An der Straße angekommen lehnte sich Michael während seines Telefonats mit den Kollegen der Zentrale an den Skoda und beobachtete seine blonde Kollegin. Alex‘ Haare waren inzwischen schulterlang, da sie länger nicht mehr beim Friseur gewesen war, und fielen ihr locker ins Gesicht, doch sie konnten die dunklen Schatten unter ihren Augen nicht verbergen. Er brachte es nicht übers Herz ihr zu erzählen, was Robert über das Blut herausgefunden hatte. Es war wirklich Gerrits Blut und wenn er das Alex erzählte, würde sie sich gar nicht mehr konzentrieren können. Seiner Kollegin war jetzt schon ins Gesicht geschrieben, dass sie sich große Sorgen um Gerrit machte, Michael würde sogar soweit gehen zu sagen, dass sie kaum in einer Verfassung zum Arbeiten war, so sehr nahm sie die Entführung mit. Er nahm sich fest vor ihr das zu sagen, aber für den Moment beschränkte er sich darauf, sie in den Arm zu nehmen und ihr gut zuzureden sobald er das Gespräch beendet hatte.
„Hey Alex. Beruhige dich doch. Wir werden hier alles mit den Kollegen absuchen, die Spurensicherung wird hier jeden Stein umdrehen und wir finden eine Spur zu ihm. Außerdem kennst du doch Gerrit, der ist zäh. Er hat doch sogar die Folter von Röckel ohne Probleme überstanden und der Kerl hatte ein Rad ab. Komm, lass uns zu Robert zurückfahren.“ Alex schwieg, sie wusste, dass ihr Kollege sie aufmuntern wollte, doch sie wusste auch, dass es hier kaum Spuren geben würde. Der Boden war staubtrocken und selbst wenn ein Auto hier geparkt hatte, war es doch sehr unwahrscheinlich, dass irgendwo ein Reifenabdruck zurück geblieben war. Geknickt stieg Alex in den dunkelblauen Wagen und lehnte den Kopf ans Fenster sobald sie die Tür geschlossen hatte. Sie hörte kaum, dass Michael erneut telefonierte und wartete nur darauf, dass er endlich losfuhr.
Die Sonne verschwand einmal mehr hinter dichten Wolken, die mit ihrer dunkelgrauen Färbung Regen ankündigten, während Michael schweigend losfuhr und sein Lieblingsradiosender irgendwelche Lieder durch das Auto plärrte. Alex spürte Wut in sich aufsteigen, Wut darüber, dass es jetzt regnen sollte. Jetzt wo die wenigen Spuren, die sie überhaupt finden konnten beinahe unsichtbar waren, würde der Regen alles wegschwemmen. Wo war der Regen gestern gewesen als Gerrit hier war? Warum hatte es nicht gestern regnen können, sodass sie ein Reifenprofil finden könnten? Hätte es geregnet, hätte das Auto zweifelsohne Dreckspuren gemacht, die ihnen Hinweise geben konnten. Sie hätten so viel mehr tun können! Doch nein, es musste ausgerechnet jetzt regnen. Wütend betrachtete Alex den vorbeiziehenden Himmel und hörte bald schon die ersten Tropfen auf dem Autodach aufschlagen. Trip. Trap. Trip, Trip, Trap. Wie ein unregelmäßiger Herzschlag wechselten sich die Tropfen beim Aufschlagen ab, bis sie so schnell wurden, dass Alex nicht mehr zählen konnte. Auch Michael neben ihr drehte die Musik leiser, bevor er den Scheibenwischer aktivierte, denn der Regen wurde noch stärker. Die zwanzig Minuten zurück zur Dienststelle zogen sich hin und die seidenen Regenfäden erschwerten Michael die Sicht, sodass er leise vor sich hin fluchte, während er versuchte die Straße zu erkennen.
Robert Ritter hatte im K11 schon einen frischen warmen Kaffee für seine Kollegen vorbereitet und beobachtete nun nachdenklich den Regen, der an die Fensterscheiben trommelte. Robert liebte Regen eigentlich, der Geruch von nasser Erde sowie frischem Regen auf Asphalt hatte etwas beruhigendes und manchmal setzte er sich einfach vor seiner Wohnung auf die Schwelle und beobachtete die Regenwolken, wie sie über München zogen und ihre Regenfäden über der Landschaft fallen ließen. Doch heute brachte ihm der Regen keine Freude, im Gegenteil.
Robert machte sich Sorgen um Gerrit, auch wenn er es Alex gegenüber niemals zugeben würde. Sie hatten keinerlei Hinweise auf seinen Aufenthaltsort, der Dieb war spurlos verschwunden und die Kommissare liefen auf der Stelle, was die Spurensuche anging. Gerrits Handy war mit ihre einzige Chance gewesen ihren Kollegen zu finden, doch auch das war eine Sackgasse. Jetzt mussten sie hoffen, dass jemand Forderungen stellte, um Gerrit gegen das Diebesgut einzutauschen. Robert hoffte sehr, dass der Mann nicht auf die Idee kam Gerrit einfach zu entsorgen.
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Wo ist Gerrit Grass?
FanfictionIch habe in meinem virtuellen Kabuff meine allererste Geschichte gefunden.. aus 2006. Das hätte eigentlich mal meine erste Story werden sollen, aber sie hat nie das Licht der Welt erblickt. Aber besser spät als nie heißt es doch :) Gerrit wird Opfer...
