Im Keller des verlassenen Hauses hatten Robert und Max die Person aus dem zusammengerollten Teppich befreit und der Mann, der nun vor ihnen lag, hatte fahle Haut, kurze braune Haare und braune Schuhe. Aber er war klein, fülliger und hatte kahle Stellen in den Haaren. Robert atmete enttäuscht laut aus – es war nicht Gerrit. Max bemerkte, dass Robert einen Moment brauchte und übernahm es selbst dem Mann aufzuhelfen und seine Geschichte zu hören. Robert nahm erst wieder an dem Gespräch teil, als der Mann so weit wieder bei Bewusstsein war, dass er Max seinen Namen verraten konnte.
„Günter Braun. Ich mähe hier für eine Bekannte den Rasen, dass die Einfahrt nicht zuwächst. Sie ist momentan im Urlaub und ich wohne hier zwei Höfe weiter. Und als ich heute früh wieder mähen kommen wollte, habe ich gesehen, wie zwei Männer einen dritten ins Auto geschleppt haben. Dem dritten ging es schlecht, das war ersichtlich und ich habe den Männern gesagt sie sollen ihn in Ruhe lassen. Ich konnte so schnell gar nicht schauen, da hatten die den Mann ins Auto gepfercht und mich mit Gewalt hier in den Keller gezerrt. Dann haben sie mich bewusstlos geschlagen und als ich aufgewacht bin konnte ich kaum atmen. Wärt ihr nicht gekommen, wäre ich erstickt. Wer seid ihr überhaupt?“, brummte der Mann und sah die Kommissare zum ersten Mal aufmerksam an. Max stellte sie vor, wurde jedoch direkt von Robert unterbrochen: „Wir suchen den verletzten Mann, den Sie gesehen haben. Wissen Sie denn wo die Männer ihn hinbringen wollten? Es ist wirklich wichtig!“ Der Mann überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. „Sie haben etwas gesagt, aber ich erinnere mich nicht so gut. Irgendetwas von wegen bis zur nächsten Wache sind es noch einige Kilometer durch den Wald, das schafft er in seinem Zustand nicht mehr, oder so. Aber was das zu bedeuten hat, oder was sie meinen ist mir nicht klar. Die nächste Polizeiwache ist am anderen Ende von Freising und da gibt es keinen richtigen Wald.“
Robert atmete aus und trat einen Schritt zurück, denn in seinem Kopf schwirrten die Worte umher und er versuchte sich einen Reim darauf zu machen. Wache. Es könnte sich wie der Mann schon vermutet hatte um eine Polizeistation handeln. Oder eine Feuerwehr. Klar war für Robert, dass Gerrit irgendwo in den Wald geworfen wurde und bei der empfindlichen Kälte jede Minute zählte. Schnell zückte er sein Handy und gab das Wort Wache in die Suchmaschine zur Suche in seinem Umkreis ein, möglicherweise konnte er so schon etwas herausfinden. Ansonsten bliebe ihm nur der Kontakt zur ortsansässigen Polizei.
Doch er hatte Glück, ein einziges Mal während dieses vermaledeiten Falles: das Handy spuckte eine BRK-Bereitschaftswache aus, keine fünf Kilometer von hier und zwischen ihnen und dieser Wache lag ein Wald. Sofort kam Bewegung in Robert. „Max, ich informiere die BRK-Leute hier in der Nähe, dass sie den Herren hier mitnehmen. Kümmer dich du bis dahin bitte um ihn, ich organisiere die Kollegen, ich weiß wo Gerrit sein könnte!“
Wie der Wind war Robert die Stufen hochgehetzt, hatte sich ins Auto geworfen und die Kollegen per Funk informiert ihm zu folgen. Dann fuhr er die Straße entlang, aufmerksam nach einem Ort Ausschau haltend, an dem sie Männer Gerrit abgesetzt haben könnten. Parallel telefonierte er mit der Wache und organisierte, dass sich die Männer und Frauen von dort in Bewegung setzten, um Max und Herrn Braun abzuholen.
Keine zehn Minuten später durchkämmte er mit den Kollegen den Wald durch dessen dichtes Blattwerk die Sonnenstrahlen stießen und ein fahles Licht auf den Waldboden warfen. Robert rief Gerrits Namen bis er das Gefühl hatte seine Kehle müsse zerspringen, doch sein Kollege antwortete nicht. Jens von der Streifenpolizei war der erste, der etwas fand. „Robert, komm mal her!“, schallte der Ruf durch die Zweige und der Genannte beeilte sich der Aufforderung nachzukommen. Jens kniete am Boden und untersuchte etwas. Robert kam dazu und sah, dass es Blut war. Es konnte Gerrits Blut sein. So aufmerksam wie möglich betrachtete er die Umgebung und folgte den sichtbaren Schleifspuren auf dem Boden. Abrupt endeten die Blutstropfen und Robert hielt den Atem an. Der Boden war aufgewühlt und die Blätter teils auf Seite geschoben, dass nur noch der nackte Erdboden zu sehen war. Robert ließ den Blick umher schweifen und suchte seinen Kollegen. Ein Fetzen Kleidung, eine Hand unter einem Busch, etwas, dass ihm zeigen würde, dass Gerrit hier war. Doch nirgendwo war eine Spur zu entdecken und Robert verlor den Mut. Wo war Gerrit?
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Wo ist Gerrit Grass?
FanfictionIch habe in meinem virtuellen Kabuff meine allererste Geschichte gefunden.. aus 2006. Das hätte eigentlich mal meine erste Story werden sollen, aber sie hat nie das Licht der Welt erblickt. Aber besser spät als nie heißt es doch :) Gerrit wird Opfer...
