Kapitel 12~bi sexuell?

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Ich wurde aus meinem Gedankengang gerissen indem George vor meinem Gesicht rumschnipste. „Clay? Hörst du mich?", fragte er und sah mich mit besorgten Blick an.

„Was? Ja", antwortete ich irritiert. „Was beschäftigt dich? Du kannst auch mit mir über alles reden", sagte er und unterbrach unseren Augenkontakt nicht.

„Hattest du jemals das Gefühl an etwas zu zweifeln, obwohl du dir darüber dein ganzes Leben lang so sicher warst?" Ich spielte mit der Frage drauf an, dass ich mich eventuell doch zu Jungs hingezogen fühlte. Noch nie hatte ich vorher diesen Gedanken, doch George brachte mich stark zum nachdenken.

Durch George fühlte ich mich manchmal wie in einer Identitätskrise, ich bin ganz ehrlich, aber alles passiert aus einem bestimmten Grund hab ich Recht?

Ich erwartete eine ordentliche Antwort, doch stattdessen bekam ich nur ein „Awww, ist der kleine Clay wohl doch nicht so selbstbewusst wie er immer tut", neckte mich George und stupste mich an der Nase an.

„Na warte!" Ich stürzte mich auf ihn drauf und begann ihn auszukizeln. Ich kitzelte ihn erst an seiner Hüfte und seinem Bauch aus bis ich mich nach oben zum Hals kam.

George konnte sich vor Lachen nicht einkriegen. Er hatte schon Tränen in den Augen. „Stopp!", sagte er die ganze Zeit beim Lachen bis er meine Hände griff und sie festhielt. Ich wehrte mich nicht.

Nun lag ich also da, über George und in seinen Händen verhakt, welche jeweils neben seinem Kopf lagen.

Seine Haare waren verwuschelt und er atmete schnell ein und aus. Er trug immer noch ein Lächeln im Gesicht während er mir in die Augen schaute.

Bei diesem Anblick stieß mir Wärme in die Wangen.

Er war so heiß...

„Ja. Das Gefühl hatte ich eine Zeit lang andauernd", sagte George plötzlich.

„Vor ein paar Jahren habe ich bemerkt, dass ich nicht so bin wie alle anderen meiner Freunde. Sie sprachen plötzlich alle nur noch von Mädchen und wie heiß sie doch wären und auf wen sie standen"

Er unterbrach den Augenkontakt nicht ein einziges Mal.

„Aber ich war der Einzige, der nie irgendwas von all den Dingen empfunden hat, zumindest nicht bei Mädchen...", er machte eine kurze Pause. Während mir ein Kloß im Hals stecken blieb.

„Und ich hab rausgefunden, dass man wenn man sich über etwas nicht sicher ist es ausprobieren sollte. Sonst findet man es nie raus. Ich hab das also getan und mit der Zeit rausgefunden, dass ich schwul bin"

Mir fehlten die Worte. George bemerkte das und sah beschämt zur Seite. Ich legte meine Hand an seine Wange und drehte ihn zu mir.

„Und damit ist nichts falsch. Du hast mich damit nur gerade umgehauen. Warum hast du es mir und Nick nie gesagt?", fragte ich.

„Weißt du, als ich es damals rausgefunden hab, hab ich es meinen Freunden erzählt. Die haben es aber nicht gut aufgenommen und mich nur noch runtergemacht. Das wurde dann langsam zum Mobbing und für mich zu leichten Depressionen. Als ich meiner Mutter alles erzählt habe, hat sie mich von der Schule runtergenommen und wir sind umgezogen. Seitdem habe ich es keinem erzählt. Ich hatte immer Angst davor wie sie reagieren würden. Das hatte ich auch bei meiner Mutter. Aber bei dir ist es anders. Ich fühle mich immer wohl und du gibst mir das Gefühl von Geborgenheit. Ich hab das Gefühl ich kann mich dir öffnen und du würdest mich nicht runtermachen dafür. Dadurch habe ich mich getraut und ich hoffe ich bereue das jetzt nicht"

Ich wusste nicht was er früher durchmachen musste. Er hatte es nie erzählt. Er tat mir so leid. Es tat mir auch leid, dass ich nie da sein konnte um ihm zu helfen oder ihn zu trösten.

