in der sein Handy vermutete. Sachte und um sichtlich tastete er nach dem Gerät, als würde jede Erschütterung die Nachrichten oder die Telefonnummer löschen. Als er das kühle Plastik mit seinen Fingern ertastete, zögerte er noch einen Augenblick, bevor er es zu sich heranzog und auch die zweite Nachricht las.
Gib mir 7 Tage und dann werde ich mich nie wieder bei dir melden, wenn du es so willst.
Wieder ein Stich in seiner Brust und sein Arm mit dem Handy wurde schwer. Es lief also doch nur auf das eine hinaus. Und bereits nach Tag eins würde er schon genug von ihm haben. Mit leicht glasigem Blick tippte er seine Antwort, die recht kurz ausfiel.
Nur diesen Freitag bis Sonntag mehr nicht!
Danach schaltete er das Handy aus, legte sich wieder in sein Bett und starrte an die Decke. Zu mehr als das eine würde er nie gut genug sein!
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Haikyuu FF -Kann es wirklich Liebe sein?-
FantasyVorab: Diese Geschichte ist nicht Jugendfrei. Es ist keine Sugawara X Oikawa Story. Es ist eine Oikawa X Man OC und Sugawara am Rande X Girl OC Story. Zwei Charaktere, zwei Geschichten. Seiji Sato hat dem Volleyball schon vor langer Zeit den Rücken...
