20. Kapitel: Schock

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Tylers POV:

"Tyler, kannst du bitte kurz mal in die Küche kommen?", höre ich meine Mutter rufen.

"Ja. Was gibt's?"

Sie drückt mir eine Stofftasche in die Hand. "Wärst du so lieb und bringst die Opa ins Krankenhaus vorbei?"

"Klar. Sonst noch was?", frage ich nach und bekomme ein Kopfschütteln als Antwort.

Ich nehme die Stofftasche und fahre mit meinem Auto los zum Krankenhaus. Ich habe meinen Opa schon seit langem nicht mehr gesehen. Er hatte in letzter Zeit oft Probleme mit seinem Blutdruck, weshalb sie ihn lieber über ein paar Nächte dort behalten wollen, um ihn beobachten zu können.

Dort angekommen, sage ich an der Anmeldung Bescheid, dass ich ihn besuchen möchte. Sie winkt einer Krankenschwester zu, die auf mich zu kommt und mich zu seinem Zimmer führt. Bevor ich eintreten darf, warnt sie mich vor, dass er wahrscheinlich nicht ansprechbar sein wird, da er zurzeit viel Schlaf benötigt und ich ihn dann einfach schlafen lassen soll. Ich nicke ihr zu, bedanke mich bei ihr und trete an das Krankenbett meines Opas heran. Er schläft tatsächlich sehr friedlich. Der Monitor neben dem Bett piepst in einem regelmäßigen Abstand, weshalb ich beschließe die Tasche mit den Klamotten neben dem Bett abzustellen mit einem Notizzettel darauf, sodass er weiß, dass ich hier war. Danach verlasse ich sein Zimmer wieder und schließe die Türe ganz leise hinter mir wieder.

Ich entscheide mich dazu noch bevor ich das Krankenhaus wieder verlasse einen Besuch in der Cafeteria abzustatten um mir einen Kaffee zu holen. Auf dem Weg dorthin vernehme ich eine laute, jedoch sehr bekannte Stimme. Als ich um die Ecke biege, erkenne ich sie sofort.

Mia steht an der Anmeldung und wirkt sehr aufgewühlt. Sie sieht gut aus. Ihre schwarze Jeans und der graue Pullover stehen ihr wie angegossen. Mia lehnt sich auf die Theke der Anmeldung und scheint dennoch nicht ruhig auf den Beinen stehen bleiben zu können. Das Gespräch verläuft nicht gerade sehr angenehm. Kaum gibt die Frau an der Anmeldung eine strengere Antwort, pampt Mia sie ebenfalls an. In der Lautstärke unterhalten die beiden den kompletten Anmelderaum, der ziemlich groß und gefüllt ist. Sehr amüsant...

Meine Gedanken wollen mich dazu zwingen einfach weg zu gehen und mir einen Kaffee zu holen, aber meine Füße bleiben wie angewurzelt stehen. Egal wie fies Mia zu mir gewesen ist, sie wird mir nie egal sein. Auch als ich sie letztens im Sekretariat gesehen habe, fiel es mir nicht leicht, sie einfach zu ignorieren. Aber jetzt wirkt sie ganz anders. Auch wenn sie nach außen hin sehr abgehärtet wirkt, spüre ich genau, wie verletzlich sie wirklich ist. Am liebsten würde ich die Vergangenheit hinter mir lassen und sie in eine Umarmung nehmen, aber ich bin mir sicher, dass sie mich nicht unbedingt sehen möchte.

Die große Entfernung zu Mia reicht aus, um den Großteil des Gesprächs mitzubekommen.

Ich höre, wie sie die Dame an der Anmeldung um einen schnelleren Termin bittet, die jedoch den Anschein macht, von dieser Frage genervt zu sein, da sie die Frage vermutlich sehr häufig zu hören bekommt. Die Dame antwortet in einem strengen Ton: "Sag mal steht auf meiner Stirn "Wunschkonzert" geschrieben? Hier gibt es nun einmal strikte Regelungen, nach denen das hier alles funktioniert. Wenn Ihnen das nicht passt, dann schreiben Sie eine Beschwerde an die Klinik. Tut mir leid, aber ich kann Ihnen wohl nicht helfen. Nächster bitte."

"Sie könnten doch wenigstens noch einmal in das Viereck vor Ihnen schauen, ob nicht vielleicht ein früherer Termin möglich wäre. Ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar. Ihm geht es gar nicht gut", fleht Mia sie an. Es scheint wohl sehr dringend zu sein. Um wen es geht, kann ich jedoch nicht aus dem Gespräch heraushören.

"Das haben Klinik-Patienten so an sich. Tut mir leid, aber der Termin hat seinen Grund. Nächster", antwortet die Rezeptionsfrau und winkt den älteren Mann hinter Mia zu sich.

Touching HandsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt