Aemond Tagaryen (House of the Dragon)

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Ich hatte immer das Gefühl, in den Schatten zu leben. Als blinde Tochter des Hauses Targaryen war es schwer, sich wahrgenommen zu fühlen. Die Welt um mich war ein Kaleidoskop aus Geräuschen, Düften und Berührungen, doch nie aus Farben und Licht. Niemand schenkte mir viel Aufmerksamkeit, bis auf Aemond. Er war anders als die anderen. Schon in meiner Kindheit hatte ich ihn beobachtet, wie er in den Hallen des Red Keep ging – stolz und mit einem unergründlichen Blick, als würde er die Welt beherrschen. Doch es war nicht nur das, was mich an ihm faszinierte. Es war seine Art, wie er mich ansah, oder besser gesagt, wie er mich schützte, ohne ein Wort zu verlieren. „Du musst aufpassen, Y/N", sagte er oft, seine Stimme war rau und tief, und jedes Mal, wenn er bei mir war, fühlte ich mich sicherer, als hätte ich einen unsichtbaren Schutzschild um mich. Vielleicht war es das Gefühl von Geborgenheit, das mich immer wieder zu ihm zog. Vielleicht war es die Tatsache, dass er der einzige war, der mich wirklich zu sehen schien, auch wenn ich ihm nichts zeigen konnte.

Es war ein milder Frühlingstag, die Luft war warm, aber nicht heiß, und der Duft von blühenden Blumen drang bis in meine Nase. Ich saß am Fenster meines Zimmers und lauschte den Geräuschen des Hofes. Plötzlich hörte ich Schritte – langsame, bedächtige Schritte, die sich meinem Zimmer näherten. „Y/N", seine Stimme war sanft, aber dennoch fest. „Es ist Zeit für deinen Spaziergang. Komm, ich werde dich begleiten." „Aemond", flüsterte ich, obwohl er schon oft angeboten hatte, mich zu begleiten. Es war immer noch schwer für mich, diese Hilfe anzunehmen. „Ich kann alleine gehen." „Das glaube ich nicht", sagte er mit einem Hauch von Humor, aber auch einer Ernsthaftigkeit, die mir das Herz schneller schlagen ließ. „Ich werde dich nicht im Stich lassen." Seine Hand ergriff sanft meine. Es war die Berührung eines Mannes, der wusste, wie zerbrechlich ich war, aber es war auch die Berührung eines Mannes, der mich beschützen wollte – und der wusste, dass er es auch tun konnte. Seine Hand fühlte sich warm an, kraftvoll und sicher. Während er mich durch die Gänge führte, hörte ich den beruhigenden Klang seines Atems und das gleichmäßige Klopfen seiner Schritte. Als wir den Garten erreichten, fühlte ich den Duft der Rosen und die Frische der Luft um mich. Ich atmete tief ein und konnte für einen Moment den Trubel des Hofes vergessen. „Aemond, du bist immer so aufmerksam", sagte ich leise, als wir auf einer Bank im Garten Platz nahmen. „Warum tust du das?" „Weil du es verdienst, sicher zu sein", antwortete er. „Weil du mehr bist als nur das, was du siehst oder was andere sehen. Du bist alles, was ich brauche." Seine Worte trafen mich wie ein Pfeil, aber es war kein schmerzhafter. Es war, als würde mein Herz einen Schlag auslassen, bevor es wieder anfing zu pochen – schneller, lauter, unaufhaltsam. Ich wusste, dass er mir etwas mehr sagte, als er wollte. Ich konnte es hören – in der Art, wie er seine Worte wählte, in der Art, wie sich seine Stimme wandelte. Ich hatte nie wirklich darüber nachgedacht, was er für mich empfand. Ich hatte es mir nie erlaubt, darüber nachzudenken. Doch jetzt war es schwer, die Gedanken zurückzuhalten. „Aemond...", begann ich zögerlich, „glaubst du, dass jemand wie ich es verdient, geliebt zu werden?" Es war ein Moment der Stille, ein Moment, in dem ich beinahe das Gefühl hatte, dass er meine Frage nicht hören würde. Doch dann, als ich mich fast sicher war, dass er schweigen würde, legte er seine Hand auf meine und zog mich sanft zu sich. „Du bist alles, was ich will, Y/N", flüsterte er. „Du hast mein Herz in einem Moment erobert, und ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen." Ich konnte es kaum fassen. Seine Worte klangen wie ein Lied, das mein Herz berührte, das es zum Schwingen brachte. „Du... du liebst mich?" Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber ich wusste, dass er mich verstanden hatte.

„Ja", sagte er einfach, ohne Zögern, ohne Unsicherheit. „Ich liebe dich, Y/N." Seine Worte ließen mein Herz überfließen, und plötzlich war die Welt um mich herum nicht mehr so dunkel und leer. Ich konnte fühlen, wie sich etwas in mir veränderte, wie sich eine Wärme ausbreitete, die mich von innen heraus erfüllte. Es war, als wäre das Licht in mir wieder entfacht, ein Licht, das ich lange nicht gespürt hatte. „Aemond...", flüsterte ich, als er sich langsam zu mir neigte. „Ich habe dich immer bewundert. Aber ich wusste nicht, ob du mich je bemerken würdest. Du bist der einzige, der mich sieht. Der einzige, der mich versteht." Seine Antwort war ein leises Lächeln, das sich auf seine Lippen schlich, bevor er meine Hand ergriff und sie an seine Brust legte. Ich konnte den Herzschlag unter seiner Kleidung fühlen, stark und gleichmäßig, und es ließ mich wissen, dass er die gleiche Intensität empfand, die ich fühlte. „Du bist nie unbemerkt gewesen, Y/N", sagte er mit einer sanften Stimme. „Du warst immer da. Ich habe dich immer gesehen. Und jetzt werde ich dich nie wieder loslassen." Mit diesen Worten beugte er sich weiter zu mir, seine Lippen trafen die meinen in einem zarten, aber festen Kuss. Ich konnte den Geschmack seiner Haut schmecken, die Wärme seines Körpers spüren, und für einen Moment verlor ich mich vollkommen in diesem Gefühl. Es war mehr als nur ein Kuss. Es war eine Versprechen, eine Bindung, die uns für immer verbinden würde. Als er sich zurückzog, sah er mich an, seine Augen tief und ernst. „Ich werde dich immer beschützen, Y/N. Du musst nie wieder alleine sein." „Und ich werde immer bei dir sein, Aemond.", antwortete ich, meine Stimme fest und sicher. Er legte seinen Arm um mich und zog mich in eine sanfte Umarmung. Ich fühlte seine Wärme, seinen Atem auf meinem Hals, und in diesem Moment wusste ich, dass ich in seinen Armen sicher war – dass ich nie wieder in der Dunkelheit alleine kämpfen musste. Unsere Welt war jetzt nicht mehr dunkel. Sie war voller Liebe, Hoffnung und einem Versprechen, das keiner von uns je brechen würde.

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