Robert wartete ungeduldig, bis sein Kollege den Stick vom PC entfernt hatte. „Den bringe ich schnell runter. Hoffen wir, dass wir bald ein Foto unseres Verdächtigen haben.“ Der Dienstälteste nickte und wollte etwas erwidern, da klingelte das Telefon und er bedeutete Robert kurz zu warten. Gespannt beobachtete der jüngste Kommissar Michaels Gesicht. „Ah so ist das. Okay danke, das hilft uns schon einmal weiter. Robert bringt noch einen Datenstick runter, wir brauchen vergrößerte Bilder von einer Überwachungskamera sowie die Überprüfung eines Kennzeichens. Kannst du das für uns tun? Übrigens schön, dass du wieder fit bist, Mia.“ Michael hörte kurz zu, ein leichtes Lächeln auf den Lippen, dann unterbrach er sie kurz. „Warte, ich stell dich auf laut.“, sagte er, dann hallte Mias Stimme durch das Büro: „Die Kollegen haben durch die Seriennummer herausfinden können, wem das Auto gehört. Der graue Fluchtwagen gehört einer gewissen Malia Pohl. Na, klingelt da was bei euch? Übrigens habe ich deren Handy über eure Abfrage eben in der KTU geortet. Da gibt es also leider auch keine hilfreichen Neuigkeiten. “ Robert starrte nur ungläubig auf das Telefon, Michael hingegen ließ sich zu einem: „Du willst mich doch veräppeln? Was sollte denn der ihr Handy in der KTU machen?“, hinreißen. Mia räusperte sich kurz und ihre Stimme war auf einmal etwas angespannter, dass Michael schon befürchtete, sie gekränkt zu haben. „Nein, ganz sicher nicht. Es scheint so, als wäre die Dame in euren Fall verstrickt. Ich glaube nicht, dass es nur zufällig ihr Auto war, das für den Diebstahl geklaut und verwendet wurde. Möglicherweise hat sie das Handy absichtlich dort platziert. Oder sie ist lediglich schusselig. Ich weiß es nicht, bin ja auch kein Hellseher. Vielleicht findet ihr ja im Umfeld von dieser Frau etwas, das euch weiterhilft. Wenn ihr mir die Videos bringt, mache ich mich direkt an die Vergrößerung, möglicherweise können wir dann an der Öffentlichkeit gehen.“, versprach sie, dann legte sie abrupt auf. Robert klappte den Mund zu und sah Michael an. „Lass uns diese Malia noch mal genauer unter die Lupe nehmen. Ich organisiere mir ihre persönlichen Daten und prüfe, ob sie irgendwie Geldsorgen hatte oder Ähnliches. Kannst du in der Zwischenzeit noch einmal den Staatsanwalt anrufen und um einen Durchsuchungsbeschluss für ihre Wohnung bitten? Wir sollten keine Möglichkeit ausschließen. Wir müssen die Entführer finden!“ Roberts Blick war so grimmig, dass Michael beinahe erschrocken war. Die Situation war für alle nicht die beste und jeder wollte weiterkommen, doch Roberts Blick hatte etwas Irres an sich. Michael nickte seinem Kollegen zu und nahm sich vor ihn gut im Auge zu behalten.
Staatsanwalt Kirkitadse hielt Michael wegen der Diamanten erst einmal eine riesige Standpauke, die sich gewaschen hatte. Michael schaltete nach kurzer Zeit auf Durchzug, er verstand ja, dass der Staatsanwalt dazu verpflichtet war und er fing auch ein paar Begriffe wie ‚Selbstüberschätzung‘, ‚Ignoranz‘ und ‚Frechheit‘ auf, doch es interessierte ihn wenig, er wusste selbst, dass sie versagt hatten. Aber sein Hirn war mit etwas anderem beschäftigt, denn es versuchte immer noch das Rätsel um Malia Pohl zu lösen. Was hatte die Dame mit ihrem Fall zu tun? Hatte ihr Exfreund sie wie von der Stationsleitung vermutet entführt und hielt sie jetzt zusammen mit seinen Kollegen gefangen? Welchen Grund konnte er für diese Aktion haben? Hatte sie ihn betrogen und er hatte es herausgefunden? War es umgekehrt und sie hatte ihn verlassen, doch er wollte es nicht wahrhaben? Es gab so viele Motive für eine Entführung, doch woher sollten sie wissen, welches das richtige war? Und was war die Verbindung von der Entführung zu dem Raubüberfall? Vor allem wo sollte Malia Pohl hingekommen sein? Die Chefin der Vermissten hatte die Frau als ruhig und zurückhaltend beschrieben. Es gab sonst keine Hinweise darauf, dass die Frau entführt wurde – war sie vielleicht einfach nur weggefahren und hatte vergessen Urlaub zu nehmen? Aber wie passte ihr Auto als Fluchtauto ins Bild? Und ihr Handy, das dort unter einem Sitz gefunden wurde? Und wer waren die zwei Personen auf dem Roller gewesen? War es möglich, dass eine davon Malia Pohl war? Hatten sie deswegen so viele Hinweise auf ihre Beteiligung gefunden? Welchen Grund hätte sie jedoch einen Juwelier zu überfallen? Und wo würden die Räuber jetzt hingehen, wo sie die Diamanten erfolgreich bekommen hatten? Würden sie sie verkaufen oder einfach nach Hause gehen und alles zu vertuschen versuchen? Michael wusste keine Antwort auf die Fragen, die in ihm tobten und er war kurz davor frustriert auf etwas zu schlagen.
Er riss sich mit Mühe in die Gegenwart zurück und hörte noch, wie der Staatsanwalt sein an ihn gerichtetes Schlussplädoyer sprach. „Ich kann ihre Taten nachvollziehen, allerdings billige ich dieses Verhalten ganz und gar nicht. Sie und Herr Ritter werden alles daran setzen die Diebe aufzuspüren, bevor sie mit der Beute abhauen. Ansonsten sehe ich mich leider gezwungen eine interne Untersuchung anzuberaumen.“ Seine Stimme wurde etwas weicher und ruhiger. „Und ich hoffe, dass sie bald Hinweise auf den Verbleib von Frau Rietz und Herrn Grass finden können. Den Durchsuchungsbeschluss schicke ich Ihnen, sobald ich ihn erwirkt habe. Bitte halten Sie mich weiterhin auf dem Laufenden.“ Michael versprach dem Staatsanwalt seinen Wünschen nachzukommen, dann legte er auf und lehnte sich erschöpft in seinem Stuhl zurück, bevor er eine Streife zur Überwachung von Malia Pohls Wohnung abstellte.
Robert hingegen saß ungeduldig bei Mia im Büro und trommelte mit den Fingern auf seinen Oberschenkeln herum. Das leise Klacken von Mias Tastatur war das Einzige was im Raum zu hören war und Robert versuchte mit dem mitzukommen, was seine Kollegin am Bildschirm tat. Doch auch er als technikaffiner Mensch musste sich geschlagen geben, da Mia so zügig von Bildschirm zu Bildschirm wechselte, dass ihm schwummrig wurde. Trotz alledem konnte er sehen, wie sie aus dem kleinen Ausschnitt des Überwachungsvideos den genauen Moment isoliert hatte, in dem der Mann die Kapuze herunter und die Maske aufgesetzt hatte. Nach weiteren fünf Minuten hatte sie den Ausschnitt vergrößert, den Kontrast angepasst und schließlich lehnte sie sich zurück und musterte das Ergebnis. „So Robert, besser wird es nicht. Aber ich finde für so wenig Bild könnte das Ergebnis kaum besser sein.“ Robert musste ihr zustimmen, das Ergebnis war gut, vielleicht sogar gut genug, um es mit der Polizeidatenbank abzugleichen. Irgendwie wollte ihm das Gesicht bekannt vorkommen, doch er konnte nicht packen, wo er es schon einmal gesehen haben sollte.
„Liegt dir sonst noch etwas auf der Seele, Robert?“, unterbrach Mia seine Gedanken und sah ihn mitfühlend an. Kurz überlegte der junge Polizist, dann sagte er: „Kannst du das Bild mal mit der Datenbank abgleichen? Bei dir habe ich weniger Bedenken, dass es schief gehen kann, als bei Michael.“ Doch zu seiner Überraschung blickte Mia unglücklich drein. „Den Zahn muss ich dir leider ziehen, ich habe das Bild bei jeder Veränderung durch das System prüfen lassen, aber es hat partout nichts ausgespuckt. Unsere Datenbank kann euch hier leider nicht helfen. Gibt es nicht noch jemanden, der den Mann kennen könnte?“ Robert war zwar enttäuscht, dass sie wieder keine Spur hatten, doch er zwang sich dazu positiv zu denken. Dann kam ihm eine Idee. „Ha, vielleicht gibt es da doch jemanden. Kannst du Michael schnell anrufen, dass er mich am Auto treffen soll? Und danke Mia.“ Die Kollegin strahlte: „Kein Thema. Und klar, mach ich gleich. Wenn ich helfen kann, reicht ein kurzer Anruf, okay? Ich möchte Alex und Gerrit auch zurück.“
Keine halbe Stunde später standen Robert und Michael vor der Arbeitsstätte von Malia Pohl. Der Jüngere hatte seine gesamte Überzeugungskraft einsetzen müssen, damit Michael mitkam, denn dieser zweifelte stark an dem Sinn dieses Besuches. Trotzdem hatte er nachgegeben und war mitgekommen, denn wenn er ehrlich war, hatte er selbst keine bessere Idee und schon gar keine Spur zu ihren Kollegen. Robert grüßte die Dame am Empfang und fragte nach der Stationsleitung, die sie in die richtige Richtung schickte. Sie fanden die Dame in ihrem Büro vor einem riesigen Papierberg sitzend und sich die Haare raufend. Robert hatte zwar geklopft, aber scheinbar hatte die Dame ihn nicht gehört, denn sie ignorierte die beiden Kommissare fleißig. Michael räusperte sich hörbar und damit riss er Patricia Steiner beinahe vom Stuhl. Es dauerte einen Moment bis die Frau Robert erkannte und dann beeilte sie sich aufzustehen und die beiden zu begrüßen. „Herr Ritter, bitte um Entschuldigung, ich war ganz in Gedanken. Wir sind einfach zu wenig ohne Malia. Und Sie sind…?“, fragte sie Michael direkt. Ihre grünen Augen fixierten den anderen Kommissar und suchten etwas in seinem Gesicht, jedenfalls schien es Michael so. Der stellte sich knapp vor und kam ohne Umschweife zum Grund ihres Besuches. „Kennen Sie diesen Mann?“
Frau Steiner nahm sich Zeit, um das Bild genau zu studieren, doch es glitt kein Schimmer von Erkennen oder sonst eine verräterische Emotion über ihr Gesicht, dass Robert schon die Hoffnung verlor. Doch im nächsten Augenblick sagte sie mit versteinertem Gesichtsausdruck: „Ich sag Ihnen wer das ist. Das ist Malias On-Off-freund. Keine Ahnung wie er heißt, sie hat ihn mir nie vorgestellt und da bin ich auch nicht traurig drum, aber er war häufiger hier und die Treffen sind selten harmonisch verlaufen sage ich Ihnen. Das ist aber auf jeden Fall der Kerl, der hier war und sie lautstark zusammenfalten wollte. Sie hat noch ein Bild von ihm im Spind, wollen Sie das einmal sehen?“ Robert und Michael nickten und die Dame ging ihnen voraus, um ihnen das Foto zu zeigen.
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Wo ist Gerrit Grass?
FanfictionIch habe in meinem virtuellen Kabuff meine allererste Geschichte gefunden.. aus 2006. Das hätte eigentlich mal meine erste Story werden sollen, aber sie hat nie das Licht der Welt erblickt. Aber besser spät als nie heißt es doch :) Gerrit wird Opfer...
