Kapitel 6

1 0 0
                                    

Kurz bevor sie in die Straße einbogen, in der Herr Jahn wohnte, vibrierte Veits Handy. Keno rief an und so ging er dran. Sein Bruder informierte ihn über die Belagerung der Ghule und gleich war Veit in Alarmbereitschaft.

»Ich komme sofort«, sprach er ins Handy und legte auf. »Ich muss zu Keno. Die Ghule lauern vor dem Antiquariat. Kommst du mit?«

»Was? Wie?«, stotterte Alea. Sie wusste gar nicht, was gerade los war. »Aber was ist mit diesem Jahn und seinem Sohn.«

»Das muss warten. Ich muss mir diese Monster schnappen.« Veit wirkte aufgeregt und man merkte, dass er es eilig hatte und sich sofort auf den Weg machen wollte.

»Dann geh los«, forderte ihn Alea auf. »Ich kümmere mich alleine um Herrn Jahn. Vielleicht kann ich ja doch etwas erreichen.«

»In Ordnung«, nickte Veit und machte direkt wieder kehrt. Er lief mit schnellen Schritten davon und ließ seine Praktikantin zurück.

Sie seufzte und überlegte kurz, was sie nun machen könnte. Da ihr nichts Besseres einfiel, entschied sie sich dazu, einfach noch einmal bei Herr Jahn zu klingeln und zu versuchen, mit ihm zu reden.

Sie nahm allen Mut zusammen und ging zum Haus, vor dem sie bereits am Vortag stand. Dann drückte sie auf die Klingel. Es dauerte einen Moment, aber dann flog die Tür auf.

»Sie schon wieder?«, spuckte der Mann verächtlich aus. Er trug die selben schmuddeligen Klamotten wie am Vortag und sein Haar war sogar noch zerzauster.

»Entschuldigen Sie bitte«, versuchte es Alea beruhigend. »Ich mache mir Sorgen um Sie und Ihren Sohn.«

»Was...?«, fragte Herr Jahn irritiert. »Was wollen Sie von uns? Verschwinden Sie?«

»Darf ich bitte Ihren Sohn sehen?«, fragte Alea direkt nach.

»Wie bitte?«, brüllte er plötzlich los. »Was soll das? Lassen sie uns in Ruhe! Hauen Sie endlich ab!« Herr Jahn wollte die Tür zuschmeißen, doch Alea stellte ihren Fuß in den Rahmen, sodass die Tür nicht zuging. Es schmerzte ein wenig, als die Tür gegen ihren Fuß knallte, aber so leicht wollte sie nicht aufgeben.

»Bitte, Herr Jahn, ich will Ihnen nichts Böses.«

Da explodierte der Mann und mit puterrotem Kopf schrie er:

»WAS FÄLLT IHNEN EIN? Nehmen Sie Ihren Fuß aus meiner Tür!« Er riss die Tür wieder auf und schubste Alea mit voller Wucht nach hinten, dass sie ins Taumeln geriet und beinahe auf den Boden flog. Der Mann bäumte sich vor ihr mit geballten Fäusten auf und fuhr mit aggressiver Stimme fort. »Verschwinden Sie jetzt endlich!« Sodann verschwand er im Haus und knallte die Tür nun endgültig hinter sich zu.

Alea war bestürzt, dass sie versagt hatte. Jetzt war sie sich sicher, dass hier einiges im Argen lag. Der Mann war so voller Wut, dass er sie vielleicht an seinem Sohn auslassen würde, wenn er das nicht schon längst getan hatte. Sie befürchtete sogar, dass der Junge bereits tot war und der Mann dies nur verheimlichte und deswegen niemanden ins Haus ließ oder selbst vor die Tür ging.

Die Schauspielstudentin bewegte sich schnell vom Grundstück und lief die Straße entlang. Ein paar Häuser weiter blieb sie stehen und sammelte sich erst einmal. Sie musste nachdenken. Was sollte sie jetzt tun?

Veit und Keno waren mit den Ghulen beschäftigt, weswegen ihr nur ihr Arbeitskollege aus der SonderBar einfiel. Sie rief Carlo an und es dauerte einige Momente, bis er abhob.

»Alea? Was kann ich für dich tun?«

»Ich brauche deine Hilfe in einem Fall. Hast du vielleicht jetzt Zeit und kannst vorbeikommen?«

»Oh«, entgegnete er, »das tut mir leid, aber ich bin gerade bei meiner Tante im Odenwald.«

»Ach so«, erwiderte Alea. »Mist! Dann entschuldige bitte, dass ich gestört habe.« Damit legte sie wieder auf und seufzte. Nun wusste sie wirklich nicht mehr, was sie tun sollte. Noch einmal klingeln konnte sie nicht, da würde der Kerl wahrscheinlich nicht einmal mehr öffnen. Und so alleine sich Zutritt zu verschaffen, konnte sie auch nicht, da sie viel zu schwach war.

Resigniert musste sie feststellen, dass sie momentan nichts tun konnte und das schmerzte. Sie wollte so gerne einschreiten und dem Jungen helfen. Wenn sie nur nicht den Verdacht hätte, dass etwas Übernatürliches hier im Gange wäre, würde sie einfach die Polizei anrufen. Aber so musste sie fürs erste aufgeben und es sein lassen.

Völlig frustriert machte sie sich auf den Weg in ihrWohnheim.


Mission Schicksal - 1.3 Rufe der VerzweiflungWo Geschichten leben. Entdecke jetzt