Kapitel 8

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Ich wusste nicht wie lange ich hier schon im Dunkeln saß und vor mich hin vegetierte. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren und spürte wie mich mit jeder weiteren Minute panische Einsamkeit erfasste. Ich wusste noch nicht einmal ob wir noch Samstag hatten. Ich spürte wie mich der Hunger überkam und meine Gedanken wieder in der Ferne abschweiften. Nur zu gerne wüsste ich wie es meiner Familie gerade ging. Ob sie sich sorgten, weil ich nicht aufgetaucht war oder ob es ihnen egal war, weil sie nichts anderes von mir erwarteten. In Gedanken konnte ich mir ausmalen wie meine Mutter vor mir saß und mich mit enttäuschten Augen musterte, so als ob ich in meinem Leben nie etwas anderes gewesen wäre. Eine Enttäuschung. Ich versuchte die aufkommenden Tränen herunter zu schlucken, versuchte mein schnell schlagendes Herz zu beruhigen und meine zitternden Finger unter Kontrolle zu bringen. Ich spürte meine Arme kaum noch, sie waren schon ganz steif und schmerzten. 

Sie brannten regelrecht, so als würden meine Handgelenke in Flammen stehen. Was passierte da draußen wohl, drehte sich die Welt einfach weiter oder suchte man bereits nach mir? Hatte Leah schon etwas gemerkt? Was wenn sie es wüsste, ich wollte nicht das sie sich um mich sorgte. Ich kam hier gut alleine zu recht und ich war noch weit davon entfernt die Flinte ins Korn zu werfen. Die Leute würden mich nicht brechen können. Sie würden kein Wort von mir erfahren, kein einziges. Ich wusste dass sie nur zu gerne wissen wollten, was die Polizei alles über sie wusste, doch ich würde nichts sagen. Wir wussten zwar nicht viel aber genug, ich für meinen Teil jedenfalls. Und da ich wusste, dass ich hier wieder lebend rauskommen würde, werde ich diese Dreckskerle allesamt hinter Gitter bringen. 

Die Dunkelheit um mich herum wurde immer erdrückender, einzig allein der helle Lichtschein der unter der Tür hervorlugte registrierte mir dass ich nicht völlig alleine war. Ich musste endlich etwas zur Ruhe kommen und meinen ruhelosen Gedanken für ein paar Minuten eine Pause gönnen. Mit dieser Intention schloss ich langsam die Augen und versuchte etwas Ruhe in meinen Geist zu bringen. Schnell wurde mein Vorhaben jedoch gestört als sich die Tür unerwartet öffnete und die Lampe über mir grell aufleuchtete. Etwas geblendet kniff ich meine Augen zusammen und versuchte zu erkennen, wer gerade den Raum betreten hatte. Rote lockige Haare ragten in mein Sichtfeld was mir zu verstehen gab, das ich diese Person nicht kannte. Stöhnend blinzelte ich noch ein paar mal, ehe sich meine Sicht klärte und ich endlich erkannte, dass eine bildhübsche junge Frau den Raum betreten hatte. In der einen Hand hielt sie einen weißen Teller und mit der anderen schloss sie die Tür hinter sich. Ein freundliches Lächeln zierte ihre fein geschwungenen Lippen, während ihr Gesicht von ihrer wilden Mähne umrahmt wurde. Für einen Moment etwas irritiert schaute ich perplex zu ihr herüber, hatte ich nicht damit gerechnet jemanden wie sie hier an zu treffen. 

Sie wirkte selbstbewusst in ihrem Auftreten, als sie langsam auf mich zu kam und sich vor mich auf den Boden kniete, so wie es Rafael zuvor getan hatte. „Ich bin Gabriela, du kannst mich aber gerne Gaby nenne. So machen es jedenfalls die meisten hier", murmelte sie freundlich und zeigte mir dabei ihr weißes Lächeln, welches aber kaum ihre Augen erreichte. Ihre Augen strahlten gekünstelt, doch ich ließ mich davon nicht täuschen. Ich wusste was das hier für eine gespielte Show werden sollte und ich würde nicht darauf hereinfallen. Was auch immer Rafael geplant hatte, mich mit Nettigkeit erschlagen oder mich foltern zu lassen, ich würde nicht darauf anspringen. Was für ein krankes Weltbild musste man haben um zu glauben, dass ich hierfür schwach werden würde. Ich bin Polizistin, ich kannte die meisten Tricks. Natürlich nicht alle und natürlich musste dies nicht immer zutreffen aber anders konnte ich es mir nicht erklären. Ich wollte nicht mit mir spielen lassen und erst recht war ich nicht naiv. 

Auch wenn sie vielleicht wirklich nur nett sein wollten, würde ich es nicht darauf ankommen lassen. Außerdem durfte Rafaels Erwartungshaltung nicht so hoch sein, denn eine Geisel zu nehmen war gleichzusetzen mit mentaler Sklaverei und jemandem die Freiheit zu rauben, trug nicht dazu bei eine freundschaftliche Basis zu schaffen. Ich saß nun über Stunden hinweg in diesem finsteren Zimmer, zitterte am ganzen Körper und musste mit Einsamkeit wie Ruhelosigkeit kämpfen. Mir ging es beschissen und nun kam da so ein strahlender Sonnenschein um die Ecke als wäre alles so wie immer. Am liebsten hätte ich dieser Frau, das dämliche Grinsen aus dem Gesicht geschlagen, doch stattdessen saß ich da komplett verstummt und starrte sie missmutig an. Du kannst mich gerne Gaby nennen. Ja ist klar, ein scheiß werde ich tun. Wir sind alle alt genug um uns nichts vormachen zu müssen. 

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