2. Im Dunkeln

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Als Alex und Michael beim Ortungsort von Gerrits Handy ankamen sahen sie zuerst nichts außer lauter Bäumen. „Puh ich dachte das wäre nur ein Wäldchen, das sieht aber ja doch mehr nach einem Wald aus!“, stöhnte Michael leise. Alex‘ Herz zog sich angstvoll zusammen und sie kommentierte Michaels Aussage nicht, sondern stieg aus dem Auto und sah sich um. Es war nichts zu sehen, kein Haus, kein Auto, gar nichts außer Bäumen. Sie und Michael begannen alles abzusuchen, doch wo anfangen?  Da klingelte Michaels Handy. „Robert, was gibt’s?“, fragte der älteste Kommissar, während Alex schon einmal die Gegend genauer betrachtete. Hier war wirklich nichts außer Wald. Vorsichtig lief Alex am Rand des Gebüsches entlang, während Michael telefonierend hinter dem Gebüsch verschwand und parallel zu ihr lief.

Alex blieb nach einigen Metern stehen. Sie beobachtete wie die Sonne durch die Blätter schien und die Welt um sie herum in gelb grünes Licht tauchte. Es war so still hier, so friedlich und beinahe hätte sich Alex entspannt, wenn die Situation nicht so absurd wäre. Sie musste plötzlich einmal mehr an ihren letzten Urlaub denken. Eigentlich hatte Alex mit ihrer besten Freundin in den Urlaub fahren wollen, doch die hatte sich kurz vor der Abreise das Bein gebrochen. Da sie keine Reiserücktrittsversicherung hatten, hatte Alex ihre Kollegen gefragt. Sie hätte nie gedacht, dass einer der Jungs mitwollen würde und als ausgerechnet Gerrit dann spontan zugesagt hatte, war sie überglücklich gewesen.

Es war gerade einmal zwei Monate her, doch es kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Der Alltag hatte sich so schnell wieder eingeschlichen und in diesem Moment wünschte sich Alex nichts sehnlicher, als mit Gerrit zurück auf der Insel zu sein und ihre Ruhe zu haben. Sie hatten an einem Nachmittag zusammen in einer Strandbar gesessen und Alex hatte Gerrit unbedingt etwas zeigen wollen.

"Na nun guck doch da hin, Gerrit!" Alex saß im grünweiß gestreiften Bikini auf ihrem Stuhl und deutete zielgenau auf die grünen Bananen, die an der Staude zu ihrer linken hingen und die sie ihrem Kollegen zeigen wollte. Gerrit saß ihr schräg gegenüber und blickte zwar ungefähr in die Richtung, doch Alex erkannte an seinem Blick, dass er überhaupt nicht verstand, wovon sie gerade sprach. Sie probierte es erneut: "Von dir aus direkt hinter dem Stuhl,  da links.", sagte sie und deutete erneut zu ihrer linken während Gerrit den Blick nach rechts wandte. Alex verdrehte die Augen und wusste nicht so recht ob sie sich ärgern oder über die links-rechts Schwäche ihres Kollegen lachen sollte.

"Nein nicht von mir aus hinter dem Stuhl sondern von dir aus!", korrigierte sie. Erneut blickte Gerrit in die angewiesene Richtung, doch wieder blieb sein Blick unverständig. Schließlich wurde es Alex zu bunt und sie schwang sich aus ihrem äußerst bequemen Sitz, stellte sich genau neben die Mini-Bananen und deutete mit weit ausholenden Gesten darauf, wohl ahnend dass die anderen Gäste der Bar sie für verrückt halten würden. Gerrit blickte allerdings immer noch drein als würde er die Bananen nicht sehen und Alex fragte sich kurz ob er sie auf den Arm nehmen wollte. Dann bewegte er den Arm, beugte sich vor und zog ein großes Bananenblatt kurz vor ihr zur Seite. "Na da sieh einer an… Bananen.", brummte er und warf Alex einen schelmischen Blick zu. Alex selbst musste zwar lächeln, wurde aber auch ein kleines bisschen rot weil sie nicht daran gedacht hatte, dass sein Sichtfeld verdeckt sein könnte und so ging sie nicht mehr weiter darauf ein, während sie seinen spöttischen Blick auf sich spüren konnte.

Stattdessen ließ sie sich wieder auf ihren Stuhl nieder und blickte erneut um sich, um die Aussicht zu genießen. Strahlender Sonnenschein und eine kleinere, tiefblaue Bucht in der sie Stunden damit verbringen könnte den Übergang zwischen dem tiefen und seichten Meer zu beobachten, der durch den Wellengang immer wieder verschwomm. Doch Gerrit war nicht dafür zu haben nur ruhig am Strand liegend den Urlaub zu verbringen und so hatte er in München kurzerhand Schnorchel und Taucherbrille für Alex gekauft, damit sie ihn beim Schnorcheln begleiten konnte - er selbst hatte natürlich alles schon, inklusive seiner Schwimmflossen. Und so skeptisch Alex auch gewesen war, umso mehr fand sie Spaß daran. Schnorcheln war nicht so anstrengend wie eine Bergwanderung und sie genoss den schönen Ausblick in die Unterwasserwelt. Zuerst hatten sie es auf der rechten Seite des Hotelstrandes versucht, aber sogar Alex hatte schnell gemerkt dass es hier nichts zu sehen gab. Den einen Fischschwarm - Alex schätzte Makrelen - fand sie nicht so wahnsinnig spannend obwohl die kleinen Fische direkt unter der Oberfläche schwammen und lustig glitzerten.

Wo ist Gerrit Grass?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt