18. Epilog

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Eineinhalb Wochen später war Gerrits erster Arbeitstag und er wurde mit Freuden in der Dienststelle empfangen, musste den anderen Kollegen seine Story erzählen und den ein oder anderen Spruch verkraften. Aber es ging ihm wieder gut, die Blutvergiftung war geheilt, einzig die Schusswunde war durch die Größe der Verletzung noch nicht vollständig vernarbt. Doch Gerrits Weg führte ihn trotz der vielen Unterbrechungen zügig direkt ins K11, denn er hatte Alex seit ihrem Besuch im Krankenhaus, seit ihren Geständnissen und ehrlichen Küssen, nicht mehr gesehen. Er hoffte sehr, dass er sie alleine antreffen konnte, ansonsten würde er direkt mit ihr Feierabend machen. Er musste einfach wissen, ob sie mit ihm zusammen sein wollte. Er hoffte es so sehr und das Nichtwissen machte ihn schier wahnsinnig.

Doch leider war nicht nur Alex im Zimmer sondern auch Robert und Michael, die ihn zusammen begrüßten. Gerrit setzte sich absichtlich auf Alex' Schreibtisch, um ihr nahe sein zu können. Da Robert an der Kaffeemaschine stand und die anderen beiden an ihren Schreibtischen saßen, war es auch nicht allzu auffällig, dass er sich auf die Ecke setzte. Robert fragte ihn, wie er die Tage verbracht hatte und dass er überrascht sei, dass der Kollege wirklich die Woche Pause gemacht hatte. Gerrit schnaubte nur und erzählte missmutig, wie langweilig die letzten Tage gewesen waren.

Als es plötzlich an der Bürotür klopfte, verstummten die Kommissare und starrten gebannt in die gleiche Richtung. Wer konnte jetzt noch etwas von ihnen wollen? Doch nicht etwa wieder der Staatsanwalt? Die Tür ging auf und das Erste, was sie alle sahen war der Blumenstrauß, der gut und gerne den Durchmesser eines Basketballs hatte und in den verschiedensten Farben leuchtete. Direkt danach schob sich ein Mann ins Zimmer, dessen Blick suchend durchs Zimmer irrte, bis er die Person gefunden hatte, die er suchte. Der Mann hatte braune, kurze und nach hinten gekämmte Haare, die in der Mitte etwas länger waren und ebenfalls braune lustige Augen, leichte Lachfältchen um die Augen und einen Bart um Kinn, Kiefer und Mund, der zwar nicht lang, aber dafür ziemlich dicht war. Alex brauchte einen Moment, um ihn zu erkennen und die Verbindung von Gesicht und Namen herzustellen. „Simon? Simon!", rief sie erfreut und stand auf, um den Neuankömmling zu begrüßen. Dabei ging sie ganz nah an Gerrit vorbei, der heute wieder auf ihrem Schreibtischeck saß und sein Geruch wehte in ihre Nase und vernebelte ihr die Sinne.

„Schön, dass du da bist, was treibt dich hierher?", fragte Alex nachdem ihr wieder eingefallen war, was sie sagen wollte und umarmte den jungen Mann, der etwas perplex schien, dass hier so viele Menschen waren. „Ich, nun ja, äh... Hier, erstmal der Blumenstrauß, für dich.", unterbrach er sich und lief rosa an. Alex nahm die Blumen entgegen und roch daran, bevor sie ihn mit sich winkte und sich wieder an ihren Platz setzte. „Jungs, darf ich vorstellen: das ist Simon Gruber, der Mann, der mir aus den Handschellen und ins Terminal geholfen hat. Ohne sein Vertrauen hätten wir die Ganoven niemals geschnappt." Die Männer nickten sich höflich zu und jeder stellte sich kurz vor, wobei Gerrits Begrüßung etwas frostig geriet. Alex nahm es still zur Kenntnis, denn sie war ins Grübeln gekommen. „Simon, jetzt musst du lir koch etwas verraten. Warum hast du mir eigentlich direkt vertraut, als du mich aufgegabelt hast? Ich meine... also ich denke es gab genug Gründe auf Basis derer du mir misstrauen hättest können. Was hat den Ausschlag gegeben, dass du entschieden hast mir zu vertrauen?"

Simon lachte scheu und kratzte sich verlegen an der Nase. „Wenn ihr ehrlich bin habe ich gedacht, dass du mir keine Schwierigkeiten machen kannst so wie du aussiehst, deswegen bin ich mit dem Wagen stehen geblieben. Außerdem war ich ein bisschen neugierig und habe dir deswegen mein Telefon gegeben. Aber der Grund, warum ich dir die Handschellen entfernt habe, ist extrem einfach – ich habe die Telefonnummer gegoogelt, die du angerufen hast. Von deinem Gespräch habe ich ja alles mitbekommen, was du Michael erzählt hast. Und es war nicht wirklich schwer herauszufinden, dass du wirklich einen Kollegen hier in der Dienststelle angerufen hast und nicht versuchst mir einen Bären aufzufinden. Naja, und ab dann wusste ich, dass ich dich unterstützen musste.", grinste er und sonnte sich in dem beeindruckten Gesichtsausdruck von Alex. Dann kam er zum Grund seines Hierseins:

„Ich wollte mich noch einmal bedanken, dass du mich mitgenommen hast und mich auch davon überzeugen, dass es dir wieder gut geht. Und natürlich deinem Kollegen.", fügte er hastig hinzu und warf einen entschuldigenden Blick in die Runde. Dann räusperte er sich, schloss kurz die Augen und als er Alex wieder direkt ansah, war sein Blick aufmerksam und fokussiert. „Und eigentlich wollte ich dich fragen, ob du einmal mit mir ausgehen würdest. Ich habe die kurze Zeit mit dir sehr genossen und würde dich gern häufiger sehen."

Eine Bombe hätte nicht heftiger einschlagen können und es gab niemanden im K11, der sitzen blieb. Michael und Gerrit waren aufgesprungen und zu dem jungen Kollegen herumgewirbelt und auch Alex hatte sich leicht erhoben, im letzten Moment aber wieder hingesetzt. Robert stand mit überraschtem Blick an der Kaffeemaschine und vergaß völlig sie einzuschalten. Simon schien etwas überrascht und verwirrt, immerhin hatte er lediglich mit Alex' Reaktion gerechnet und nicht mit der ihrer Kollegen. Er konnte ja nicht ahnen, dass er die beliebteste Frau der Dienststelle gefragt hatte, ob sie mit ihm ausgehen würde.

„Simon, das ist wirklich sehr charmant von dir und ich habe deine Gesellschaft sehr genossen. Allerdings bin ich nicht single. Also schon, aber ich habe mein Herz schon an jemanden verloren und will mit ihm ausgehen, dewegen... Ach, es ist einfach kompliziert. Deswegen kann ich nicht mit dir ausgehen, jedenfalls nicht so, wie du es dir wünschst. Ich hoffe, du kannst das verstehen. Und das heißt nicht, dass du hier nicht willkommen bist, ich würde mich freuen, den ein oder anderen Einsatz mit dir fahren zu können." Alex verstummte betreten, sie wusste genau, dass ihre Ehrlichkeit dem jungen Mann gegenüber Fragen über Fragen in ihren Kollegen geweckt hatte, doch sie wollte wirklich, dass Simon verstand, dass es nicht an ihm lag. Ein nachdenklicher Ausdruck lag in seinen Zügen, doch er schien ihre Abfuhr zu verstehen. Dann schlich sich der Anflug eines Lächelns auf sein Gesicht. „Also auch wenn ich dich nicht ausführen darf, würde ich euch gerne auf ein Bier einladen irgendwann einmal. Und zwar alle. Wenn ihr häufiger solche Einsätze fahrt, dann würde ich gerne mehr darüber erfahren. Schließlich muss ich mir irgendwann überlegen, wo meine Reise hinführt, und vielleicht gebt ihr mir ja den ein oder anderen Denkanstoß mit. Ich wünsche dir mit Mister Unbekannt auf jeden Fall alles Glück – und ich hoffe, er geht so mit dir um, wie du es verdienst."

Simons Blick war aufrichtig und das Lächeln echt, bevor er sich dann doch zügig verabschiedete. „Ich muss jetzt leider los, aber bitte sagt Bescheid, wenn ihr meiner Einladung auf das Bier folgen wollt. Hier, ich habe dir meine Nummer aufgeschrieben, Alex." Er lächelte und übergab ihr einen Zettel, den er schon vorher geschrieben haben musste. Und noch bevor Alex sich erneut bei ihm bedanken und entschuldigen konnte, war er an der Tür. Ein kurzes Winken war das letzte, was Alex von ihm sah, bevor die Tür hinter ihm zuschlug. Nachdenklich sah Alex ihm nach. Natürlich hatte sie verstanden, dass er so schnell wegwollte, doch sie hätte sich gewünscht, dass er noch blieb – sie hatte seine Gesellschaft und seinen hellen Verstand wirklich genossen. Vielleicht konnte sie die Kollegen mit seiner Druckverbandstory davon überzeugen, dass er ein guter Kerl war, zu dem man die Verbindung aufrecht halten konnte.

Doch erst einmal brach der Gewittersturm über sie herein, den Alex erwartet hatte. Ihre Kollegen wollten alle gleichzeitig mit dem Reden beginnen, bis der Älteste alle zum Schweigen brachte. „Mit wem gehst du denn aus?", fragte Michael lauernd und Robert fragte hinterher: „Und wem gehört denn eigentlich dein Herz und warum wissen wir davon Nichts?" Alex zog eine Fratze, Mann waren die neugierig. Einzig Gerrit blieb jetzt stumm und sah sie mit einem nicht zu deutenden Blick an. „Ich werde ja wohl nicht jeden Teil meines Privatlebens hier bei euch platttreten müssen, oder? Ich weiß schließlich auch nichts von Roberts Liebesleben oder von Michis neuester Eroberung.", protestierte die Blondine. „Aber wenn ihr es unbedingt wissen wollt, da gibt es jemanden in meinem Leben, den ich nicht missen möchte. Und es ist an der zeit, dass ich dazu stehe." Diesmal war es Gerrit, der sie fragte und seine Stimme war kratzig und ungewohnt, als hätte er Angst vor der Antwort und auch die Frage war kurz gehalten: „Wer ist es, Alex?"

Die blonde Kommissarin sah jeden ihrer Kollegen lange an, prägte sich die noch so neugierigen, aber wohlwollenden Gesichter ein und atmete tief ein, bevor ihr Blick zu Gerrit zurückkehrte und sie die Bombe platzen ließ. „Na du, du Idiot.", sagte sie leise und trat direkt vor ihn, um ihn anzusehen und ihre Hand in seiner einzufädeln. Gerrits Blick war erst erstaunt und dann griff ein breites Grinsen auf jeden seiner Gesichtsmuskeln über. Er machte eine Bewegung nach unten und ließ den geringen Abstand zwischen ihnen vollends schmelzen. Alex' Hände fanden Platz an seinem Rücken, als würden sie da schon immer hingehören und sie rollte auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen. Es war ein kurzer, keuscher Kuss – perfekt für das Büro und ihre Zuschauer geeignet, doch Alex konnte spüren, dass Gerrit ihr damit mehr sagen wollte. Als sie sich voneinander lösten, hauchte sie mit einem Lächeln und ihn imitierend „Ich weiß.", bevor sie sich zu den anderen Kollegen umdrehte, ein breites Grinsen im Gesicht und eine Hand in Gerrits hinterer Hosentasche, als wäre es das normalste der Welt.


Wo ist Gerrit Grass?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt