Kapitel 19

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Zuerst machten Keno und Alea einen Abstecher ins Wohnheim, wo Alea den Lexikon-Band aus ihrem Zimmer holte. Sie begegneten Rixa im Eingangsbereich des Wohnheims und sie äußerte erneut, wie leid ihr die Sache mit Herrn Jahn tat. Keno war überrascht, dass sie davon wusste und Alea versuchte ihn davon abzulenken, indem sie ihm sagte, dass sie ihm später erklären würde, warum Rixa Bescheid wusste.

Dann fuhren sie mit der Bahn zum Antiquariat. Alea schloss die Tür auf und sie gingen sofort in die hinteren Räume. Sie stellte das Buch zurück zu den anderen Bänden des Lexikons. Dann schauten sie sich in Ruhe um und Keno blickte über die Titel der Bücher. Das letzte Mal hatte er nicht die Ruhe, die er nun hatte, weil sie eilig etwas gesucht hatten. Jetzt ließ er sich Zeit, nahm auch das ein oder andere Buch aus dem Regal und blätterte darin.

»Das ist unfassbar gut«, lobte er. »Damit hätten wir echt großes Wissen auf unserer Seite.«

»Hast du es dir anders überlegt?«, wollte Alea wissen. »Willst du doch was mitgehen lassen?«

Nachdenklich schaute er sie an und antwortete:

»Ich weiß es nicht. Es juckt mich schon in den Fingern, aber ich hätte auch ein schlechtes Gewissen dabei.«

»Vielleicht hätte es Frau Pechstein gewollt, dass die Bücher in die richtigen Hände geraten. Schließlich täten wir nur Gutes damit und würden die Macht in den Büchern nicht für üble Zwecke nutzen.«

Dieses Argument fand Keno einleuchtend.

»Irgendwie hast du recht.«

Plötzlich hörten sie, wie die Ladentür aufging.

»Oh nein!«, rief Alea. »Was machen wir jetzt?«

»Das ist bestimmt nur ein Kunde«, entgegnete Keno. Daher rief er in Richtung des Verkaufsraums: »Wir haben geschlossen!«

Da stand plötzlich ein Mann mittleren Alters im grauen Anzug in der Tür und raunte die beiden an:

»Wer sind Sie? Was machen Sie hier?«

Irritiert schauten sich Alea und Keno an. Sie wussten nicht, was sie sagen sollten.

»Ich bin Andreas Pechstein, der Neffe von Frau Pechstein. Und wer sind Sie?«

Schnell überlegte sich Alea eine Ausrede und übernahm das Reden:

»Mein Name ist Alea Stern und das ist Keno Richter. Wir haben Ihrer Tante in den letzten Tagen hier im Laden geholfen.«

»Deshalb haben Sie den Schlüssel?«, wollte der Mann wissen.

»Genau, sie gab ihn mir, als...« Sie stockte, weil sie nicht wusste, ob er schon über ihren Tod Bescheid wusste. Er wirkte sehr emotionslos, weshalb sie vermutete, dass er es nicht wusste.

»Als sie überfallen worden war«, ergänzte er tonlos. »Bedauerlicherweise hat sie die Nacht nicht überlebt. Deshalb bin ich hier. Der Laden geht nun in den Besitz der Familie über, weshalb ich hier nach dem Rechten sehen wollte. Leider fehlte der Schlüssel, aber ich habe einen Ersatzschlüssel in ihrer Wohnung gefunden. Ich war allerdings eben überrascht, weil der Laden geöffnet war. Ich wusste nicht, dass Sie ihren Schlüssel haben.«

»Ja, hier ist er«, sprach Alea und präsentierte den Schlüssel in ihrer Hand.

Da schnappte der Mann zu und entriss ihn ihr.

»Dankeschön«, sagte er. »Jetzt übernehme ich hier. Sie können gehen.«

»Wir wollten nur...«, hakte Keno ein, aber er wurde sofort wieder unterbrochen.

»Sie brauchen hier nichts mehr tun. Wir werden sowieso alles verbrennen lassen und dann die Räumlichkeiten verkaufen.« Der Mann schaute sich um und verzog verächtlich sein Gesicht. »Hier sind sowieso nur unsinnige alte Schinken und alles total verstaubt. Das ist nichts wert. Meine Tante hatte einen kleinen Dachschaden, aber jetzt hat das hier endlich mal ein Ende.«

Alea und Keno waren darüber entsetzt, wie kalt dieser Mann war und wie schlecht er über seine Tante sprach. Er zeigte keine Spur von Trauer, als ob Frau Pechstein lediglich eine Last für die Familie war.

»Jetzt gehen Sie bitte«, forderte er Alea und Keno auf, die sich nicht wehren konnten. Sie bekundeten ihr Beileid und verließen den Laden.

Draußen sagte Keno:

»Jetzt hätte ich gar kein schlechtes Gewissen mehr, Bücher mitzunehmen. Er wird diese wertvollen Werke vernichten lassen. Das ist absolut entsetzlich!«

»Das ist wirklich dumm gelaufen«, bestätigte die rothaarige Studentin. »Aber wir können es wohl nicht ändern.«

Resigniert gingen sie zurück ins Büro, wo Veit nicht mehr alleine war. Auch Arko war da und begrüßte sie. Keno berichtete sofort davon, was passiert war. Veits Reaktion war totale Verärgerung:

»So ein Mist! Wir hätten die Bücher echt gut gebrauchen können. Also dieses Mal war alles der totale Reinfall für uns.«

»Mir tut es ebenfalls leid für euch«, fügte Arko hinzu. »Doch bitte gebt nicht auf. Das war eine kleine Niederlage im Vergleich zu den vielen Siegen, die ihr bereits errungen habt und noch erringen werdet.«

Alea fand Arkos Zuspruch total lieb und bedankte sich aufrichtig bei ihm.

Es war ein hartes Los, dass sie erfahren mussten, wie es ist, wenn nicht alles glatt ging. Auch Niederlagen musste AZUPP einstecken, wie sie schwerlich lernten. Es war nur zu hoffen, dass es in Zukunft besser laufen würde, aber was noch auf sie zukommen sollte, stand in den Sternen. Sich darauf vorbereiten konnten sie nicht, aber sie konnten sich bemühen, stets ihr Bestes zu geben.


Mission Schicksal - 1.3 Rufe der VerzweiflungWo Geschichten leben. Entdecke jetzt