☠️ Kapitel 14 | Parlay? ☠️

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Am nächsten Morgen, direkt bei Sonnenaufgang, brachen wir auf. Die riesige Schiffsflotte machte sie auf den Weg. Elizabeth war genauso nervös wie ich. Gleich hieß es Krieg.
Wir könnten gerade in unseren Tod segeln. Es war ein beunruhigender Gedanke. Elizabeth würde nach ihren Tod, was auch immer danach kommen möge, vielleicht
ihre Eltern wieder sehen. Aber ich? Ich wäre
alleine. Alleine im nichts. Und dieser Gedanke war gruseliger als der Gedanke vom Tod generell.
Nicht zu vergessen, die ganzen Leute, die ich zurück lassen würde; Leute, die ich vermissen würde und die mich im Gegenzug auch vermissen würden. Aber ich versuchte nicht weiter darüber nachzudenken. Wir würden schon gewinnen. Wir mussten es einfach.

Wir segelten weiter über den noch ruhigen Ozean, als am Horizont ein Schiff erschien und Marty plötzlich schrie:
"DER FEIND IST DA! GREIFEN WIR AAANN!"
Erneut jubelten die Piraten lautstark, doch das änderte sich schnell. Aus dem Nebel am Horizont tauchten noch viel, viel mehr Schiffe auf. Unser Feind war anscheinend ebenfalls auf einen Krieg vorbereitet.
Cotton's Papagei krächzte.
"Alle Mann von Bord! Alle Mann von Bord!" Er flog schnell davon.
Die Crew schaute zu Jack.
"Parlay?", schlug er nervös vor.

Auf einer kleinen Sandbank war ein Treffpunkt ausgemacht. Hector, Elizabeth, Jack und ich gingen also von Bord. Hector hatte ebenfalls den kleinen Affen Jack mitgebracht.
Auf der anderen Seite befanden sich Will, Beckett und mein Vater, welcher in einem Eimer stand.
"Ihr seid der räudige Köter, der diese Wölfe vor unsere Tore geführt hat." sprach Hector verärgert.
"Gebt nicht Turner die Schuld. Er war bloß der Gehilfe bei dem Verrat an euch. Wenn ihr wissen wollt wer tatsächlich dahinter steckt, schaut zu eurer Linken." kam es monoton von Beckett. Wir alle sahen nach links. So auch Jack, obwohl neben ihm keiner mehr stand. Beschuldigte Beckett etwas gerade Jack?!

"Ich wasche meine Hände in Unschuld.. im übertragenen Sinne." verteidigte sich Jack.
"Ich traf meine Entscheidung allein und aus freien Willen getroffen. Jack hatte nichts damit zu tun." meinte Will anschließend.
"Wohl gesprochen. Hört auf das Helferlein."
"Will, ich war an Bord der Dutchman. Ich weiß welche Bürde du trägst, aber ich fürchte deine Hoffnung ist trügerisch." versuchte Elizabeth ihm klarzumachen.
"Keine Hoffnung ist trügerisch, solange es auch nur einen Narren gibt der dafür kämpft." antwortete Will. Danach blickte er kurz zu Jack. Ich kniff meine Augen überlegend zusammen, während ich zwischen den zwei Männern hin und her schaute. Was ging hier vor?

"Wenn Turner nicht in eurem Auftrag gehandelt hat, wie konnte er mir dann das hier überreichen?" Beckett holte einen Kompass hervor, der sehr verdächtig wie Jack's Kompass aussah. "Wir haben eine Vereinbarung, Jack. Ihr solltet mir die Piraten liefern.. und sie sind hier." Er warf Jack den Kompass zu. "Worauf wartet Ihr? Trete vor, fordert Eure Belohnung an." BITTE WAS?! Mein Kopf schnellte zu Jack, welchen ich geschockt ansah. Deswegen hatte er für mich gestimmt. Deswegen dieses ganze Gerede. Er hat uns alle verraten. Und er hat schon wieder gelogen.
Und was war dann das zwischen uns gestern Abend? Seine Zärtlichkeit hatte sich so real angefühlt, aber war sie es wirklich, oder war sie nur gespielt? Aber warum sollte er sie mir vorspielen? Zu der Zeit hatte ich doch schon zu einem Kampf zugestimmt. Reine Belustigung oder doch aus einem anderen Grund? Und schon wieder stellt sich heraus, dass gerade, als ich dachte, dass ich Jack Sparrow verstanden habe, er immer noch ein unverständliches Mysterium ist und bleibt.

Ich biss mir hart auf die Zunge, um nicht gleich auszurasten. Mein wütender Blick schweifte zu meinem Vater. Dieser schaute auch kurz in meine Richtung, als sein Gesicht sich plötzlich zu zog.

"Du hast deine Schuld mir gegenüber noch nicht beglichen." knurrte er wütend zu Jack. "100 Jahre in Knechtschaft an Bord der Dutchman. Für's erste."
"Diese Schuld wurde bezahlt, mein Freund. Mit etwas Hilfe." Jack deutete auf Elizabeth.
"Du bist geflohen."
"Naja, also eigentlich--"
"Ich beantrage einen Austausch." unterbrach Elizabeth. Ich sah sie verwirrt an. "Will kommt mit uns und dafür kriegt ihr Jack."
"Gut." sagte Will.
"Nicht gut." antwortete Jack schnell.
"Gut." meinte Beckett.
"Jack ist einer der neun Piratenfürsten. Das könnt Ihr nicht machen." warf Hector ein.
"Ich nicht." Elizabeth sah zur mir.
"Was?", wunderte ich mich.
"König." grinste sie leicht. Ich blinzelte ein paar Mal. Wollte sie gerade, dass ich Jack gegen Will tausche? Ich war ehrlich gesagt im Moment sauer auf beide. Beide haben uns verraten, aus jeweils eigenem Interesse und eigenen Zielen. Ich möchte keinen von beiden bei uns haben.

"Also, wie lautet die Entscheidung?", fragte Beckett hochnäsig. Beckett ging mir echt auf die Nerven.
"Lord Beckett, haben Sie etwas Geduld." sagte ich und drehte mich zu Elizabeth. "Bist du sicher?"
"Ja, bin ich." flüsterte sie entschlossen. "Bitte?"

Anschließend sah ich zu Jack und zu Will. Ich seufzte kurz und flüsterte zu Elizabeth.
"Nur weil du's bist." Ich widmete mich dann wieder Beckett. "Einverstanden!"
So wie ich Jack kannte, würde er sowieso einen Weg finden, irgendwie zu flüchten. Er kam doch bis jetzt aus allen schwierigaussehenden Situationen raus. Mein Blick ging wieder zu Jack. Er zog den Hut und verbeugte sich.
"Wie Ihr befiehlt, Eure Empfindlichkeit."
"VERRÄTER!", schrie Hector plötzlich und zog sein Schwert. Er schlug nach Jack. Der Anhänger den Jack immer über seinem Kopftuch trug, wurde dabei von Hector abgetrennt. Affe Jack sprang von Hector's Schulter und griff den Anhänger.
"Wenn du etwas zu sagen hast, so werde auch ich etwas zu sagen haben." sagte Hector bedrohlich.

"Wer als erster das Ziel erreicht." antwortete Jack nur und ging dann zur anderen Seite hinüber. Will und er schauten sich einfach still im Vorbeigehen an. Will positionierte sich neben mich.
Beckett stellte sich Jack in den Weg und zeigte ihm er sollte sich an den Platz treten, an dem Beckett vorher stand, neben meinen Vater. Widerwillig tat er es und setzte auch seinen Hut wieder auf.
"Fürchtest du den Tod?", fragte mein Vater.
"Du hast ja keine Ahnung." erwiderte Jack, ohne ihn anzuschauen.
Beckett tat anschließend ein paar Schritte zu uns vor.

"Informiert die Bruderschaft. Wenn ihr kämpft, wird jeder von euch sterben, oder ihr kämpft nicht, in dem Fall sterben nur die meisten von euch." drohte er uns.
Selbstbewusst ging ich auf ihn zu.
"Seid Euch da bloß nicht so sicher, Lord Beckett. Sie glauben doch nicht tatsächlich, wir würden uns jetzt noch zurückziehen? Denken Sie diese kleine Drohung und ein paar von Ihren mickrigen Schiffchen jagen uns Angst ein?"
"Ihr habt meinen Vater ermordet!", rief Elizabeth, von hinten, zornig.
"Er hat sein Schicksal selbst gewählt." antwortete Beckett und würdigte ihr dabei nicht mal eines Blickes.
"So wie Ihr das Eure gewählt habt." entgegnete ich ihm. "Ihr habt Euch einen gefährlichen Feind gemacht. Diese Männer haben nichts zu verlieren. Sie werden bis zum letzten Atemzug kämpfen. Sie kämpfen gegen unbezwingbare Waffen, Beckett."
"Ach, ist das so?"

Nun war ich diejenige, die anfing hochnäsig zu grinsen. Ich hob meine Hand und bewegte nur leicht meine Finger, als das Wasser um uns herum begann etwas unruhig zu werden und schwach zu sprudeln. Mein Vater, Jack und Beckett, schauten sich kurz irritiert um. Die Reaktionen von Elizabeth, Will und Hector konnte ich gerade nicht sehen.
Dann senkte ich meine Hand und das Wasser hörte wieder auf.

"Merken Sie sich das, Beckett. Sie sind auf meinem Gebiet.." Ich drehte mich für einen Moment zu den ganzen Piratenschiffen um. "auf unserem Gebiet. Dieser Kampf wird nicht so leicht werden, wie Sie es sich vorstellen, aber ich hoffe, sie überleben bis zum Ende, damit Sie mit ansehen können, wie die Trading Company untergehen wird. Wir werden kämpfen! Sie..werden sterben!" Ich drehte mich um und ging, ohne nochmal zurückzublicken, Richtung Ruderboot. Elizabeth, Hector und Will folgten. Elizabeth holte auf und lief neben mir.
"Gut gemacht." lächelte sie mich stolz an. Ich lächelte zurück.
"König?", wunderte sich Will nun.
"Des Hohen Rat's der Bruderschaft. Es war Jack's Idee." erklärte ich ihm.
"Vielleicht weiß er ja doch was er tut."
Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Dies wird sich zeigen.

Liebe, Tod Und Freiheit [Book 3]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt