K A P I T E L 05
Samstag. Der Tag, an dem die Feier zwischen unserem und dem neuen Rudel stattfinden sollte.
Den ganzen Tag habe ich nichts anderes getan, außer grübelnd in meinem Bett zu liegen.
Irgendwie war das alles, was ich in letzter Zeit tat- nachdenken. Über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Aber ganz besonders beschäftigten mich die Feierlichkeiten des heutigen Abends und Caras plötzliches Auftauchen und ihren Hang zum Verrückten. Ich meinte, welche Wölfin würde sonst jemand falsches als ihren Gefährten bezeichnen, wenn nicht eine, die vollkommen durchgeknallt und verrückt geworden war.
Als ich so über sie nachdachte, hallte mir ein wütendes Knurren in meinem Kopf entgegen.
Aus unserem Lauf gestern Abend, nach dem gemeinsamen Schwänzen mit Killian, wurde dann schlussendlich doch nichts, da es, kaum habe ich den Waldrand erreicht, wie aus Kübeln angefangen hat zu schütten und ich mochte zwar eine Lykanerin sein, mich in eine Wölfin verwandeln können und weitgehend von Krankheiten verschont bleiben, doch erpicht darauf klatschnass zu werden, war ich trotzdem nicht.
Also habe ich meinen Gefühlen anders freiluft gegeben und zwar, indem ich mich in unserem Keller ausgepowert habe. Dafür lag ich heute faul im Bett.
Dabei schien die Sonne hoch vom Himmel, welcher noch dazu strahlend blau war. Aber aus irgendeinem Grund, konnte ich heute bis jetzt noch keine Kraft dazu aufbringen, aufzustehen und etwas produktives zu machen.
Das änderte sich erst, als mein Blick auf den Wecker auf meinem Nachttisch viel, dessen Ziffern anzeigten, dass es schon siebzehn Uhr sein sollte.
Wie vom Blitz getroffen riss ich die Augen auf und durchwühlte mein Bett nach meinem Handy, welches ich irgendwo zwischen Kissen und Decken auffinden konnte.
Meine Finger flogen geübt über das Display, als ich die Nummer meiner besten Freundin wählte, welche nach nur wenigen Tuten abnahm und sich fröhlich pfeifend meldete.
"Sara, wollen wir uns zusammen für heute Abend fertig machen?", obwohl ich nicht mit ihr darüber geredet habe, ging ich davon aus, dass sie dort sein würde. Es fand keine Feier ohne sie statt. Schon gar nicht, wenn es dort Alkohol, Essen und heiße Jungs geben sollte.
"Klaro, bin in einer Stunde bei dir.", ich konnte das Grinsen aus ihrer Stimme heraushören und nachdem wir uns verabschiedet haben, flitzte ich schnell ins Badezimmer, um mich zu duschen.
Obwohl ich dafür sonst nur zehn Minuten brauchte, dauerte es diesesmal mit waschen, rasieren, Haarkur und eincremen viel länger. Aus irgendeinem Grund, hatte ich heute das Bedürfnis, besonders frisch und herausgeputzt zu sein. Vielleicht lag es daran, dass ich seit langer Zeit mal wieder ausging.
Nach dem Duschen zog ich mir lediglich schwarze Spitzenunterwäsche und einen Bademantel an und ging dann runter, um noch eine Kleinigkeit zu essen, bevor es klingelte.
Meine Eltern waren nicht mehr zu Hause, sie halfen bei den Vorbereitungen, zumal sie die Betas des Rudels waren.
"Ich habe so lange darauf gewartet, dass so ein Anruf von dir kommen würde. Jeden verdammten Abend in den letzten zwei Jahren.", warf sie mir grinsend vor, als sie mit unzähligen Taschen bewaffnet durch die Haustür kam und mich daraufhin umarmte.
Ihr Vorwurf ließ mich gleich schlecht fühlen und betreten senkte ich den Kopf. Auch wenn sie es nicht direkt gesagt hat, hatte sie doch recht- ich habe unsere Freundschaft in den letzten zwei Jahren ziemlich vernachlässigt und nicht nur unsere, die zu unserer gesamten Clique und trotzdem standen sie alle noch jetzt an meiner Seite.
Kleine Tränen traten mir in die Augen und ich zog meine beste Freundin sogleich nochmals in meine Arme.
"Es tut mir leid. Die letzten Jahre... Ich war nicht ich selbst. Ich habe unsere Freundschaft vernachlässigt, war eine schlechte Freundin und trotzdem bist du hier. Keiner von euch hat mich alleine gelassen, obwohl ich es euch nicht mal vorwerfen könnte. Danke.", ich konnte meine unendliche Dankbarkeit darüber kaum in Worte fassen.
"Oh Mercy, das ist doch selbstverständlich! Was für Arschlöcher wären wir, hätten wir dir einfach den Rücken zugewandt?-"
"Aber genau das habe ich bei euch und dem Rudel getan-", unterbrach ich sie, doch auch sie unterbrach mich wieder.
"Du hast eine unglaublich schwere Zeit durchgemacht, du hast deinen Gefährten und deine innere Wölfin verloren, ich kann mir gar nicht vorstellen, was das für Qualen gewesen sein müssen. Umso mehr freue ich mich, dass es dir jetzt besser zu gehen scheint und ich würde Cara am liebsten in den Arsch treten, dass sie nicht schon viel früher zurückgekommen ist!", wir lachten leise auf. Es tat wirklich gut, wieder richtig mit einer Freundin zu reden und ja, sogar lachen tat unglaublich gut und obwohl ich mich in diesen zwei Tagen manchmal schlecht Noah gegenüber gefühlt habe, weil ich glücklich sein konnte und er nicht, verstand ich langsam, dass es genau das war, was er für mich gewollt hätte- er hätte nicht gewollt, dass ich mein Leben seinetwegen weg warf. Im Gegenteil. Er hätte gewollt, dass ich weitermachte und genau das, nahm ich mir ab jetzt vor- weitermachen. Denn das Leben ging weiter und das vielleicht ohne Noah an meiner Seite, aber trotzdem war er noch bei mir. Er war in meinem Herzen und da würde er für immer bleiben, dort würde er weiterleben solange wie ich lebte und indem ich aufgehört habe mein Leben zu leben, habe ich auch seines weggeworfen. Nur weil ich Spaß hatte, hieß das nicht, dass ich ihn vergessen würde. Nein, ich würde all die Sachen machen, die er geliebt hatte und die wir zusammen gemacht haben und wusste, dass er dabei immer bei mir sein würde.
***
Andächtig strich ich über den samtigen Stoff des Kleides, welches ich in meinen Armen hielt.
Ich war bereits geschminkt und meine Haare waren ebenfalls frisiert- sie wurden zu Locken aufgedreht und anschließend hochgesteckt, sodass nur ein paar Strähnen verspielt mein Gesicht umspielten.
Jetzt ging es daran, ein Kleid für den Abend auszuwählen und obwohl ich nicht extra eins gekauft habe, wusste ich direkt, welches es werden würde.
Es war ein bisschen heller als weinrot aber nicht zu knallig und an dem Oberkörper eng anliegend, was die Tallie schön betonte. Ab dort fiel es locker bis auf den Boden, ein Schlitz ließ meinen nackten Oberschenkel bei jedem Schritt aufblitzen und als ich es anhatte und dazu hohe Schuhe trug, ging es gar nicht mehr komplett bis auf den Boden, sodass man die Spitzen der Schuhe erkennen konnte. Ein tiefer Rückenausschnitt legte meinen Rücken frei, was diese Frisur noch praktischer machte. Trotz allem wirkte das Kleid nicht nuttig, sondern elegant und wunderschön.
Es hing all die Jahre unberührt und von einem Kleidersack geschützt in meinem Schrank, ohne, dass ich es einmal angezogen habe.
Eigentlich war es für die Abschlussfeier von Noah gedacht, aber da diese nie stattgefunden hat, zumindest nicht mit ihm, kam es bis jetzt noch nie zum Einsatz, was ich heute ändern wollte.
"Wow, du siehst umwerfend aus. Die Jungs werden Augen machen!", hauchte Sara, als sie sich nach dem Schminken zu mir drehte und zeigte beide Daumen nach oben.
Glücklich lächelnd strich ich über den weichen Stoff meines Kleides und konnte die Vorfreude auf den kommenden Abend nun doch nicht länger unterdrücken.
DU LIEST GERADE
forever mate *pausiert*
LobisomemSeit dem Tod ihres Mates hat Mercy den Glauben in das Gute verloren und sich von anderen ihrer Art abgekapselt. Doch was ist, wenn plötzlich ein Typ in ihr Leben tritt der behauptet, sie sei seine Mate? Ist es möglich, dass Mercy einen zweiten Seele...