„Keine Sorge du wirst es nicht bereuen. Ich akzeptiere das voll und ganz!", sagte ich und lächelte ich an. Ich bekam ein sanftes und gleichzeitig erleichtertes Lächeln zurück.

„Und wieso fragst du?" Ich starrte George in die Augen und überlegte stark, was ich sagen sollte. Doch dann viel mir ein, dass Taten mehr sagen als Worte.

Damit legte ich meine Hand an seine Wange und legte meine Lippen auf seine.

Allerdings passierte das schlimmste was ich mir hätte vorstellen könnte.

Er erweiterte den Kuss nicht...

Ich zog schnell von ihm weg. Ich bereute es so sehr das getan zu haben. „Es tut mir so, so leid! Ich hätte f-", doch bevor ich meinen Satz beenden konnte spürte ich wie George seine Hände an meine Wangen legte, mich an sich heranzog und küsste.

Ich spürte ein unglaubliches Kribbeln im Bauch wie ich es noch nie zuvor gespürt hatte.

Ich legte meine Hände an seine Hüfte und zog ihn umso fester an mich.

Seine Lippen auf meinen, seine Nähe, seine Berührungen, es war einer der schönsten Momente seit langem. Noch nie hatte ich so eine Freude in mir gespürt. Die stellen an denen er mich berührte brannten förmlich.

Immer wenn wir uns für eine Sekunde lösten zog der eine den anderen wieder in den nächsten Kuss. Jedes Mal wenn sich unsere Lippen wieder trafen überkam mich eine Hitzewelle.

Georges eine Hand war nun in meinen Haaren festgekrallt und die andere auf meiner Brust abgelegt. Ich hielt George an seiner Wange und Hüfte fest.

Als wir uns nach ein paar Minuten komplett lösten schauten wir uns nur gegenseitig in die Augen. Niemand sagte etwas. Stille.

Plötzlich fing George an zu lachen. „Was ist? Bin ich so schlecht im Küssen?", fragte ich mit einem breitem Grinsen.

„Nein, ich dachte nur immer du wärst unerreichbar, weil du die heteroste Person bist der ich je begegnet bin. Ich meine come on als wir uns das erste mal so richtig begegnet sind, haben wir pro und kontra Listen nur über Mädchen geschrieben!",sagte er amüsiert. Ich musste nun auch lachen und vergrub mein Gesicht dabei in seiner Brust.

Ich merkte wie George anfing durch meine Harre zu streichen.

Den Rest des Tages verbrachten wir nur damit zu kuscheln und zu küssen. George erzählte mir auch von etwas namens bi das bedeutet anscheinend dass man sich zu Mädchen und Jungs hingezogen fühlt.

Ich bin also bi. Das denke ich zumindest, vorher war ich immerhin der festen Überzeugung hetero zu sein.

Als ich dann nachhause musste, da es schon spät war, begleitete mich George noch nach unten zur Haustür.

„Musst du wirklich gehen? Du kannst auch hier schlafen", sagte er mit seinen Welpenaugen.
„Ich muss nachhause und das weißt du. Morgen ist Schule. Ich würde ja selber gerne länger bleiben", George schien wirklich traurig, weshalb ich ihn in eine Umarmung fasste.

Er umarmte mich fest zurück. Beim lösen der Umarmung lies ich meine Hände an seiner Hüfte. „Wir sehen uns ja morgen"

Ich gab ihm einen leichten Kuss auf die Lippen. Er legte seine Hände um meinen Hals und küsste mich noch einmal.

Als er wieder nach drinnen verschwunden war, fuhr ich nachhause und versuchte mich so langsam wie möglich nach oben in mein Zimmer zu schleichen, doch meine Mutter bemerkte mich.

„Ich dachte du wärst mit George lernen. Welches Mädchen hast du verwöhnt, hm?", sagte sie als sie aus der Küche auf mich zukam.

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Ich konnte für die letzte Woche nicht schreiben, weil ich im Ferienlager war, allerdings sitze ich gerade im Flugzeug und fliege in den Urlaub.

Ich werde daher wieder Zeit zum Schreiben haben :D

(1213 Wörter)

Sechseinhalb ~DreamNotFound Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt