K A P I T E L 11
Nach einer Weile, es kam mir unglaublich lange vor, atmete ich tief durch.
Ich lag noch immer in den Armen von Alaric und fühlte mich so sicher und geschützt wie noch nie.
Mein Herz schlug augenblicklich schneller, als ich mich dafür bereit machte, dass erste Mal in meinem Leben darüber zu reden, was vor zwei Jahren passiert ist.
Es fiel mir unglaublich schwer. Und ich hatte Angst davor. Hatte Angst, das Mitleid in seinen Augen zu sehen. Dass er mich genauso verurteilte, wie ich es selber tat.
"Vor zwei Jahren...", meine Stimme zitterte noch immer leicht und klang zerbrechlich und schwach, also genauso, wie ich mich heute Abend fühlte. Dabei habe ich gedacht, dass dies ein schöner Abend werden würde. Und jetzt? Jetzt war ich dabei, meine Vergangenheit wieder auszugraben und einem Fremden aufzutischen. Das erforderte mir eine ziemlich große Überwindung.
"Ich war fünfzehn, als ich Noah kennengelernt habe.", ich merkte, wie Alaric sich augenblicklich anspannte und konnte sogar ein leises Knurren in seiner Kehle aufsteigen hören, welches er zu unterdrücken versuchte. Wäre es nicht so ein ernstes Thema und mein toter Mate, über den ich reden wollte, hätte ich über diese Eifersucht gekichert.
"Ich war noch nicht sechzehn, also konnte ich meinen Seelenverwandten noch nicht finden, aber er. Er hat mich als diese erkannt und hat sich in mich verliebt. Natürlich, durch die Verbindung wird man ja quasi dazu gezwungen. Aber auch ich habe mich in ihn verliebt. Als ich dann sechzehn wurde, konnte auch ich die Verbindung spüren. Wir gingen schon immer in ein Rudel, hatten bis dahin nur noch nie viel miteinander zutun, was insofern ganz praktisch war, dass niemand von uns sein Rudel und seine Familie verlassen musste. Wir haben so viel Zeit wie möglich zusammen verbracht. Wir waren glücklich. Und wir haben uns geliebt. Ich habe ihn geliebt.", ich unterbrach mich selbst für eine kurze Pause, um nochmal Luft zu holen und um die Worte in meinem Kopf zu sortieren. Meine Stimme zitterte noch stärker, denn das was als nächstes kommen würde, das war das schwerste an dem ganzen Gespräch.
"Zwei Jahre haben wir miteinander verbringen dürfen.", meine Stimme war nur mehr ein schwaches Flüstern und auch wenn ich die Anspannung in Alarics Körper spüren könnte und es ihm wahrscheinlich echt schwer viel so ruhig hier zu sitzen, hielt er mich noch immer nach wie vor in seinen Armen und spendete mir Wärme, Schutz und Mut. Mut, den ich definitiv gebrauchen konnte.
"Wir waren beide Soldaten. Ich wusste so gut wie immer, dass ich einmal eine werden wollte und habe die Ausbildung begonnen, sobald ich in dem Alter war.", ich lachte leise auf, bei der Erinnerung.
"Dementsprechend mussten wir auch Patrouillengänge machen und das Rudel bei Kämpfen verteidigen, nur gab es solche Vorfälle nie. Hier ist es so ruhig, wir leben sozusagen am Arsch der Welt. So gut wie niemand kennt diesen Ort, wir wurden also nie angegriffen. Bis zu diesem einen Abend. Die Patrouille meldete aufeinmal Eindringlinge und dann ging alles ganz schnell. Es war eine Gruppe von fremden Lykanern, ich weiß nicht einmal, weshalb sie uns überhaupt angegriffen haben. Wir haben gegen sie gekämpft, ein paar von ihnen sind geflüchtet, andere gestorben. Aber Noah auch.", und ab da brachen die Dämme wieder und die Tränen flossen zum zweiten Mal an diesem Abend in Sturzbächen über meine Wangen.
"Ich habe mit einem anderen Wolf gekämpft und war zu sehr auf diesen fokussiert. Hätte ich nur etwas mehr auf meine Umgebung geachtet, dann... dann wäre...", ich schluchzte.
"Er ist gestorben, mein Mate. In dieser Nacht. Er wurde von einem der Lykaner ermordet, die es geschafft haben, zu fliehen. Ich wollte Noah helfen, aber ich war zu langsam. Als ich bei ihnen angekommen bin, war er bereits tot. Du glaubst gar nicht, wie sich das angefühlt hat. Mein Mate, mein Seelenverwandter ist gestorben und ich hätte es eigentlich auch tun sollen. Aber ich habe überlebt. Zumindest ein Teil von mir hat das, denn an diesem Tag ist auch meine innere Wölfin verschwunden. Sie war einfach weg, ich habe sie nicht mehr gespürt, nicht mal tief in meinem Inneren und ich war krank. Wirklich krank wegen dieser körperlichen Umstellung. Und ich war nicht mehr ich Selbst. Aber davon kann ich selber wohl nicht so gut erzählen.", ich blickte auf meine Hände, welche ich noch immer in sein Hemnd gekrallt hatte.
Alarics Körper war noch immer bis aufs äußerste angespannt, doch diesesmal drückte er mich fest an seinen Körper. Er wusste, dass ich Halt brauchte und, dass nur er mir diesen geben konnte.
"Ich konnte nicht mehr richtig schlafen, noch bis heute habe ich diese Alpträume. Du kannst dir sicher denken, was es für welche sind.
Als ich vor einer Woche im Wald war, habe ich das erste Mal deine Fährte wahrgenommen und wie aus dem Nichts war Cara wieder da. Ich habe die ganze Zeit gedacht, dass sie tot wäre oder so, aber sie war einfach wieder da und sie hat behauptet, dass du unser Gefährte bist, dabei ist Noah doch unser Mate gewesen und vor zwei Jahren gestorben. Das Gleiche hat sie auch heute in der Turnhalle behauptet. Es war einfach zu viel für mich und ich habe es nicht verstanden, verstehst du? Ich war so wütend auf sie, dass sie Noah einfach vergessen hat, dass sie lieber einen anderen wollte und vor allem war ich verwirrt und hatte Angst. Ich musste einfach raus aus dieser Situation."
Wir schwiegen einen Moment. Als ich zwischendurch glaubte, Alaric wolle etwas sagen, unterbrach ich ihn. Ich war noch nicht fertig. Vielleicht, kam der schwierigste Teil des Gespräches ja auch erst jetzt, denn jetzt musste ich über meine Gedanken und Gefühle reden und das war etwas, was mir unheimlich schwer viel. Ich drückte meine Gefühle lieber anders aus, aber das ging in diesem Fall nicht anders.
"Ich bin immer noch etwas verwirrt und vielleicht habe ich sogar noch Angst, aber nach dem Gespräch mit meiner inneren Wölfin und vor allem eben, als du mich in den Arm genommen hast, ist mir klar geworden, dass es stimmt. Dass du wirklich mein zweiter Gefährte bist- gott ausgesprochen hört sich das ja noch komischer an.", ich lachte kurz auf und spürte, wie auch Alarcis Brust kurz vibrierte.
"Jedenfalls ist mir klar geworden, dass ich dich wirklich brauche, um zu überleben, auch wenn es mir in der ersten Zeit vielleicht noch etwas schwer fallen wird. Deswegen bitte ich dich darum, dass wir es langsam angehen lassen. Also natürlich nur, wenn du mich auch als deine Mate akzeptierst, immerhin bist du Alpha und das Rudel wird sicherlich keine schwache Luna gebrau-"
Alaric unterbrach mich, indem er einen sanften Kuss auf meinen Scheitel hauchte und den Schmetterlingen in meinem Bauch, von denen ich dachte, sie wären mit Noahs Tod für immer verschwunden, neues Leben einhauchte. Aufeinmal begannen diese wieder Samba zu tanzen und ich war mir sicher, dass dies nicht der letzte Tanz sein würde, den sie in meinem Magen vollziehen würden.
"Du bist nicht schwach. Im Gegenteil, du bist die stärkste Frau, die ich kenne. Was du in deiner Vergangenheit durchmachen musstest und, dass du mich trotzdessen akzeptierst zeugt davon. Außerdem bist du meine Gefährtin, du bist für mich bestimmt und somit auch für das Rudel. Du wirst die beste Luna sein, die es sich vorstellen kann, davon bin ich fest überzeugt. Und natürlich akzeptiere ich dich, was ist das denn für eine Frage? Ich brauche dich ebenso wie du mich und das Rudel braucht dich ebenfalls."
Mir wurde warm ums Herz bei seinen Worten und es machte einen freudigen Hüpfer, als er mir gestand, dass er mich ebenfalls brauchte. Ich wusste, dass noch lange nicht alles gesagt wurde und es noch einiges zu besprechen gab, wie zum Beispiel, wie ich meiner Aufgabe als Hüterin nachgehen sollte, wenn ich doch hier als Luna gebraucht wurde und, aus welchem Grund sein Rudel hierher gezogen war. Ausgerechnet in eine Gegend, die so gut wie nie fremde Gesichter zu Gesicht bekam. Alleine anhand Killians Reaktion zu diesem Thema konnte ich feststellen, dass mehr dahinter stecken musste. Das war ein Geheimnis, welches es zu lüften galt, doch nicht jetzt, nicht hier. Nicht an diesem Abend, denn gerade war alles perfekt. So perfekt wie es in solch einer Situation eben sein konnte und ich war für jeden perfekten Moment in meinem Leben dankbar, denn diese gab es nicht oft und es würde sie auch in Zukunft nicht oft geben.
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forever mate *pausiert*
WerewolfSeit dem Tod ihres Mates hat Mercy den Glauben in das Gute verloren und sich von anderen ihrer Art abgekapselt. Doch was ist, wenn plötzlich ein Typ in ihr Leben tritt der behauptet, sie sei seine Mate? Ist es möglich, dass Mercy einen zweiten Seele...
