Das Wochenende verging wie im Flug.
Lexie zeigte Enya jede Ecke von Valdris, und je mehr sie sah, desto mehr wurde ihr bewusst, wie riesig und prachtvoll dieses Königreich war.
Die Straßen waren von glatten Steinen gepflastert, die in der Sonne schimmerten. Gebäude aus weißem Marmor mit kunstvollen Drachenverzierungen erhoben sich majestätisch entlang der Hauptstraßen. Magische Laternen schwebten über den Gassen und tauchten die Stadt in ein sanftes, warmes Licht. In den Märkten duftete es nach exotischen Gewürzen, frisch gebackenem Brot und fremden Blumen, deren Blüten in Farben leuchteten, die Enya noch nie gesehen hatte.
Lexie führte sie zu einem riesigen Platz mit einer imposanten Statue in der Mitte - zwei majestätische Drachen mit ausgebreiteten Flügeln in einander verschlungen.
„Das sind Valdris' Wächter", erklärte Lexie stolz. „Eine Statue zu Ehren der ersten Drachen. Der Urdrachen sozusagen . Es heißt, dass ihre Magie noch immer durch die Stadt fließt."
Enya konnte den Blick nicht abwenden. Sie hatte noch nie eine Stadt gesehen, die so voller Geschichte und Magie war.
Aber das Schönste an diesem Wochenende war nicht die Stadt selbst - es war Lexies Familie.
Von Anfang an behandelten sie Enya, als wäre sie eine von ihnen. Nia hing die ganze Zeit an ihr und stellte tausend Fragen, während Soren und Lucian ständig darum wetteiferten, wer Enya am besten im Schwertkampf unterrichten könnte. Caius blieb meist ruhig, beobachtete sie mit wissendem Blick, während Elara sich als überraschend freundlich erwies, auch wenn sie manchmal etwas überheblich wirkte.
Das Abendessen war jedes Mal ein Spektakel. Die Familie lachte, diskutierte, stritt sich spielerisch - es war so lebendig, so voller Wärme, dass Enya sich manchmal dabei erwischte, wie sie einfach nur dasaß und lächelte.
So musste sich Familie anfühlen.
Doch das Wochenende ging viel zu schnell vorbei.
Am Sonntag standen Enya und Lexie früh auf, packten ihre Sachen und verabschiedeten sich. Nia klammerte sich an Enya und jammerte: „Komm bald wieder, ja?"
„Versprochen."
Dann stiegen sie in das Flugzeug, die sie zum Portal brachte. Als Enya noch einmal auf die Stadt zurückblickte, konnte sie nicht verhindern, dass sie sich wünschte, noch ein wenig länger bleiben zu können.
Kurz darauf flohen sie durch das Portal - und die Magie riss sie zurück in die Realität der Silver Stone Academy.
Das Wochenende war vorbei.
Kaum hatte der Schulalltag wieder begonnen, war das Wochenende schon fast vergessen.
Es war Montagmorgen, und die Müdigkeit stand jedem ins Gesicht geschrieben. Die meisten Schüler schleppten sich nur halb wach durch die Gänge, während sie ihre Sachen aus den Spinden nahmen oder gähnend in die Klassenräume trotteten.
Der erste Unterricht des Tages war Geschichte, wieder bei Professor Vale.
Er stand bereits an der Tafel, als die Schüler den Raum betraten, und hatte eine große, kunstvoll gezeichnete Illustration aufgerollt. Sie zeigte zwei gigantische Drachen - einer aus lodernden Flammen, der andere aus eisigem Frost.
„Setzt euch", forderte er sie auf, seine Stimme ruhig, aber bestimmt.
Langsam füllte sich der Raum mit dem Rascheln von Büchern und Pergamentrollen, während sich alle vorbereiteten.
„Heute sprechen wir über die Urdrachen."
Ein leises Raunen ging durch die Klasse. Die Urdrachen - die ältesten und mächtigsten Drachen der Legenden.
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Dragons Ich bin anders
FantasyJeder trägt ein Geheimnis in sich. Manche sind harmlos. Andere verändern dein ganzes Leben. Enya Valtara dachte immer, sie sei ein normales Mädchen - bis zu dem Tag, an dem sie nach Silver Stone gebracht wurde. Eine Schule voller Fremder, ein Ort, a...
