Das Siegel

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POV: Evan

Evan lag wach in seinem Bett.

Seit Tagen konnte er nicht schlafen. Immer wieder hörte er ihre Stimme – leise, brüchig, wie ein Windhauch in dunkler Nacht: „Das Siegel."

Zuerst hatte er geglaubt, es sei nur ein Traum.

Doch je öfter er sich daran erinnerte, desto klarer wurde ihm: Enya hatte es wirklich gesagt.

Flüsternd.

Mit zitternder Stimme.

Als würde sie sich kaum trauen, es auszusprechen.

Doch warum?

Er hatte versucht, es zu vergessen, aber das war unmöglich. Das Wort hallte in seinem Kopf wider, als würde es in ihm eine Tür öffnen, von der er nichts wusste.
Irgendetwas stimmte nicht.

Und er wusste: Wenn Enya es gesagt hatte, dann war es wichtig.

Aber Evan war nicht dumm.

Er war ein Prinz – und ein Alpha. Er wusste, wem er vertrauen konnte und wem nicht.

Die Lehrer? Viel zu sehr in Regeln verstrickt.

Der Schuldirektor? Undurchsichtig.

Und Jane... nein, besonders ihr nicht.

Also tat er, was er immer tat, wenn es ernst wurde: Er entschied selbst.

———

Es war Nacht, als er sich in der Halle mit Lexie traf. Sie wartete bereits auf ihn, das kurze Haar verwuschelt, die Augen wachsam.

„Du willst mir wirklich nicht sagen, worum es geht?", fragte sie leise.

„Noch nicht", sagte Evan und trat zu ihr. „Ich... ich weiß nicht mal genau, was es bedeutet. Aber es hat mit Enya zu tun. Und ich brauche deine Hilfe."

Lexie musterte ihn einen Moment, dann nickte sie. „Immer."

Auch Jojo ließ sich nicht zweimal bitten. Die Zwillinge – Liam und Dan – waren sofort begeistert von der Idee, heimlich zu verschwinden, besonders wenn es um ein königliches Geheimnis ging. Nur Tete hatte gezögert.

„Wenn wir erwischt werden, fliegen wir raus."

„Dann darfst du eben nicht erwischt werden", hatte Lexie trocken geantwortet, und Tete hatte resigniert genickt.

Sie verließen Silver Stone kurz nach Mitternacht. Evan hatte bereits alles organisiert.

Am Rand des Internats wartete das königliche Privatflugzeug, diskret in den Schatten geparkt, geschützt durch magische Abschirmungen.

Der Pilot, ein alter Vertrauter der königlichen Familie, sagte kein Wort.
Ein einziger Blick von Evan genügte.

Das Flugzeug war modern, leise, mit schwarzen Sitzen aus teurem Leder und verspiegelten Scheiben.

Als sie abhoben, lag die Akademie wie ein schlafender Riese unter ihnen.

Evan sah aus dem Fenster und fragte sich, ob Enya wusste, was ihre Freunde für sie taten. Und was er für sie tat.

Keiner sprach viel während des Fluges.

Lexie las in alten Aufzeichnungen, Jojo kritzelte Notizen auf ein Stück Pergament.
Liam und Dan diskutierten flüsternd über mögliche Siegel und magische Artefakte, während Tete stoisch alle Gesetze durchging, die sie gerade brachen.

Nach zwei Stunden und dem Portal glitt das Flugzeug lautlos durch die Wolken über Valdris.

Das Schloss erschien wie ein schlafender Drache am Horizont – gewaltig, majestätisch und gefährlich.

Dragons Ich bin andersWo Geschichten leben. Entdecke jetzt