K A P I T E L 08
Orientierungslos stolperte ich durch den Wald. Die Gegend kam mir so bekannt vor, als wäre ich hier schon öfter gewesen, sie erinnerte mich an unseren Wald, doch dafür war er viel zu düster.
Unheilvolle Schatten hingen in der Luft, waberten zwischen den Bäumen umher und schienen mit ihren eiskalten Klauen nach mir greifen zu wollen.
Angst kroch durch meinen Körper, setzte sich in meinen Muskeln und Gelenken fest und brachte meine Knochen neben der Kälte zum schlottern. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und das Blut rauschte in meinen Ohren, sodass es mir Mühe bereitete, irgendwas anderes zu hören.
Obwohl ich mich bemühte leise zu sein und kein Geräusch zu erzeugen, knackten die Äste und das Laub raschelte, wann immer ich eine Pfote vor die andere setzte.
Der metallische Geruch von Blut hing schwer in der Luft und vermischte sich mit der klirrenden Kälte und dem Gestank von Verwesung, welche mich beinahe zum Würgen brachten.
Am liebsten würde ich stehenbleiben oder umdrehen und ganz weit weg laufen, in Gedanken schrie ich mir die Befehle immer wieder zu, doch mein Körper reagierte auf keine von diesen.
Als ich durch das Dickicht trat, welches sich wie eine schützende Mauer vor mir auftat, erblickte ich einen riesigen Wolf auf einer Lichtung. Er hatte dunkelgraues Fell, welches an manchen Stellen nur lückenhaft Wuchs. An diesen Stellen konnte man wulstige Narben sehen, welche seine Haut zeichneten.
Als er mich bemerkte, riss er seinen riesigen Kopf herum und starrte mich geradewegs aus glühenden Augen an. In seinem Bick stand die Mordlust geschrieben, purer Hass und von seinen Leftzen tropfte dunkelrotes Blut auf den Waldboden. Seine Zähne waren rasiermässerscharf und bleckten sich, als er mich erblickte.
Schrecken breitete sich in mir aus und ein Ruck fuhr durch meinen Körper.
Aufeinmal konnte ich mich wieder bewegen.
Die Angst saß mir tief in den Knochen, als ich wie ein Pfeil durch den dunklen Wald jagte. Was ich sonst meine Heimat nannte, kam mir jetzt so fremd und unheilbringend vor, dass ich mich zwischen den Bäumen nicht mehr wohlfühlen konnte.
Ich lief rasend schnell und doch war ich zu langsam. Ich spürte den heißen Atem meines Verfolgers in meinem Nacken, hörte sein Knurren, spürte, wie es mir durch Mark und Bein ging. Meine Nackenhaare stellten sich auf, als ich hörte, wie er seine Schritte anzog und zum Sprung ansetzte.
Und gerade als ich dachte, dass es jetzt vorbei war, dass ich jetzt sterben würde, ganz alleine und verlassen im Wald und als jämmerliche Versagerin, denn ich war mal wieder nur davongelaufen, stolperte ich über etwas und lag aufeinmal wieder auf der Lichtung.
Das Knurren des Wolfes hallte zwar noch immer durch den Wald, doch von ihm war nichts mehr zu sehen. Mein Verfolger war verschwunden.
Erleichtert atmete ich durch, doch dann spürte ich die Nässe, die sich auf meinem Fell ausbreitete und nahm erneut den Blutgeruch wahr, welcher jetzt viel stärker und präsenter zu sein schien.
Mit Entsetzen blickte ich an meinem Körper herunter und stellte fest, dass mein graues Fell blutgetränkt war.
Ein angestrengtes Röcheln riss mich aus meinen Gedanken und lenkte meinen Blick neben mich.
Blondes Fell lag in einer riesigen Pfütze voll Blut und blaue Augen schauten mich hilfesuchend an.
"Noah!", schrie ich, aufeinmal wieder in meiner Menschengestalt und wollte meine Hände auf seine Wunde pressen, um die Blutung zu stillen, doch obwohl er neben mir lag, war er viel zu weit weg und ich konnte nicht näher an ihn ran. Je mehr ich mich anstrengte, desto auswegloser schien die Situation.
Mein Herz zog sich schmerzvoll zusammen und Schluchzer ließen meinen Körper beben. Tränen verschleierten meine Sicht, doch ich konnte ganz genau sehen, wie der Blick in seinen Augen immer glanzloser wurde, konnte hören, konnte fühlen, wie sein Herzschlag immer schwächer wurde und ich konnte nichts dagegen tun.
"Nein, nein!", schluchzte ich, als das Leben mit dem nächsten Atemzug aus seinem Körper wich und seine blauen Augen mir starr und kalt entgegen blickten.
Und dann waren da keine blauen Augen mehr, sondern braune, die mir genauso tot und starr entgegenblickten. Das Fell des Toten war nicht länger blond, sondern braun und lockig und ich schrie, als ich erkannte, dass der andere Tote der Alpha, mein anderer Gefährte, war.
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forever mate *pausiert*
WerewolfSeit dem Tod ihres Mates hat Mercy den Glauben in das Gute verloren und sich von anderen ihrer Art abgekapselt. Doch was ist, wenn plötzlich ein Typ in ihr Leben tritt der behauptet, sie sei seine Mate? Ist es möglich, dass Mercy einen zweiten Seele...
