Die morgendliche Hektik in der Mensa rauschte an Enya vorbei, als wäre sie hinter einer dicken Glasscheibe. Teller klirrten, Stimmen vermischten sich zu einem undefinierbaren Summen, und das warme Licht der aufgehenden Sonne fiel durch die großen Fenster. Doch Enya nahm davon kaum etwas wahr. Sie stocherte mit der Gabel in ihrem Essen herum, ohne wirklich zu essen.
Ihre Gedanken kreisten immer wieder um die letzte Nacht. Um Evan Blackwood. Um den Prinzen von Aldris. Um die Art, wie er sich bewegt hatte - so kraftvoll, so kontrolliert. Um seinen Blick, als er innehielt und sich umsah, als hätte er sie gespürt. Sie wusste nicht, warum sie überhaupt an ihn dachte, aber es ließ sie nicht los.
„Enya?"
Die Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Sie blinzelte und sah auf. Lexie betrachtete sie mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Hm?", machte Enya verwirrt.
„Du bist total abwesend", stellte Vio fest und schob sich eine Traube in den Mund.
„Ja, als wärst du in einer anderen Welt", fügte Jojo hinzu, während sie ihren Orangensaft trank.
Enya straffte sich. „Ich bin nur müde", murmelte sie, schob ihren Teller beiseite und griff nach ihrer Tasche.
„Wohin gehst du?" Lexie sah sie fragend an.
„Ich habe gleich Magietraining."
„Du hast kaum was gegessen", warf Vio ein.
„Ich hab keinen Hunger." Ohne eine weitere Erklärung drehte Enya sich um und verließ den Speisesaal.
Draußen schlug ihr kühle Morgenluft entgegen, doch die frische Brise half kaum, ihre Gedanken zu ordnen. Sie ließ den Blick über das Gelände schweifen, die großen Bäume am Rand des Weges, das Sonnenlicht, das durch die Blätter fiel. Alles wirkte so friedlich - ganz im Gegensatz zu ihrem inneren Chaos.
Sie seufzte und ging weiter in Richtung Sportplatz 10. Doch plötzlich trat ihr jemand in den Weg.
Jane.
Mit verschränkten Armen und ihrem üblichen selbstgefälligen Lächeln stand sie da, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet.
„Na, wen haben wir denn da?", begann sie mit süffisanter Stimme. „Die ach so besondere Alpha."
Enya blieb abrupt stehen. Sie konnte Janes provozierenden Ton nicht ausstehen. „Was willst du, Jane?"
„Oh, nichts Besonderes." Jane neigte leicht den Kopf. „Ich wollte dich nur daran erinnern, dass es völlig egal ist, ob du ein Alpha bist. Du wirst nie besser sein als ich."
Enyas Kiefer verspannte sich.
Jane trat einen Schritt näher. „Weißt du, du bist gar kein richtiger Alpha. Dafür bist du zu schwach, zu unfähig. Du kannst nicht einmal deine Magie richtig kontrollieren."
Etwas in Enya zerbrach. Es war, als würde ein Funke in ihr auf eine Lunte treffen. Hitze breitete sich in ihr aus, ihre Muskeln spannten sich an, ihre Hände ballten sich zu Fäusten.
Am liebsten hätte sie Jane sofort gezeigt, dass sie sich irrte. Doch sie zwang sich, ihre Wut hinunterzuschlucken. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und marschierte weiter.
Die Wut brodelte in ihr, heiß und unaufhaltsam. Sie brannte in ihrer Brust, in ihren Fingern.
Sagen die Leute das über sie? Glauben sie wirklich, sie sei zu schwach?
Ihre Schritte wurden schneller. Die Wut fraß sich tief in ihre Gedanken.
Sie wird es ihnen beweisen.
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Dragons Ich bin anders
FantasiJeder trägt ein Geheimnis in sich. Manche sind harmlos. Andere verändern dein ganzes Leben. Enya Valtara dachte immer, sie sei ein normales Mädchen - bis zu dem Tag, an dem sie nach Silver Stone gebracht wurde. Eine Schule voller Fremder, ein Ort, a...
