»Guten Morgen«, begrüßte ihn Keno fröhlich. »Na? Hast du eine schöne Nacht gehabt?«
Veit grunzte lediglich und schnappte sich auch eine Tasse, um sich vom Vollautomaten Kaffee eingießen zu lassen.
»Endlich bist du da«, äußerte Alea etwas genervt. »Ich hätte gerne gestern Abend noch mit euch beiden geredet, aber da teilte mir Keno plötzlich mit, dass du auf einer speziellen Mission bist.«
»Das muss auch mal sein«, rügte sie Keno. »Jetzt ist ja auch noch genug Zeit, um darüber zu sprechen, was wir gestern erfahren haben.«
»Dann schießt mal los«, forderte Veit seine beiden Kollegen auf.
Sofort legte die rothaarige Schauspielstudentin los:
»Ich war ja gestern bei diesem Herr Jahn. Er wimmelte mich leider an der Tür total ab, aber ich konnte mit einer Nachbarin sprechen. Sie meinte, er würde seinen Sohn zuhause einsperren. Seit der Geburt, bei der übrigens die Mutter gestorben ist, bekam sie es nicht mehr zu Gesicht. Irgendwas stimmt da nicht.«
»Hast du eine Vermutung?«, hakte Veit nach.
»Die Mutter starb bei der Geburt, also denke ich, dass da etwas geschehen sein muss. Vielleicht sollte das Kind krank zur Welt kommen und um das zu verhindern, unterschrieb Jahn in diesem Teufelsbuch. Ihr beide wisst genau, was der Preis für Gesundheit ist.«
Keno und Veit nickten gleichzeitig betroffen.
»Aber warum sperrt er jetzt seinen Sohn seit Jahren zuhause ein?«, hakte Keno nachdenklich nach.
»Das weiß ich nicht, aber vielleicht hatte der Zauber eine Nebenwirkung wie bei Carlo.«
»Das müssen wir herausfinden«, schlug Veit vor.
»Das wollte ich sowieso«, erwiderte Alea. »Ich möchte da heute noch einmal hingehen, aber am liebsten mit dir zusammen, Veit.«
»Alles klar.«
»Sehr gut«, bestätigte Keno. »Ich möchte stattdessen heute noch mal in dieses Antiquariat gehen. Da ist auch etwas faul. Die Eigentümerin Frau Pechstein wollte mir keine Informationen geben, aber irgendwas weiß sie.«
So hatten alle drei wieder etwas zu tun für diesen Tag. Veit machte sich nach der Nacht erst einmal etwas frisch, bevor er mit Alea erneut losging. Keno machte sich direkt auf den Weg, damit er vor der Ladenöffnung bereits vor Ort war.
Er wartete ein paar Häuser weiter weg, damit ihn Frau Pechstein nicht sah, wenn sie zur Arbeit kam. So konnte er den Eingang sehr gut beobachten, ohne dass er gesehen wurde. Doch bevor Frau Pechstein auftauchte, sah er plötzlich drei andere, ihm bekannte Gestalten, nämlich drei Punker, die in Wirklichkeit bösartige Ghule waren. Von ihnen hatte er ursprünglich das Buch, weil sie es beim letzten Kampf einfach liegengelassen haben. Ausgerechnet sie platzieren sich vor dem Laden, als ob sie auf Frau Pechstein warteten. Der erste von ihnen war ein großer, dicker Mann mit grünen Haaren, die wie lange Stacheln vom Kopf abgingen. Der zweite Ghul war klein und hatte einen lila Irokesenhaarschnitt. Die dritte im Bunde war die Ghul-Frau mit kirschrotem, schulterlangem Haar, wobei die eine Hälfte ihres Kopfes kurz geschoren war. Alle drei hatten einen auffälligen Kleidungsstil mit viel Leder, abgerissenen Stoffen und Nietenschmuck.
Keno dachte im ersten Augenblick, dass sie tatsächlich mit Frau Pechstein zusammen arbeiteten. Wahrscheinlich hatte die Buchhändlerin die drei Ghule benachrichtigt, als Keno ihr das Buch zurückbrachte. Er ärgerte sich nun, dass er das getan hatte und das Buch nicht einfach behalten hatte. Er überlegte kurz, ob er seinen Bruder alarmieren sollte, entschied sich aber erst einmal abzuwarten, was passieren würde, sobald Frau Pechstein erschien.
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Mission Schicksal - 1.3 Rufe der Verzweiflung
Mystery / ThrillerDie Dämonenjagd geht weiter und führt Veit, Alea und Keno in ein Antiquariat mit okkulten Büchern. Wer ist die Inhaberin Frau Pechstein? Woher hat sie derartige Schriften? Welche Geheimnisse verbirgt sie? Und wenn das noch nicht genug ist, warten we...