Sofort begann ein Kampf. Halvar, der größte und stärkste Ghul, stellte sich Veit in den Weg. Er holte aus und wollte Veit mit der Faust ins Gesicht schlagen, doch dieser wich in letzter Sekunde aus, bückte sich unter dem Arm weg und sprang auf Cosmo zu. Dieser war so perplex, dass er den Tritt gegen seine Brust, den er von Veit erhielt, nicht aufhalten konnte. Er flog sofort zu Boden. Dana warf sich Veit auf den Rücken und wollte ihn in den Kopf beißen, doch Veit packte sie und warf sie über seine Schulter.
Eine Menschentraube bildete sich und schrie entsetzt, als sie den Kampf sah. Doch da brüllte Halvar die Leute mit seiner monstermäßigen Grimasse an, sodass sie schreiend das Weite suchten.
Dann wandte er sich wieder dem Dämonenjäger zu und attackierte ihn. Er packte Veit an den Armen und hob ihn in die Lüfte. Veit hatte keine Chance, vorher auszuweichen, doch er wusste sich zu helfen. Er trat mit beiden Füßen gegen Halvars Bauch, sodass er Veit fallen ließ. Er landete zwar rücklings auf den Boden, sprang aber sofort wieder auf und wehrte einen Schlag ab, den Cosmo gerade ausführte. Er reagierte sodann schnell mit einem eigenen Schlag in Cosmos Gesicht.
»Scheiße!«, rief Dana. »Lasst uns abhauen!« Sie nahm ihre Beine in die Hand und lief davon.
»Das zahlen wir dir heim«, drohte der dicke Halvar und folgte zusammen mit Cosmo dem weiblichen Ghul.
Erleichtert atmete Veit aus und wischte sich den Dreck von der Jeans.
»Das hast du super gemacht!«, rief plötzlich Kenos Stimme hinter ihm. Er trat aus der Ladentür und rannte auf Veit zu. »Du hast sie vertrieben. Danke!«
Gemeinsam gingen sie zurück zum Eingang des Antiquariats. Zuerst betrat Keno wieder den Laden und Veit wollte ihm folgen, doch er prallte an einer unsichtbaren Wand ab.
»Was soll das?«, fragte er irritiert.
Da stand auch schon Frau Pechstein neben Keno und schaute Veit misstrauisch an. Keno hatte eine üble Vorahnung, die die Inhaberin des Ladens bestätigte:
»Sind Sie ebenfalls ein Dämon?«
»Wie bitte?«, hakte Veit nach.
Nun musste Keno eingreifen und erklären:
»Das Geschäft wird durch einen Zauber von Dämonen geschützt.«
Veit riss voller Entsetzen die Augen auf und blickte in das Gesicht seines Bruders. Eine seiner größten Befürchtungen schien wahr zu sein:
»Heißt das etwa, ich bin ein Dämon?«
Frau Pechstein schaute von Keno zu Veit und wieder zurück. Sie wusste gar nicht, was gerade passierte.
»Vielleicht ist das auch ein Missverständnis«, versuchte Keno zu erklären. »Eventuell reagiert der Zauber auf was anderes. Du hast ja eben Körperkontakt zu den Ghulen gehabt.«
»Du weißt ganz genau, dass das Blödsinn ist. Außerdem kennst du diese dunkle Energie, die ich in mir habe. Das ist etwas Dämonisches...«
»Siehst du«, warf Keno sofort ein. »Vielleicht hat es was damit zu tun. Nur weil du so eine seltsame Kraft in dir hast, bedeutet das nicht, dass du ein Dämon bist.«
Frau Pechstein schüttelte den Kopf und bewegte sich vom Tresen weg.
»Sie glaubt auch, dass ich ein Dämon bin«, sprach Veit und deutete auf Frau Pechstein.
Keno wandte sich an die Inhaberin des Antiquariats:
»Sie glauben das doch nicht wirklich.«
»Was soll ich sonst glauben?«, antwortete sie ihm. »Ich kenne Sie doch gar nicht, aber scheinbar arbeiten Sie mit einem Dämon zusammen.«
Mit wenigen Schritten stand Keno bei der Frau am Tresen und erwiderte:
»Das da ist mein Bruder und er ist kein Dämon.«
Von unten nach oben betrachtete sie abschätzig beide Männer.
»So ähnlich sehen Sie sich aber nicht.«
»Wir sind Adoptivbrüder«, erklärte Keno.
»Also können Sie gar nicht wissen, ob er ein Dämon ist oder nicht. Mein Zauber lässt ihn jedenfalls nicht hier hinein und das spricht ganz schön dafür, dass er ein Dämon ist.«
Keno verdrehte die Augen.
»Na gut, Sie Hexe. Dann erklären Sie mir wenigstens, was das hier nun für ein Laden ist. Gestern haben Sie noch abgestritten, dass Sie weitere okkulte Bücher besitzen. Geben Sie es zu, Sie haben noch mehr in Ihrem Lager vorrätig.«
»Also gut«, antwortete sie genervt, »Sie haben recht. Ich bin eine Hexe und führe eine erhebliche Sammlung an magischen Büchern. Aber das geht Sie nichts an. Deshalb bitte ich Sie nun darum, mein Geschäft zu verlassen.«
Diese Aufforderung stieß bei Keno sofort auf Empörung:
»Das ist also der Dank dafür, dass wir Sie heute zweimal gerettet haben.«
Die Frau reagierte darauf nicht und tat so, als ob sie etwas in ihrer Handtasche suchte. Kopfschüttelnd drehte sich Keno um und verließ das Antiquariat.
Die beiden Brüder machten sich wieder auf den Weg zurück ins Büro. Keno war verärgert über Frau Pechstein und Veit dachte über sein eigenes Schicksal nach. Jetzt fühlte er sich noch mieser als zuvor. Er hatte sowieso schon die Vermutung gehabt, dass etwas nicht mit ihm stimmte und nun hatte er einen weiteren Beweis erhalten.
Als sie schon eine Weile gelaufen waren, hatte sich Keno einigermaßen beruhigt und so konnte er sich wieder an seinen Bruder wenden:
»Mach dir bitte jetzt nicht so viele Gedanken. Wir wissen nicht, was mit dir los ist, aber für mich ist eines sicher: Du bist kein Monter!«
»Hoffentlich...«
»Nein, wirklich! Vielleicht mag irgendeine dämonische Energie in dir stecken, aber die kriegen wir schon wieder heraus aus dir, wenn es sein muss. Du bist ein Mensch, genauso wie ich.«
Veit nickte, dennoch ließen ihn die Gedanken nicht in Ruhe und er machte sich weiterhin Sorgen. Er hoffte inständig, dass er bald herausfinden würde, was mit ihm los war, damit der ganze Spuk zu einem Ende kommen konnte. Bis dahin musste er sich wohl oder übel gedulden.
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Mission Schicksal - 1.3 Rufe der Verzweiflung
Mystery / ThrillerDie Dämonenjagd geht weiter und führt Veit, Alea und Keno in ein Antiquariat mit okkulten Büchern. Wer ist die Inhaberin Frau Pechstein? Woher hat sie derartige Schriften? Welche Geheimnisse verbirgt sie? Und wenn das noch nicht genug ist, warten we...