Gerrit Grass wollte aufwachen. Seine Augen waren zu und er hatte das Gefühl, als würde seine Seite in Flammen stehen und er konnte sich nicht rühren. Sein Kopf hatte keine Kontrolle über seine Glieder und egal welchen Befehl er auch gab, nichts an ihm bewegte sich. Aber Gerrit war wach, er konnte genau hören, dass um ihn herum jemand arbeitete, um ihn herum lief und er hörte auch das ein oder andere Mal ein Flüstern. Kurz bekam er Panik, dass er hier eingeschlossen war, dass sein Rückenmark durchtrennt und er lediglich seine Gedanken unter Kontrolle haben konnte. Dass er nicht mehr alleine aufstehen konnte. Er hörte, wie neben ihm ein leiser Piepston verzeichnete, dass sein Puls sprunghaft anstieg und versuchte sich wieder zu beruhigen. ‚Ruhig Atmen.‘, befahl er sich selbst und im nächsten Moment fragte er sich, ob er darauf überhaupt noch Einfluss hatte. Doch es schien, als hätte er, denn das Piepsen verstummte. Und dann hörte er die Tür auf und wieder zu gehen, gefolgt von Flüstern, wobei er die Worte nicht verstehen konnte. Gerrit war neugierig, wer war da gekommen? Ein warmes Gefühl breitete sich in ihm aus und sein Bauchgefühl sagte ihm, dass Alex hier war. Er konnte sogar bestimmen, dass die Wärme von seiner linken Hand ausging. Er spürte Finger in seinen eigenen und mit jeder Sekunde, die er sich auf das Gefühl konzentrierte, bekam er wieder mehr Kontrolle über seinen Körper zurück.
Nach einer schier endlosen Zeit des Wartens rührte er das erste Mal den kleinen Finger und nach einigen Minuten beklemmender Stille schlug er die Augen auf, bevor er matt in drei besorgte Augenpaare blickte, die ihn anstarrten. Gerrit musste etwas Husten und sich räuspern, bis seine Stimme wiederkam, doch dann trat sein trockener Humor zu Tage und er keuchte Michael, Robert und Alex an, denn um diese handelte es sich bei den Besuchern: „Was guckt ihr denn alle so, hab ich etwa gesabbert?“ Alex stieß einen leisen spitzen Schrei aus, dann umarmte sie ihn ungeachtet seines schmerzvollen Stöhnens und auch auf die Gesichter der beiden anderen stahlen sich erleichterte Ausdrücke.
Gerrit grinste Michael und Robert an, während er Alex beruhigend den Rücken streichelte und ihre Nähe genoss. Sie hatte sich wirklich Sorgen um ihn gemacht und ihm fielen ihre letzten Worte ein. Er hatte ihr gesagt, er wusste was sie meinte, doch eigentlich hatte er sie nur beruhigen wollen. Er war der Meinung gewesen, sie wolle ihm sagen, dass sie ihn liebte und daher hatte er ihr mehr oder weniger seine Liebe ebenfalls gestanden. Aber wenn sie stattdessen nur etwas Aufmunterndes zum Abschied sagen hatte wollen? Hatte er in ihre Worte zu viel hereininterpretiert? Am liebsten hätte er sich frustriert am Hinterkopf gekratzt, um den dort beginnenden Juckreiz loszuwerden, doch er wusste auch, dass seine Kollegen seine Verlegenheitsmarotte kannten. Dann würde er nur Fragen beantworten müssen, die er nicht beantworten wollte.
Allerdings war es schlimm, den Reiz zu ignorieren, denn seine linke Hirnhälfte schien nun in Flammen zu stehen. Mit Mühe fokussierte er sich auf Michael, dem die Fragen ins Gesicht geschrieben waren, die er gleich stellen würde. Und obwohl er sich sehr freute, seine Kollegen wieder zu sehen, wünschte er sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als dass sie gingen und er mit Alex alleine sein konnte. Doch er war sich auch im Klaren darüber, dass es keine Option war, Robert und Michael wegzuschicken. Also fügte er sich seinem Schicksal und forderte Michael wortlos auf, seine Fragen zu stellen, bevor der noch platzte. „Wie zur Hölle bist du noch am Leben? Den Blutspuren nach, die wir gefunden haben, hättest du leergelaufen sein müssen. Was ist denn überhaupt passiert, seit sie dich aus dem Keller geholt haben?“, fragte er und auch Robert wartete gespannt auf die Antwort. Lediglich Alex war nicht wirklich interessiert, ihre Wange lag auf Gerrits Brust, stille Tränen rannen ihr über die Wangen und sie war nur glücklich, dass er am Leben war. Sie hatte ihn nicht verloren.
Gerrit gab nun doch dem Drang nach sich zu kratzen und mit einem leisen Seufzer zog er sich die Fingernägel über die Kopfhaut, bevor er sich räusperte und anfing zu erzählen.
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Wo ist Gerrit Grass?
FanfictionIch habe in meinem virtuellen Kabuff meine allererste Geschichte gefunden.. aus 2006. Das hätte eigentlich mal meine erste Story werden sollen, aber sie hat nie das Licht der Welt erblickt. Aber besser spät als nie heißt es doch :) Gerrit wird Opfer...
