Iskaii lauschte den Worten, während er die Bedeutung der Worte tief in sich aufnahm. Sein Gesicht war eine undurchdringliche Maske und schließlich nickte er bedächtig.
"Hoch erfreut", raunte er, seine Stimme rau wie zerbröckelnder Stein. Mit einer knappen Geste deutete er eine Verbeugung an, die trotz seines zerrissenen und von Blut durchtränkten Hemdes, sowie den Überresten der Ghule, die an ihm klebten, nichts von ihrer ursprünglichen Eleganz verloren hatte. "Mir schwant, all dies, was Ihr seid und was Eure Macht bewirken kann, hat diese Welt verdient."
Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie Freya bei seinen Worten zusammenzuckte. Sie, die sonst so furchtlos und unnachgiebig war, zeigte plötzlich Furcht. Ein flüchtiges Zucken seiner Lippen, kaum mehr als ein Hauch von Belustigung, entging jedem, nur nicht Skàdi.
Ein Teil von ihm sehnte sich danach, diese verstörende Welt, die ihm nichts bedeutete, in Flammen aufgehen zu sehen. Er wollte die Schreie hören, das Chaos entfesseln, das aus Asche und Blut geboren wird. Doch tief in ihm regte sich ein Widerwille, ein letztes Zögern, das ihn daran erinnerte, dass es in dieser Welt Menschen gab, deren Schicksal untrennbar mit dem der anderen Welten verbunden war – und damit auch mit seinem eigenen.
So sehr ihn diese Welt auch anekelte, so sehr sie ihm wie ein überflüssiger Albtraum erschien, den es auszulöschen galt, so wusste er doch, dass ihr Ende Konsequenzen hätte, die selbst er nicht vollständig überblicken konnte. Und während er auf das Chaos um ihn herum starrte, erkannte er, dass er noch nicht bereit war, den letzten Schritt zu gehen, noch nicht bereit war, sich dem ewigen Schlaf zu ergeben. Es war nicht die Gnade, die ihn zögern ließ, sondern ein tiefes, uraltes Verlangen nach Überleben.
"Dennoch, würdet Ihr mit der Auslöschung dieser Welt auch das Ende unserer Schöpfer heraufbeschwören. Obgleich mir der Gedanke an ihren Tod ein Lächeln entlockt, bleibt die bedrückende Vermutung, dass deren Untergang auch unser Ende bedeutet." Seine Stimme verlor sich in einem Moment des Schweigens, während er ihr tief in die Augen sah - es war, als blickte er in einen Abgrund, dessen Tiefe unermesslich war.
Eine Erkenntnis traf ihn wie ein Dolchstoß ins Herz: Sie empfand keine Emotionen. Kein Mitgefühl, keine Furcht, keine Freude.
"Ich danke Euch für meine Rettung. Doch scheint es mir, dass diese sinnlos war, wenn Ihr jetzt entscheidet, die Welt zu vernichten." Ein bitteres Lächeln umspielte seine Lippen, während seine Augen weiterhin mit ihren verwoben waren.
In diesem Moment gewahrte er eine Bewegung am Rande seines Blickfeldes. Ein heller Schopf, der kurz aufblitzte. Seine Augen wanderten zu einem faustgroßen Loch in der Mauer. Dort, kaum sichtbar im Halbdunkel, erblickte er Dandelia. Ihr Gesicht war ein Trümmerfeld aus Blut, Sekret und Dreck, ihre eisblauen Augen weit aufgerissen vor Unglauben und Angst. Sie starrte zu ihnen herüber, ihre Wangen glitzerten feucht von Tränen.
Ein Stich durchfuhr sein Herz, als er die Emotionen in ihrem Blick erkannte. Es war, als ob ihre Tränen die Kälte in seinem eigenen Inneren spiegelten, die Leere, die er in den Augen Skàdis sah. Weinte Dandelia seinetwegen?
„Er lebt", keuchte Dandelia, ihre Stimme kaum mehr als ein gehauchtes Flüstern, während sie von Samantha zurück in den Schutz hinter der bröckelnden Mauer gezogen wurde. Die kühlen Steine drückten sich hart und unerbittlich gegen ihren Rücken, als ob sie ihnen irgendeine Form von Sicherheit bieten könnten. Doch diese Wand, gezeichnet von Rissen und Einschlägen, würde kaum mehr als eine Sekunde standhalten, wenn die Irre es darauf anlegte, sie zu zerstören.
„Noch", zischte die Rothaarige und richtete ihren Blick auf Dean. Es war, als wollte sie sein Gesicht ein letztes Mal in sich aufnehmen, jede Linie, jede Narbe, bevor das Unvermeidliche eintraf und der Tod seine kalten Finger nach ihnen ausstreckte. „Sie sieht nicht so aus, als fassen wir uns gleich alle bei den Händen und singen Kumbaya."
DU LIEST GERADE
Cemetery Story
ContoEs sollte nur ein entspanntes Treffen ihrer Schöpfer werden, doch nur eine Gruppennachricht später, finden sie sich in der Nacht auf einem Friedhof wieder. Die Protagonisten von CCK Schildmaid und Jen Thorn fluchen nicht schlecht, als sie aufeinande...
