Ein Nächtlicher Spaziergang

144 9 10
                                        

9.kapitel


Pov: Russland

 Mitten in der Nachte wurde ich von einem dumpfen Schlag auf die Schulter geweckt. Erst murmelte ich das Deutschland es doch bitte lassen sollte, doch erst dann merkte ich das er ja gar nicht wach war. Der Kleine hatte die Decke von sich weggetreten und wälzte sich unruhig hin und her. Dabei trat er mit den Beinen und warf seine Arme durch die Luft. Währenddessen murmelte er unverständliche Wörter, oder sogar ganze Sätze und wimmerte jede fünf Sekunden. 

Eine Weile musterte ich ihn besorgt bis ich mich dann halb über ihn beugte und ihn wachrüttelte ,,Hey! wach auf Germs" Flüsterte ich dabei. Mit einem erstickten Schrei fuhr der Deutsche hoch und sah sich hastig um. Der Arme stand komplett unter Schock und zitterte am ganzen Leib. Ich setzte mich ihm gegenüber und hielt ihn auf Armlänge vor mir ,,Hey, Deutschland. Alles ist gut. Es war nur ein böser Traum. Beruhig dich" doch er beruhigte sich nicht. Mit Tränen in den Augen sah er mich an und fragte mit gebrochener Stimme ,,Wo ist Paps?" Auf viele Fragen war ich vorbereitet.
Auf viel außer die.

Was sollte ich ihm sagen, wusste er es nicht mehr selbst?,,Deutschland" sagte ich so ruhig wie ich konnte ,,Dein Vater...ist nicht mehr am Leben, weißt du das den nicht mehr?" eine Weile starrte mich der Kleinere an, dann flossen die ersten Tränen seine Wangen hinunter und mit einem krächzen in der Stimme gab er ,,Doch" von sich .

Es war nur ein einziges Wort, aber die Art wie er es aussprach zerbrach mir mein Herz. Ohne zu zögern zog ich ihn zu mir und presste seinen Kopf an meine Brust ,,Es ist alles gut Германия (Deutschland)" flüsterte ich ihm erneut zu. Nun vergrub der Deutsche sein Gesicht nur noch mehr an meinen Körper und klammerte sich mit seinen Armen um meinen Oberkörper ,,schhhh" machte ich mehrmals auf die beruhigendste Art die ich konnte. Dabei strich ich ihm beruhigend über seine nassen Haare, die von seinem schlechten Traum komplett Schweiß gesträngt waren ,,Geht es wieder?" fragte ich ihn besorgt und Deutschland nickte mir etwas betrübt zu als wir uns lösten ,,was war den los?" ,,Ich hatte einen Traum. In dem Traum war mein Vater. Er ist mit einer Pistole in der Hand in mein Zimmer gegangen und hatte sie die Waffe an seine Schläfe gehalten...Immer wieder hat er gesagt dass sein Tod meine Schuld wäre. Ich habe versucht zu ihm zu rennen, doch jemand...nein...etwas hatte mich Festgehalt. Kein kleines Stückchen kam ich voran und musste zusehen, wie mein Vater den ....den Abzug betätigte und zu Boden fiel" Seine Stimme wurde wieder brüchiger und man merkte wie sehr er sich anstrengte nicht noch ein zweites Mal in Tränen aus zu brechen. ,,Willst du ne Runde gehen? Spaziergänge sollen beruhigend auf einen wirken" fragte ich ihn nach einer Weile, worauf ich ein ,,Gerne" zurück bekam.

Kurzer Hand streifte ich mir Hose und T-Shirt über, zog, wie Deutschland, meine Flip-Flops an und ging mit ihm in Richtung Stadt. Die ganze Zeit über sprachen wir kein Wort, bis wir in einem Park angelangten. Auf einer Wiese machten wir halt. Jeder Zentimeter war mit mindestens einer Blume geschmückt und es roch herrlich.

Zur Krönung schien der Mond mit den Sternen um die Wette zu strahlen und tauchte den Ort in ein schönes und beruhigendes Licht. Zusammen gingen wir eine Weile über die Blumenwiese bis Deutschland stehen blieb und sich nieder ließ ,,Danke, das du dich so um mich kümmerst" Gab er kleinlaut von sich, als ich mich neben ihm setzet. Eins meiner Beine war von mir gestreckt, das andere war angewinkelt, wärend der Deutsche seine Knie mit seinen Armen umschlugen ,,Nicht der Rede wert" seufzte ich und schenkte dem Mann neben mir ein lächeln. Er erwiderte eines und sah nach einer Weile wieder gerade aus. Es schien als würde er jede Blume genau inspizieren um keine von ihnen vergessen zu können ,,Und? geht es dir besser?" fragte ich nach mehreren Minuten des Schweigens ,,ja, schon sehr viel". Diese Antwort ließ mich erleichtert ausatmen und ich legte mich ins Gras ,,Deine Haare werden doch davon dreckig" lachte der Kleinere leise als er es bemerkt hatte ,,Joa, die kann man waschen. Leg dich doch dazu" und nach nur wenigen Sekunden lagen wir beide im Gras. 

Am liebsten hätte ich jetzt seine Hand genommen, aber es schien mir einfach nicht passend. Gerade noch hatte er einen schlimmen Traum, wo sein Vater Selbstmord begeht und in der nächsten Sekunde sollte er strahlend mit mir Händchen halten, ne, ne, lass mal lieber. 

,,Wie lange hattest du jetzt eigentlich schon keinen Sex mehr?" platzte es irgendwann aus mir heraus. Ich wollte die Stille brechen, auch wenn sie nicht gerade unangenehm war und diese Frage schien die einzige zu sein die mir ein fiel. Den Deutschen schien das Thema wohl etwas unangenehm, aber nach einem kleinen Räuspern antwortete er ,,Vor ungefähr...zwei Monaten?" Er grübelte nochmal nach ,,Ja, das müsste passen. Zwei Monate" nun sagte er es schon etwas Selbstbewusster. 

Erstaunt hob ich meine Augenbrauen und glotze ihn an ,,vor so kurzer Zeit? ich dachte du hättest keine Beziehungen gehabt" ,,Hatte ich auch nicht" sagte er leicht beschwingt ,,Aber es gibt auch noch One night stands"
klar, dass ich daran nicht gedacht hatte. Aber ich habe auch eine Verteidigung zu der Sache. Früher hatte er mir nämlich mal erzählt, dass er nichts von ONS hielt und auch generell nur mit Leuten schlafen wollen würde mit denen er Zusammen war. 

,,Was guckst du mich so schockiert an?" fragte der Kleinere mich etwas beschämt ,,Ach, nicht's, es ist nur so, dass du das Früher nie gemacht hättest" Die Miene meines Freundes verhärtete sich ein wenig als er grummelte ,,Es ist viel Zeit zwischen früher und jetzt vergangen. Glaub mir, da wird man manchmal zu einer ganz anderen Person". Das nahm ich mal einfach so hin, den irgendwie hatte er ja auch recht damit. Natürlich verändern sich die Leute. Schreiten manchmal über ihre eigenen Grenzen und erleben Sachen wie eben solche One night stands. 

,,Können wir wieder zurück?" sprach Deutschland mich nun wieder an,,N-Natürlich, komm, ich helf dir auf" sagte ich schnell, sprang gefühlt auf und reichte ihm meine Hand zum Aufstehen. Dankend nahm er sie an und zog sich an mir hoch. 

Zusammen schlenderten wir wieder zurück und schlichen leise durch den Spalt zwischen Tür und Türrahmen. Sobald wir auf unseren Seiten des Bettes lagen merket ich relativ schnell wie schwer doch meine Augen waren und meine Gedanken drifteten ab. Sie verschwammen immer mehr bis alles schwarz war und meine Träume bahnten sich den Weg zu mir durch.


Looking for love, or stay alone? /Deutschland und Russland Story ^^Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt