Der erste Blick

23 1 9
                                        

POV: Evan

Evan saß mit verschränkten Armen am Tisch, starrte auf das mahagonifarbene Holz vor ihm und hörte nur halb zu, wie sein Vater, König Aldric, in ruhigem, aber bestimmendem Ton sprach. Er war sauer. Sauer auf seinen Vater und was dieser von ihm verlangte.

Der Raum war groß, die Wände prunkvoll, das Fenster bot einen atemberaubenden Blick auf das weite Land von Valdris.

Doch der Blick nach draußen konnte Evans Unbehagen nicht lindern.

Der König sprach von der Zukunft. Aber was er verlangte, war alles andere als das, was Evan sich für sich selbst erträumt hatte.

„Evan", begann der König, „du bist nun alt genug, die Verantwortung zu übernehmen. Du hast gelernt, wie du dich in unserer Welt bewegst, wie du die Macht spürst. Aber es gibt noch mehr, das du verstehen musst, wenn du eines Tages der Anführer dieses Reiches sein sollst."

Evan seufzte, ohne den Blick vom Tisch zu heben.

Er wusste, was kommen würde.

Diese endlosen Lektionen über Verantwortung und Macht.

„Vater, ich weiß, was du mir sagen willst. Ich weiß, was von mir erwartet wird. Aber das hier..."

Er wischte mit einer Hand über das Holz, als wolle er die Schwere der Verantwortung wegwischen.

„Das ist nicht mein Weg."

Der König verschränkte die Hände und lehnte sich vor, sein Blick stechend und direkt.

„Du wirst nach Silver Stone gehen. Du wirst lernen, was es wirklich bedeutet, ein Drachenwandler zu sein. Es ist nicht nur genug, mit deiner Macht geboren zu werden, Evan. Du musst sie verstehen. Du musst sie beherrschen. Silver Stone ist der einzige Ort, an dem du die wahre Stärke eines Drachenwandlers lernen kannst. Und vielleicht auch die eines Alphas."

„Ich weiß bereits, dass ich ein Alpha bin, Vater", sagte Evan, seine Stimme klang kühl, als er endlich den Blick von dem Tisch hob.

„Ich brauche keine Lektionen von irgendeinem dieser alten Drachenwandler, die mir erklären, was ich schon seit meiner Geburt weiß."

Doch der König blieb ruhig, fast schon ungerührt von Evans Widerstand.

„Du weißt.... , dass du deine wahre Stärke erst dort erkennen wirst. Du wirst nicht nur lernen, was es bedeutet, ein Drachenwandler zu sein – du wirst lernen, was es bedeutet, ein Anführer zu sein. Dein Erbe ist nicht nur deine Macht, Evan. Es ist auch die Verantwortung, die du eines Tages tragen musst. Und du wirst lernen, wie man mit den anderen Drachenwandlern zusammenarbeitet, um unser Reich zu schützen."

„Aber warum Silver Stone?", fragte Evan, der sich innerlich bereits gegen den Gedanken sträubte.

„Warum nicht privat, wie andere?"

„Weil du nicht nur als Prinz von Valdris lernen wirst", erklärte der König, „sondern als jemand, der eines Tages die ganze Welt führen könnte. Du wirst mit Drachenwandlern aus der Menschenwelt und aus Valdris selbst zusammentreffen. Du wirst verstehen, wie sie denken, was sie antreibt. Und du wirst lernen, wie du diese Macht nutzen kannst, um unser Reich und das Gleichgewicht der Drachenwandler zu wahren."

Evans Magen zog sich zusammen. „Und was, wenn ich nicht will?"

„Du wirst es tun", sagte der König eindringlich.
„Ich erwarte, dass du dies als Pflicht verstehst, nicht als Wahl. Dies ist der Beginn deines Weges. Silver Stone wird dir helfen, deine wahre Bestimmung zu finden. Mach dir keine Illusionen, Evan. Du wirst es tun, oder du wirst ohne Unterstützung dastehen, wenn du eines Tages die Verantwortung tragen musst."

Dragons Ich bin andersWo Geschichten leben. Entdecke jetzt