Julian war wie erstarrt, während Kai seinen Blick nicht eine Sekunde von ihm abließ.
Eine gefühlte Ewigkeit war es still im Zimmer, bis Kai eine weibliche Stimme an Telefon hören konnte: "Hallo? Julian? Bist du noch da?"
"Wer ist das?"
"Niemand"
"Niemand?"
"Niemand, den du kennst"
"Bist du dir da sicher?"
Kai schaut Julian weiterhin erwartungsvoll an, dieser antwortete jedoch nicht auf Kais letzte Frage. Stattdessen widmete er sich wieder der Frau am Telefon: "Ich-ich rufe dich später zurück, okay? Ich muss jetzt los, tschüss" beendete Julian das Gespräch.
"War das Lizzy?" fragte Kai trocken.
Julian starrte auf sein Handy und fing nach wenigen Sekunden an zu nicken.
"Ah ja, so viel zu 'niemand, den ich kenne'" fügte Kai hinzu. Innerlich brodelte es in ihm. Doch er wusste, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt war, wie ein Vulkan auszubrechen.
"Kai...ich kann das erklären"
"Ach echt? Wieso hast du es dann bis jetzt nicht getan und das Thema praktisch totgeschwiegen?"
Kai wusste, er könnte sich nicht zurückhalten, wenn dieses Gespräch noch länger anhielt.
"Ich..ich wusste nicht, wie ich das ansprechen soll" versuchte Julian sich verzweifelt zu erklären.
Kai schaute ihn wenige Sekunden an, bevor er sich umdrehte und Richtung Zimmertür ging: "Ich gehe runter zum Essen" waren Kai's letzten Worte, bevor er das Zimmer verließ und Julian alleine war.
"Verdammt" rief Julian und ließ sich auf sein Bett fallen. Es gab praktisch kein schlimmeres Szenario, welches er sich hätte vorstellen können.
Kai stampfte die Treppen runter zum Speisesaal und versuchte, so gut es ging, seine Wut zu unterdrücken. Nachfragen der anderen wären jetzt das letzte, was er gebrauchen konnte. Er nahm sich einen Teller, klapperte schnell und zielstrebig das Buffet ab und setzte sich an einen Tisch zu Jamal, Serge und Leroy.
„Hey, Kai!" begrüßte ihn Serge und Kai zwang sich, ihm ein kurzes Lächeln zu schenken.
„Was hast du noch im Zimmer gemacht?" fragte ihn Jamal.
Kai war wie erstarrt. Er konnte ihm nicht den wahren Grund sagen. Zumindest nicht jetzt. Und nicht hier.
„Ich...ich wollte nur was nachschauen, ist nicht so wichtig"
Jamal schaute Kai etwas ungläubig an. Kai spürte Jamal's Blick auf seiner Wange, zwang sich aber, nicht zu ihm zu sehen. Er wusste, Jamal hatte seine Lüge bereits erkannt. Trotzdem betete er innerlich, dass Jamal das Thema, zumindest jetzt, in Ruhe lassen würde. Das tat er auch.
Kai leerte seinen Teller zielstrebig. "Wow, wieso schlingst du denn dein Essen so runter? Hast du Stress?" fragte ihn Leroy und schaute etwas skeptisch auf Kais Teller.
"Ich habe einfach ziemlich Hunger" antwortete ihm Kai schnell und widmete sich zügig wieder seinem Essen.
Wenige Minuten später kam auch Julian in den Speisesaal. Er scannte kurz den Raum und seine Augen blieben bei Kai stehen. Seine Augen waren starr auf ihn gerichtet.
"Hey, Jule!" hörte er plötzlich von hinten und zuckte zusammen. Erst jetzt konnte er seine Augen von Kai lösen.
"Habe ich dich erschreckt?" fragte ihn Marco, der mit einem gefüllten Teller mittlerweile neben ihm stand.
"Ach, alles gut. War nur kurz in Gedanken"
"Willst du dich zu uns setzen? Oder sitzt du bei Kai mit am Tisch?" fragte Marco und zeigt auf seinen Tisch, an dem ebenfalls Mats und Niklas saßen.
"Ich würde mich gerne zu euch setzen. Ich hole mir dann nur schnell was zu essen" sagte Julian und schenkte Marco ein kurzes Lächeln. Julian ging mit einigen Schritten auf das Buffet zu, und klapperte die Tische mit Essen ab.
Nach wenigen Minuten saß Julian an Marcos Tisch. Kai war ziemlich in seinem Blickwinkel und er erwischte sich mehrmals, wie sein Blick kurze Zeit auf Kai verweilte. Würde er nochmal die Chance bekommen, mit ihm zu reden? Würde Kai ihm überhaupt zuhören? Julians Gedanken kreisten nur um das eine Thema: Kai. Er konnte seine Wut nachvollziehen. An seiner Stelle hätte er wahrscheinlich genauso reagiert.
"Geht's dir gut?" hörte Julian plötzlich eine Stimme, die ihn aus seinen Gedanken riss. Niklas hatte ihn angesprochen.
"Hm, ja, also, habe etwas Stress mit Kai, das macht mir zu schaffen. Aber sonst, alles gut"
"Was ist denn passiert?" fragte Niklas verständnisvoll.
"Naja, ich hab ziemlichen Mist gebaut, um ehrlich zu sein. Seine Wut ist also schon berechtigt"
"Sicher? Ihr zwei wart doch immer unzertrennlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du etwas so schlimmes getan hast, dass er dir nicht verzeihen kann"
"Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher. Ich habe mich eine lange Zeit nicht bei ihm gemeldet. Ich meine wirklich nicht gemeldet, alle seine Anrufe verpasst, keine Nachrichten gelesen oder beantwortet, ich war weg und dann..."
"Und dann?" fragte Mats nach.
Julian schaute in die Runde: "Dann tauche ich hier auf, verspätet wohl bemerkt, und glaube echt, dass alles normal zwischen uns ist"
"Wieso hast du denn seine Nachrichten und Anrufe ignoriert?" wollte Niklas wissen.
Julian muss schlucken. Die anderen drei konnten in seinem Gesicht sehen, wie schwer es ihm fiel, weiterzureden.
"Um ehrlich zu sein, ich weiß es selbst nicht. Ich war so in meinem Film"
"In deinem Film? Wie meinst du?" fragte Marco.
"Ich bin wochenlang, wie verrückt, zwischen Dortmund und Leverkusen gependelt. Ich bin nach dem Training aus Dortmund nach Leverkusen gefahren, um dann teilweise früh morgens um fünf zurückzufahren. Ich stand unter Strom und habe nicht nachgedacht. Ich wollte ihm antworten, aber..."
"Aber irgendwie auch nicht?" spekulierte Niklas und Julian nickte zustimmend.
"Okay, das ist ja alles so schlüssig, aber du hast uns noch nicht gesagt, warum du wie ein Verrückter gependelt bist? So weit sind Dortmund und Leverkusen jetzt auch nicht entfernt"
"Ich wollte einfach, dass niemand etwas merkt. Dass niemand merkt, dass ich überhaupt weg war. Wie gesagt, ich war in meinem eigenen Film und habe nicht nachgedacht"
"Wieso bist du gependelt, Julian?" fragte Mats erneut.
Julian musste erneut schlucken und starrte auf den Tisch.
"Ich-"
"Hey, Jungs! Kommt ihr noch schnell in den Besprechungsraum? Hansi wollte den Ablaufplan für heute nochmal besprechen" sagte Mario Götze und unterbrach das Gespräch am Tisch.
Julian atmete tief durch: "Ja, klar. Wir kommen!" sagte er und sprang auf. Julian war in seinem Leben noch nie so froh gewesen, Mario zu sehen.
Bevor die anderen am Tisch überhaupt die Chance hatten, Widerworte zu geben, war Julian bereits auf dem Weg zur Tür.
Während Julian den Flur zum Besprechungsraum entlang ging, hörte er aus der Ferne Musik.
🎵 I wrote this song to say I'm sorry
🎵 Cause everytime you ever call me, I been lyin'
🎵 Been telling you that I'm fine, that I'm feeling so much better
🎵 But I feel like shit whenever I look in the mirror
🎵 I wrote this song to say I'm sorry
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versprochen ist versprochen
Fiksi Penggemarfanfiction über die Freundschaft von Kai Havertz und Julian Brandt Vorschläge und Ideen sind immer willkommen, ihr könnt mir hier oder auf Instagram schreiben💖 Insta: @vogi.aep
