13 | Eine Bitch kommt selten alleine

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K A P I T E L 13

Der gestrige Tag ist wunderschön gewesen. Alaric und ich sind in unserer Wolfsform durch den Wald gejagt. Wir haben keine Gedanken an die Vergangenheit verschwendet, oder an die Zukunft. An das was noch kommen mag und an das, was geschehen ist. An die Schatten die uns zeichneten, denn eins war gewiss, Alaric hatte ein Geheimnis, welches er zu verbergen versuchte. Eines, dessen Schatten stets über ihm schwebte.
Wir haben einfach im Hier und Jetzt gelebt und die Zeit genossen. Geredet, gelacht, uns besser kennengelernt und in unserer Wolfsform gekabbelt.
Der Gedanke daran, bescherte mir noch immer ein aufgeregtes Kribbeln im Bauch und ein Grinsen auf den Lippen.

Es war schon krass, wie schnell die Dinge sich ändern konnten. Noch vor ein paar Tagen, war-

Meine Gedankengänge wurden jäh unterbrochen, als ich von der Seite angerempelt wurde.

„Wie kann es sein, dass du auf einmal wieder eine Wölfin hast, nachdem sie doch angeblich verschwunden ist? Und wie kann es sein, dass du noch einen Mate hast? Hast du dir etwa alles nur ausgedacht?", fragte sie gehässig und musterte mich argwöhnisch.
Ein Mädchen aus meinem Rudel stand vor mir.
Erdbeerblondes, glattes, langes Haar. Pferdepony.
Eyeliner.
Blaue Augen.
Rote Lippen, von Natur aus.
Ja, sie war verdammt hübsch aber sie war auch eine scheiß Bitch, die sich in alles einmischte und die sich an jeden ranmachte, der einen höheren Rang als sie hatte.
Audrey Lanchester.

Und unterstellte diese Bitch mir da gerade etwa, dass ich mir nur ausgedacht habe, dass Noah mein Mate ist und, dass ich ihnen die ganze Zeit etwas vorgemacht habe? Dass ich gespielt habe, dass es mir schlecht ging?

Bei ihren Worten stieg mir ein Knurren im Hals auf, welches ich nur schwer unterdrücken konnte und Wut kochte in mir auf. Sie brodelte. Sie schäumte sich auf, immer weiter und weiter, wie eine Flasche Cola, die geschüttelt wurde und kurz vor dem platzen war. Der Druck stieg...

„Hör mir mal zu, du-", meine Stimme war ein reines Knurren, verzerrt. Alles andere als menschlich.

„Okay, das reicht. Guten Morgen Audrey, war schön dich gesehen zu haben, vorher war es schöner!", rief Sara, die augenscheinlich gerade an uns vorbeigelaufen und das Gespräch mitverfolgt hatte und wollte mich am Arm fassen, um mich wegzuziehen.

Ich fragte mich, wer das Gespräch noch mitangehört hatte.

„Ich spreche nur das aus, was alle anderen denken!", rief Audrey uns hinterher.

Augenblicklich blieb ich stehen und zog die Augenbrauen zusammen. Alle Blicke waren auf uns gerichtet. Die anwesenden Lykaner hatten alles mitangehört. Aus den Blicken des neuen Rudels las ich lediglich Vewirrung und Bosheit darüber, dass ihre zukünftige Luna beleidigt wurde aber in den Blicken meiner Rudelmitglieder erkannte ich zum Teil Mitleid und zum anderen Teil Verachtung. Sie glaubten also wirklich an die Worte von Audrey. Sie glaubten also wirklich, dass ich mir nur ausgedacht hatte, dass Noah mein Gefährte war oder eben, dass ich mir das mit Alaric nur ausgedacht hatte und ebenso schienen sie zu glauben, dass ich mir auch nur ausgedacht hatte, dass Cara verschwunden war. Hatten sie denn nicht gesehen, wie ich gelitten habe? Haben sie nicht gesehen, was die letzten zwei Jahre mit mir gemacht haben?

Eigentlich sollte es mir egal sein, was andere von mir dachten. Es sollte mich nicht interessieren, denn das einzige was zählte war, dass ich meine Familie und Freunde hatte und vor allem auch Alaric und Cara. Aber trotzdem versetzten mir die Blicke und das gesagte einen Stich ins Herz, der sich auf meinen gesamten Körper ausbreitete und sich dann in ein brennendheißes Feuer verwandelte, welches mich zu verbrennen schien. Aber das Gefühl tat nicht weh, es war eher angenehm.

Und dann explodierte die Colaflasche.

Sara, die mich bis eben noch festgehalten hatte, damit ich keine Dummheiten tat, ließ mich ohne widerstände los, als ich mich umdrehte und meinen Arm aus ihrem Griff befreite.

Dieses mal unterdrückte ich das Knurren, welches tief in mir aufstieg, nicht. Es war so tief und dunkel und mächtig, dass die Umstehenden zusammenzuckten und die Augen aufrissen. Oder lag es daran, dass meine Augen glühten? Ich konnte es nicht sehen, aber ich spürte es. Das Brennen hatte sich nun auf meine Augen beschränkt und ich wusste, dass es daran lag, dass sie glühten. Wie flüssiges Silber.

Knurrend schritt ich großen Schrittes auf das blonde Mädchen drauf zu, welches wie angewurzelt schien und mich anstarrte. Ihr Körper zitterte und ihr Herz pochte viel zu schnell. Ich konnte ihre Angst riechen und ihre Halsschlagader pochen sehen. Dann rannte sie aufeinmal weg und ein Schalter legte sich in meinem Inneren um.

Das Knurren verwandelte sich augenblicklich in ein bestiales Brüllen und wäre ich nicht von hinten gepackt worden, hätte ich mich verwandelt und wäre diesem Miststück gefolgt, um Rührei aus ihr zu machen.

Ich versuchte mich loszureißen und mich aus den Griffen zu befreien, wand mich knurrend umher, doch all diese Versuche brachten nichts. Im Gegenteil, es kamen mehr Hände dazu, die mich festhielten.

„Schafft sie ins Auto, wir bringen sie zu Alaric."

forever mate *pausiert*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt